Kettensägen Test

Dicke Äste und Stämme zersägen – das schafft kein Werk­zeug so schnell wie eine Kettensäge. Aber kein anderes ist so gefähr­lich. Drei Sägen im Test bergen spezielle Risiken.

Kettensägen Test

Die Schnitt­stärkste. Beindi­ckes Holz durch­trennt sie in wenigen Sekunden.

Der Motor heult auf, es kann losgehen. Kaum ist das Start­signal ertönt und die Stopp­uhr läuft, fliegen die Späne. In Sekunden­schnelle frisst sich die Säge durch den auf Böcken liegenden Stamm. Sobald ein Stück zu Boden fällt, ist der nächste Schnitt in Arbeit. 50 Holz­scheiben muss die Kettensäge bewältigen, dann stoppt einer der Prüfer die Zeit.

„Bei unserem Test ging es oft zu wie bei Wett­kämpfen der Forstarbeiter. Nur dass hier nicht das Geschick der Menschen im Vordergrund stand, sondern die Leistung der Maschinen“, berichtet Projektleiterin Christiane Bött­cher-Tiedemann. „Die Unterschiede sind enorm.“ Die 50 Schnitte durch das 14 Zenti­meter starke Fichten­holz – insgesamt etwa 7  700 Quadratzenti­meter Schnitt­fläche – schafft die Husqvarna mit Benzin­motor in etwa vier Minuten. Umge­rechnet sind das fünf Sekunden, um einen beindi­cken Stamm zu durch­trennen. Die leistungs­schwächste Säge im Test, die Bosch mit Akku, braucht dreimal so lange.

30 Äste in 18 Sekunden

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Als nächste Disziplin steht das Entasten auf dem Prüf­programm. Dazu muss kein Baum fallen. Test­objekt ist ein langer Prüf­stamm, der in regel­mäßigen Abständen mit bunten Buchen­holz­stäben als künst­lichen Ästen gespickt ist.

Wieder heißt es: „Auf die Plätze, fertig, los.“ Der Prüfer, ein Forst­wirt­schafts­meister mit Wett­kampf­erfahrung, arbeitet sich flink wie ein Wiesel Ast für Ast am Stamm entlang. Die 30 Holz­stäbe kappt er in einer Rekord­zeit von 18 Sekunden – auch hier ist die Husqvarna mit Benzin­motor die Schnellste im Test.

Benzin, Elektro, Akku

Zum Vergleich treten zwölf Modelle gegen­einander an: fünf mit Benzin­motor, vier mit Elektromotor und Stecker, drei mit Akku. Für harte Wald­arbeit eignen sich nur die Benziner. Akkugeräte funk­tionieren dort auch, aber die Kapazität eines Akkus reicht im Test nur für maximal zehnminütiges Sägen. Außerdem laufen ihre Ketten relativ lang­sam. Wenn ein gefällter Baum am Boden liegt, stehen die Äste oft unter enormer Spannung. Nur mit einem blitz­schnellen Schnitt klappt das Entasten. Lang­same Akkusägen könnten hier fest­klemmen. Bei den Wald­prüfungen durften sie pausieren.

Gefähr­lich schnell

Kettensägen Test

Baumschonend. Im Normalfall reicht eine Fäll­kerbe. Im Test wird öfter gesägt.

Je schneller die Späne fliegen, desto beein­druckender. Die Motoren beschleunigen die Ketten zum Teil auf rasante 70 km/h und mehr. So viel Power mit den eigenen Händen lenken zu können, ist vor allem für Neulinge faszinierend. Doch der erfahrene Prüfer warnt vor zu viel Euphorie und Leicht­sinn: „Selbst bei Profis wie Forstarbeitern passieren immer wieder Unfälle mit schwersten Verletzungen.“

Tote und Verletzte

Wie viele Menschen beim Arbeiten mit der Kettensäge verunglü­cken, sagt keine Statistik. Doch Unfall­experten kennen viele Vorfälle, bei denen es Schwer­verletzte und sogar Tote gab. Ursache war meist menschliches Fehl­verhalten.

Tipp: Wer keine oder nur wenig Erfahrung mit Motorsägen hat, sollte sich vor Inbetrieb­nahme unbe­dingt bei Profis schlaumachen. Auch guter Arbeits­schutz ist lebens­wichtig.

Eines der Horrorszenarien: Die Kette reißt oder springt aus der Führung und schlägt wie eine Peitsche in Richtung Beine und rechte Hand des Sägenden. Projektleiterin Bött­cher-Tiedemann: „Alle Sägen im Test haben an der Unterseite einen Ketten­fang­bolzen. Der ist stabil genug, um die Wucht des Peitschen­schlags zum Teil abfangen zu können. Und ein breiter Hand­schutz unter dem hinteren Griff verhindert, dass die Kette die Hand zerfetzt.“

Tipp: Je nach Sägehaltung können Kette oder Äste auch andere Körperteile treffen. Deshalb unbe­dingt die komplette Schutz­kleidung tragen. Auch wichtig: Nicht nur vor der Arbeit, sondern auch in den Säge­pausen das Spiel der Kette kontrollieren und bei Bedarf nach­spannen.

Wann der Rück­schlag droht

Höchst gefähr­lich ist ein plötzlicher Rück­schlag. Auslösen können ihn scheinbar harmlose Kleinig­keiten. Ist der Sägende für einen Moment abge­lenkt und streift mit der Schwert­spitze versehentlich den Baum – das kann schon ausreichen. Oder die Säge trifft bei der Arbeit unerwartet auf etwas Hartes. Folge: Der Widerstand lenkt die enormen Kräfte der rasend schnell rotierenden Kette schlag­artig um. Die Säge wird nach hinten und oben katapultiert, zum Beispiel in Richtung Kopf.

Tipp: Wer wenig Säge­erfahrung hat, sollte eine gute Säge mit verringerter Rück­schlags­gefahr verwenden. Ihre Ketten haben neben den scharfen Kettengliedern zusätzliche stumpfe Sicher­heits­glieder, die wie Abstandhalter wirken und zu heftige Reaktionen der Sägespitze abmildern.

Doch das allein reicht nicht. „Beim Kick-back muss eine einge­baute Notbremse die Kette in Sekundenbruch­teilen zum Still­stand bringen. Ob das funk­tioniert, haben wir kontrolliert – und zwar auf dem Prüf­stand, sodass sich keiner verletzen konnte“, so Bött­cher-Tiedemann. Wird die Säge hoch­katapultiert, kollidiert der Hand­rücken mit dem davorgeklappten Hand­schutz­bügel. Der funk­tioniert wie ein Schalter und löst die Bremse aus. Das klappte im Test bei allen Sägen schneller als vorgeschrieben.

Doch was passiert, wenn die Hand so gehalten wird, dass sie beim Rück­schlag den Schutz­bügel gar nicht nach vorn drücken kann? Projektleiterin Bött­cher-Tiedemann: „Wir haben kontrolliert, ob in einer solchen Situation die bei der Schleuderbewegung auftretenden Träg­heits­kräfte die Kettenbremse auslösen können. Dazu nutzen wir einen Prüf­stand, der nur einem Zweck dient: die Säge mit definierter Energie hoch­zukatapultieren.“

Ryobi reagiert schwerfäl­lig

Kettensägen Test

Kettenbremse im Test.

Kettenbremse im Test. Wenn das Gewicht (1) auf die Wippe (2) fällt und diese die Sägenspitze (3) hoch­katapultiert, muss die Kettenbremse (4) auto­matisch auslösen.

Bei diesem Test fällt ein Gewicht aus unterschiedlichen Höhen auf eine Wippe (gelber Balken, siehe Foto). Je länger die Fall­strecke, desto größer ist die Katapult­wirkung der Wippe, um die Säge hoch­zuschleudern. Im Ideal­fall löst die Bremse schon bei relativ moderater Fall­höhe zuver­lässig aus. Die Ryobi-Säge reagiert viel zu schwerfäl­lig. Der von uns benach­richtigte Anbieter argumentiert, die Sicher­heits­norm für Elektrosägen schreibe diesen Schutz­mecha­nismus nicht vor – anders als die für Benzinsägen geltende Norm. Wir meinen: Optimaler Verbraucher­schutz ist bei allen Kettensägen wichtig. Auch wegen eines Verstoßes gegen die elektrische Sicher­heits­norm lautet das Urteil mangelhaft.

Fixierung gelo­ckert

Gut in der Sicherheit heißt es nur für die Sägen, die im Test alle Sicher­heits­anforderungen erfüllen. Die Noten von zwei Modellen haben wir auf „ausreichend“ abge­wertet: Bei der Makita löste sich im Betrieb die Fixierung des Ketten­raddeckels. Würde ein unerfahrener Nutzer das zu spät bemerken, könnte sich die Führungs­schiene der Kette selbst­ständig machen.

Die Black & Decker litt beim Stabilitäts­test der Hand­griffe. Danach ließ sich die Führungs­schiene nicht mehr sicher fixieren. Gerade noch befriedigend ist die Sicherheit der Bosch-Akkusäge. Bei ihr liegen die Hand­griffe so dicht beieinander, dass sie sich nicht optimal halten lässt.

„Jemand mit zwei linken Händen hat hinter einer Motorsäge generell nix verloren“, lautet das Fazit der Projektleiterin. Auch das Sägen unter Wett­kampf­bedingungen wie im Test sollten normale Nutzer besser nicht nach­ahmen: „Das ist nur etwas für Profis mit viel Erfahrung. Sicherheit muss stets Vorrang vor Schnel­ligkeit haben.“ Das Aufheulen der Motoren sieht sie zwiespältig: „Was in den Ohren des einen wie Musik klingt, nervt die Nach­barn.“

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