Kettensäge von Lidl Schnelltest

Lidl verkaufte am Montag eine Kettensäge für 59,99 Euro. Klingt günstig. Der Schnelltest klärt, ob die Säge sägen kann.

Es kommt der Tag, da will die Säge sägen

Sie sind das Werkzeug fürs Grobe: Bäume fällen, Äste kappen oder Kaminholz schneiden. Kettensägen machen das. Messerscharf und schnell. Wer ausbrechen will, erledigt mit dieser Säge auch seine kleinbürgerliche Existenz. Die rotierende Kette macht auf Wunsch ganze Schrankwände platt. So gesehen bei Adolf Winkelmann: Jede Menge Kohle. Lidl gibt jetzt die Gelegenheit dazu. Im Angebot: eine Elektro-Kettensäge für 59,99 Euro.

Florabest trifft Oregon

Die Einkäufer der Stiftung Warentest griffen zu. Sie kauften drei Motorsägen für 180 Euro. Dafür gibt es normalerweise nur eine. Wenn überhaupt. Die Säge von Lidl wirkt erstmal solide: stabiles Kunststoffgehäuse, 40-cm-Schwert und eine Double Guard Chromkette von Oregon. Die amerikanische Marke ist für Sägeketten bekannt. Klingt also nach Qualität. Die Motorsäge selbst kommt von Florabest. So heißt die Gartengeräteserie von Lidl. Eine Hausmarke des Discounters. Die Säge trägt den Namen FKS 2200/8. Lidl gibt drei Jahre Garantie.

Gebraucht im Regal

Erste Überraschung beim Auspacken: Eine der drei Sägen ist bereits gebraucht. Die Techniker finden Öl und Sägespäne. Die Kette läuft nicht mehr. Die Schiene sitzt schief. Hat der Filialleiter bei Lidl seine Büromöbel zerlegt? Wer weiß. Buhpunkt jedenfalls: Gebrauchte Produkte gehören nicht ins Regal. Die Techniker der Stiftung Warentest richteten die Schiene neu aus, putzten die Maschine und gingen frisch ans Werk.

Pluspunkt Ölzufuhr

Äste, Baumstämme und grobe Scheite für den Kamin: Die Kettensäge von Lidl schlägt sich ganz wacker. Sie sägt nicht umwerfend schnell, hat aber ausreichend Biss. Für eine Billigsäge durchaus annehmbar. Bemerkenswert die Ölzufuhr: Sie ist regelbar. Ein Stellrad bestimmt, wieviel Öl auf die Kette gelangt. Die Säge lässt sich so auf verschiedene Holzarten und Belastungen trimmen. Das gibt es bei Billigsägen nur selten. Ein Pluspunkt.

Tank hält nicht dicht

Negativ ist der Öltank selbst. Sein Verschluss hält nicht dicht. Kippt die Säge zur Seite, rinnt das Öl heraus und läuft in die Maschine. Irgendwann tropft es aus allen Ritzen. Hässlich, schmutzig und gemein: Vor allem bei der Montage im Wohnzimmer. Wer Sauereien vermeiden will, sollte die Lidl-Säge immer aufrecht abstellen. Auch Öl nachfüllen geht kaum ohne Tropfen. Der Einfüllstutzen ist schlecht platziert. Er sitzt schräg seitlich am Gerät. Oben wäre praktischer.

Bremse funktioniert sicher

Die Anleitung der Lidl-Säge ist dagegen ohne Tadel. Ausführlich und verständlich geschrieben. So kommen auch Hobbygärtner mit der Säge klar. Vorausgesetzt sie nehmen eine Hürde - den Zusammenbau. Schwert und Kette müssen fixiert werden. Wie bei Kettensägen üblich. Eine zusätzliche Schraube im Kettenfang erschwert jedoch die Montage. Einmal zusammengebaut, geht die Säge ordentlich ab. Sie sägt passabel und sicher. Die Kettenbremse funktioniert perfekt. Ein Wimpernschlag und die Kette steht. So muss das sein. Obwohl das nicht selbstverständlich ist, wie der Schnelltest einer Kettensäge von Penny zeigt.

Arbeit macht müde

Kritik wiederum für den Ein-Aus-Schalter. Sein Schaltweg ist extrem kurz. Wer den Druck vermindert, riskiert, dass die Kette augenblicklich stoppt. Kein Sicherheitsrisiko, aber nervig. Vor allem, wenn das mitten in einem Baumstamm passiert. Schlimmer noch: Der krampfhafte Druck auf den Schalter macht den Umgang mit der Lidl-Säge nicht eben angenehm. Entspanntes Arbeiten geht anders. Der Vollständigkeit halber sei zum Schluss bemerkt: Kettensägen sind nicht wirklich für Schrankwände gemacht. Üben Sie zunächst an Brennholz.

Test: 12 Kettensägen im Vergleich

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