Mmh, dieser Test macht Appetit. Viele Produkte sind gut. Am besten schmeckt ein Bio-Ketchup. Rote Soßen von Aldi und den Marken Heinz und Kraft sind nur so lala.

Rot, fruchtig, süß – wer kann da schon widerstehen? Die Liebe zu Ketchup beginnt früh. Ein Klecks der roten Soße auf Nudeln – und Kinder verspeisen sie mit Freude. Später ist sie für viele die perfekte Ergän­zung zu Bratwurst oder Pommes. Und es soll sogar Menschen geben, die Ketchup zu fast allem essen. Ihnen allen wird das Test­ergebnis munden.

Unser Rat

Der beste Tomatenketchup ist geschmack­lich prima und kommt von Bio-Anbieter Alnatura (0,36 Euro, alle Preise pro 100 Milliliter). Platz zwei teilen sich gleich acht Produkte: die güns­tigen von Lidl und Rewe (je 0,16 Euro), die drei Bio-Ketchups von der Bio Zentrale (0,60 Euro), Denn’s Biomarkt (0,54 Euro) und Rapunzel (0,62 Euro) sowie drei Ketchups von Werder Fein­kost – in der Glasflasche (0,29 Euro), in der Quetsch­flasche (0,34 Euro) und der ohne Zucker­zusatz (0,31 Euro). Kinder brauchen keinen Kinder­ketchup. Er ist auch oft teurer als herkömm­licher.

Gute und mittel­prächtige Soßen

Wir haben 19 Tomatenketch­ups verkostet und im Labor untersucht: 14 sind gut, 5 befriedigend. Vor allem Bioanbieter wie Alnatura und Lebens­mittel­hersteller wie Werder Fein­kost aus Brandenburg über­zeugen im Test. Auch Eigenmarken des Handels, etwa von Lidl oder Rewe, sind gut. Sie alle lassen die vier geprüften Produkte des amerikanischen Konzerns Kraft Heinz hinter sich. Drei von ihnen – der Kraft- sowie der Kids- und der zuckerreduzierte Heinz-Ketchup – schneiden nur befriedigend ab. Sie schme­cken alle drei dominant essig­säuerlich, bei zwei von ihnen ist die Kenn­zeichnung schlecht lesbar.

Auch die Ketchups von Aldi Nord und Süd gehören zu den Test­verlierern. Laut Deklaration haben sie einen hohen Tomatenmark­anteil. Das ist aber über­trieben: Ihr Tomaten­anteil liegt unter dem Durch­schnitt im Test. Dafür ziehen wir Punkte in der Wertung ab.

Das Auge isst mit. Ein Klecks Ketchup macht auch optisch Appetit. Lässt die rote Soße wie bei Rapunzel Wasser, ist das ein Fehler.

Heinz mit dem meisten Zucker

Ob bio oder konventionell – die beliebteste Würzsoße der Deutschen besteht vor allem aus Tomatenmark. Zweitwichtigste Zutat ist meist Zucker. Die Gehalte im Test unterscheiden sich deutlich: Sie reichen beim klassischen Ketchup von 14 Gramm Zucker pro 100 Milliliter bei Born bis 27 Gramm bei Heinz. Einige Anbieter haben auch Produkte mit deutlich weniger Zucker. Vier Ketchups im Test enthalten Süßstoffe, drei davon auch Zucker. Süßstoffe sind als Lebens­mittel­zusatz­stoffe zugelassen, stehen aber in der Diskussion. Mit ihren leeren Kalorien könnten sie den Appetit eher anregen. Werder setzt bei seinem kalorienreduzierten Produkt gar keinen Zucker zu. Frei davon ist es dennoch nicht: Tomaten selbst enthalten schon ein paar Gramm Zucker.

Den Klecks ins Verhältnis setzen

Da Ketchup meist nur in kleinen Portionen gegessen wird, haben wir den Zucker­gehalt nur berechnet, aber nicht bewertet. Gezuckerte Getränke und fettiges Essen tragen deutlich mehr zum Zucker- und Kalorien­konto bei als Ketchup. Ein Beispiel: Wer bei einem lauschigen Grill­abend 0,5 Liter fertige Apfelschorle trinkt, nimmt knapp 30 Gramm Zucker auf. Fünf Nürnberger Würstchen vom Rost bringen im Schnitt rund 350 Kilokalorien mit. Werden sie in den typischen Klecks Ketchup getunkt – das sind 2 Esslöffel oder 30 Milliliter –, kommen mit der süßesten Soße von Heinz 8,1 Gramm Zucker und rund 36 Kilokalorien dazu. Bei aller Liebe zu Ketchup gilt also: Maßhalten.

Kinder­ketchup braucht kein Kind

Gerade die Kleinen sind oft Ketchup-Fans. Für sie hat mancher Anbieter Kinder­ketch­ups im Sortiment. Die Kinder­ketch­ups im Test zählen zu den teuren Produkten. Die von der Bio Zentrale und von Denn’s enthalten Agavendick­saft. Er süßt stärker als normaler Zucker. Kalorien spart das kaum ein. Besonders viel unterscheidet diese Kids-Varianten also nicht von herkömm­lichen. Kinder können getrost den Ketchup essen, der der ganzen Familie schmeckt.

Eine Rezeptur, zwei Preise

Heinz Kids Tomato Ketchup enthält nur halb so viel Zucker wie die klassische Soße von Heinz. Ein Teil des Zuckers ist bei ihm durch Steviolglykoside ersetzt – die sorgen für anhaltende Süße. Allerdings hat er einen dominant essig­säuerlichen Geschmack. Da könnten nicht nur Kinder  das  Gesicht verziehen. Der Kids-Ketchup schmeckt übrigens genauso wie das zuckerreduzierte Heinz-Produkt: Sie haben laut Anbieter die gleiche Rezeptur. Die Kinder­version ist aber teurer. Das liegt laut Heinz an „höheren prozentualen Verpackungs- und Logistik­kosten“ für die kleinere Kids-Flasche.

Mal mit Senf, mal mit Pfeffer

Umge­kehrt verhält es sich bei Werder. Der klassische Ketchup aus der Glasflasche hat nicht die gleiche Rezeptur wie der aus der Plastikflasche zum Quetschen mit Dosier­öffnung. Beide schme­cken würzig, der eine aber auch nach Senf, der andere nach Pfeffer. Sensorisch über­zeugen die Produkte von Werder – so wie die meisten im Test. Mit Abstand am besten schmeckt der Bio-Ketchup von Alnatura.

So viel Tomate ist drin

Europäische Hersteller haben sich in einem Code of Practice für Tomatenketchup selbst Qualitäts­anforderungen auferlegt. Er schreibt mindestens 6 Prozent Tomatentrocken­substanz vor. Das halten alle Produkte im Test ein. Die Substanz kann aus Para­metern wie dem Lykopin-Gehalt ermittelt werden und lässt Rück­schlüsse auf den Tomaten­anteil zu. Am wenigsten enthalten der klassische Heinz- und der Kraft-Ketchup. Die meisten verwendet Rapunzel, auch Born hat einen hohen Tomaten­anteil.

Hinweise, dass Hersteller unreife Früchte oder Glutamat einsetzten, fanden wir nicht. Schimmelpilzgifte entdeckten wir meist nur in sehr geringen Gehalten. Einzig der klassische und der zuckerreduzierte Ketchup von Heinz enthielten geringe Gehalte. Pestizide wiesen wir in Bioprodukten gar nicht nach, in den meisten anderen nur Spuren. Keime oder gentech­nisch veränderte Bestand­teile waren auch kein Problem.

Mit Schubs zum Klecks

Die Freude auf die rote Soße kann getrübt werden – wenn es nicht richtig läuft. Der Fluss aus der Flasche stockt oft. Das liegt an der Physik. Ketchup fließt erst durch einen Schubs wie Schütteln, denn Bewegung verringert seine Viskosität. Nach einiger Zeit verdickt er wieder. Bei Flaschen, die sich quetschen lassen, über­nimmt die Verpackung den Schubs. Im Test ließ sich der Ketchup damit sehr gut dosieren. Wer Glas bevor­zugt, muss die Flasche beherzt schütteln. Doch die Portions­mengen sind weniger gut kontrollier­bar als mit Quetsch­flaschen. Dafür bleibt in ihnen meist mehr Rest des geliebten Ketchups haften. 

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