Jede vierte eignet sich sehr gut für den Advents­kranz. Sie brennen ruhig und verlöschen am Ende von selbst. Schad­stoffe sind kein Thema. Aber viele enthalten umstrittenes Palmöl.

Am 1. Dezember 1839, so wird erzählt, entzündete Johann Hinrich Wichern die erste Advents­kranzkerze der Welt. Einige Jahre zuvor hatte der evangelische Theologe und Sozialreformer das Rauhe Haus in Hamburg-Horn gegründet, wo er sich um verwahr­loste Kinder aus den Elends­vierteln der Hanse­stadt kümmerte. Weil ihn seine Schützlinge in der Advents­zeit ständig fragten, wann endlich Weih­nachten sei, kam ihm die Idee: Er steckte 24 Kerzen auf ein hölzernes Wagenrad und zündete sie nach und nach an – große weiße für die Advents­sonn­tage, kleine rote für die Werk­tage. So konnten die Kinder im Rauhen Haus die Tage bis Heilig­abend abzählen.

Keine flackert, rußt oder tropft

Aus der nord­deutschen Idee hat sich ein welt­weiter Brauch entwickelt, wenn­gleich die meisten Advents­kränze heute mit den vier Sonn­tags­kerzen auskommen. Wir haben 16 dieser sogenannten Stumpen geprüft: Flackern, rußen oder tropfen sie? Leuchten sie so lange wie versprochen? Wie steht es um die Sicherheit? Das Ergebnis hätte auch Herrn Wichern gefreut: Alle Kerzen brennen ruhig und gleich­mäßig, Schad­stoffe haben wir kaum gefunden. Die besten verlöschen zudem zu ihrem Lebens­ende recht­zeitig von selbst – ein Plus an Sicherheit. Die Prüfer beur­teilten vier Kerzen als sehr gut, sechs als gut, die restlichen als befriedigend (Test­ergeb­nisse Stumpenkerzen).

Einige Dochte glimmen lange nach

Gütezeichen. Das RAL-Siegel garan­tiert Käufern, dass Kerzen auf Inhalts­stoffe und Brenn­verhalten geprüft wurden.

Um das beste Licht fürs Fest zu finden, zündeten unsere Tester Dutzende von Kerzen an. Mit vorweih­nacht­licher Besinn­lich­keit hatte das wenig zu tun – im Labor zählen nur Fakten: die Form der Flamme, die Krümmung des Dochtes, der Rußindex, das Flacker-, Tropf- und Auslauf­verhalten. Mängel fanden die Prüfer nicht. Unterschiede zeigten sich, als sie die Stumpen löschten: Einige Dochte glimmen recht lange nach. Dadurch verkürzt sich der Docht und ist schwerer wieder anzu­zünden. Mit knapp zehn Sekunden glüht die Diana-Kerze am längsten nach. Vermeiden lässt sich das übrigens, indem man zum Löschen der Kerze den Docht kurz in das flüssige Wachs taucht (Tipps).

Drei Kerzen im Test sind als selbst­verlöschend gekenn­zeichnet: Gebr. Müller, Kopschitz und Wenzel. In diesen Stumpen sorgt eine Brand­sperre, zum Beispiel ein Metall­teil dafür, dass die Flamme von allein verlischt statt ganz herunter­zubrennen – ein Segen für alle, die vergess­lich sind. Im Test hat das gut funk­tioniert.

Manche brennen zu weit herunter

Die Kerzen von Kopschitz und Wenzel verlöschen bei fast zwei Zenti­meter Rest­höhe, die von Müller bei knapp einem Zenti­meter. Auch andere gehen recht­zeitig aus, ohne dass die Anbieter dies auf dem Etikett vermerken. Manche Kerzen allerdings brennen so weit herunter, dass sie brandgefähr­lich werden können. Dazu zählen die Stumpen von Bolsius, Gala, Ikea, Ross­mann und Wiedemann.

Oft fehlt die Angabe zur Brenn­dauer

Sehr gut: Angaben zur Brenn­dauer werden einge­halten, oft sogar über­troffen. Mangelhaft: Oft fehlt der Hinweis, wie lange der Stumpen leuchten wird – und dem Käufer damit eine Orientierung.

Kerzen sehen sich ziemlich ähnlich. Die geprüften Produkte sind etwa zehn Zenti­meter hoch, fünf Zenti­meter dick und rot; nur die Ikea-Kerze ist violett. Dennoch brennen einige mehrere Stunden länger als andere. Das liegt oft am Docht: Je nach Webart des Baumwoll­fadens ist die Flamme größer oder kleiner – das Wachs also schneller oder lang­samer verbrannt. Die Inhalts­stoffe haben dagegen kaum Einfluss auf die Brenn­dauer.

Haupt­bestand­teil von Kerzen ist meist Paraffin. Es fällt als Abfall­produkt bei der Herstellung von Schmier­mitteln aus Erdöl an. Da Schmieröle mitt­lerweile oft synthetisch hergestellt werden, wird Paraffin knapper und teurer. Als Ersatz dient den Herstel­lern Stearinsäure, die zunehmend aus Palmöl gewonnen wird. Weitere Rohstoffe sind etwa Soja- und Rapsöl oder Rindertalg. Die Mehr­zahl der von uns geprüften Stumpen ist palm­ölfrei. Fast alle Anbieter erklärten aber auf Anfrage, auch palm­ölhaltige Kerzen in ihrem Sortiment anzu­bieten. Nur Kopschitz und Wenzel verwenden nach eigenen Angaben ausschließ­lich Paraffin.

Paraffin steht wie alle Erdöl­produkte wegen seiner Umwelt­belastung in der Kritik. Doch auch der Einsatz von Palmöl ist umstritten. In den Haupt­anbauländern der Ölpalmen, Indonesien und Malaysia, werden für neue Plan­tagen Regenwälder gerodet, Urein­wohner und bedrohte Tiere vertrieben. In Deutsch­land fließt der Löwen­anteil des Palm­öls in Nahrungs­mittel und Bioenergie. Rund 5 Prozent landen in Kerzen. Alle Anbieter teilten mit, dass sie oder ihre Lieferanten Mitglied im Runden Tisch für nach­haltiges Palmöl sind (Round­table on Sustainable Palm Oil, RSPO). Diese Organisation hat Kriterien entwickelt, die Natur, Arbeiter und Anwohner schützen sollen (Palmöl). Kritiker zweifeln an der Wirk­samkeit des Runden Tisches, da Mitglieder gegen Richt­linien verstoßen. Viele Experten halten ihn aber für einen gang­baren Weg zu mehr Nach­haltig­keit.

Kerzen mit zertifiziertem Palmöl

Wir haben alle Anbieter gefragt, aus welchen Quellen ihr Palmöl stammt. Alle antworteten – auch jene, deren Kerzen im aktuellen Test den Rohstoff nicht enthalten. Die meisten Unternehmen erklärten, nur RSPO-Palmöl zu nutzen. Ross­mann teilte uns mit, dass zwei Drittel seines Palm­öls zertifiziert sind. Bei Gies ist es etwa die Hälfte, bei Bolsius ein Drittel und bei Steinhart ein Viertel. KCB und Voll­mar wollten die zertifizierten Mengen nicht benennen. Einige Produzenten verwenden für verschiedene Chargen unterschiedliche Rohstoff­qualitäten.

Die Hersteller können RSPO-zerifiziertes Palmöl über verschiedene Handels­systeme beziehen, die sich im Anspruch unterscheiden. Erst wenige Anbieter nutzen die strenge Variante „Segregation“: Das Öl kommt nur aus zertifizierten Plan­tagen. Ikea teilte mit, nur segregiertes Palmöl zu nutzen, Müller zu 70 Prozent, Gies zu 9 Prozent. Die meistgenutzten Wege sind „Book  & Claim“ und „Massen­bilanz“ (Palmöl).

Egal ob fossile, pflanzliche oder tierische Rohstoffe – Voraus­setzung für sauberes Verbrennen ist ihre Reinheit. Kritische Lösungs­mittel oder andere Schad­stoffe können die Kerzen verunreinigen. Meist rußen sie dann stark. Nicht so die Kerzen im Test. Sie rußen so gut wie gar nicht. Auch andere Unter­suchungen zeigen, dass Kerzen auf dem deutschen Markt von hoher Reinheit sind. Wir haben neben dem Rußen auch geprüft, ob die Stumpen Nickel als Rück­stand aus der Fertigung enthalten.

Geringe Gehalte an Nickel gefunden

Nickel kann Kontaktal­lergien auslösen. Bei Kerzen liegt das Problem aber anders. Das Metall kann beim Brennen in die Atem­luft gelangen und Lungenkrebs erzeugen. Bei den Kerzen im Test muss sich niemand sorgen: Keine reißt den Grenz­wert von 0,5 Milligramm Nickel pro Kilogramm Kerze, der auf EU-Ebene diskutiert wird. Am nächsten dran ist Wiedemann mit 0,34 Milligramm.* Alle anderen enthalten weniger als 0,1 Milligramm. Gut für alle, die ihren Advents­kranz mal nach Wichern­scher Tradition – mit in diesem Jahr 28 Kerzen – schmü­cken wollen.

* Passage korrigiert am 23. Dezember 2016

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