„Kerosinzuschlag“ der Reiseanbieter Meldung

Reisende, die im Frühjahr 2000 nachträglich einen so genannten „Kerosinzuschlag“ zahlen mussten, können das Geld in vielen Fällen zurückfordern. Auch nachträgliche Preiserhöhungen wegen verschärfter Sicherheitskontrollen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 waren rechtswidrig. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte gegen die entsprechende Klauseln im Kleingedruckten der Reiseanbieter geklagt. Jetzt sind die wichtigsten Verfahren rechtskräftig abgeschlossen und der Weg für die Nachforderung frei, berichteten die Verbraucherschützer. Sie halten für Betroffene Musterbriefe und detaillierte Informationen bereit.

Kalkulation ohne Risiko

Im scharfen Wettbewerb um die Gunst der Reisekunden kalkulierten die Anbieter messerscharf und kamen auf folgenden Trick: Sie rechneten auschließlich mit den jeweils aktuellen Flugpreisen. Das Risiko für Ölpreissteigerungen oder höhere Gebühren für die Sicherheitskontrollen bürdeten sie im Kleingedruckten ihren Kunden auf, indem sie sich dort nachträgliche Preissteigerungen vorbehielten. Als die Preise für das Flugbenzin und die Flughafengebühren tatsächlich stiegen, verlangten sie von Kunden, die bereits gebucht hatten, einen Nachschlag.

Verbraucherschützer siegten vor Gericht

Gegen diese Klauseln zog die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vor Gericht. Mit Erfolg: Der Bundesgerichtshof hat inzwischen die Kerosin-Zuschlags-Klauseln bei Bucher Reisen (Aktenzeichen X ZR 253/01) und Alltours (X ZR 243/01) kassiert. Jetzt ist auch die Klausel der LTU vom Tisch, nachdem das Unternehmen die Revision gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (6 U 29/01) zurückgezogen hat. Argument der Richter: Die Klauseln seien zu ungenau und für Reisende nicht nachvollziehbar.

Musterbrief zum Download

Nach dem Urteil können Bucher Reisen-, Alltours- und jetzt auch LTU-Kunden etwaige Zuschläge zurückzufordern. Auch für Verträge mit Veranstaltern wie Tjaereborg, Jahn Reisen, ITS Reisen, Meiers Weltreisen, Smile & Fly, Marlboro-Reisen und THR Tours gelten die verbraucherfreundlichen Urteile. Einschränkung: Nur die nachträgliche Forderung bei bereits gebuchten Reisen ist unzulässig. Wer den Kerosin- oder Sicherheitszuschlag gleich bei Buchung der Reise zahlen musste, bekommt kein Geld zurück. Über Einzelheiten bei der Rückforderung informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen unter www.verbraucherzentrale-nrw.de/kerosin. Die Juristen des Verbraucherschutzverbandes haben zusätzlich Musterschreiben erarbeitet, die dort zum Download bereitstehen.

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