Kennzeichnungspflicht für Strom Meldung

Bei den meisten Lebensmitteln stehen die Inhaltsstoffe bereits auf der Verpackung. Das hilft bei der Kaufentscheidung: Waren mit unerwünschten Zutaten bleiben einfach links liegen. Beim täglichen Stromverbrauch gab es diese Entscheidungshilfe bisher nicht. Nur die wenigsten Stromversorger erteilten Auskunft, wie sich ihr Strom zusammensetzt. Ab morgen, 15. Dezember, müssen jedoch alle Energieversorger über die Herkunft und Zusammensetzung ihres Stroms informieren. Das neue Energiewirtschaftsgesetz schreibt das vor. Nun zeigt sich, wo überwiegend Atomstrom oder grüner Strom aus der Steckdose fließt. test.de sagt, was der private Kunde davon hat.

Eigene Verantwortung

Wer schon immer wissen wollte, wie viel radioaktiver Abfall und Kohlenstoffdioxid bei der Produktion seines Stroms anfällt, findet diese Angaben auf der nächsten Stromrechnung. Dort steht dann beispielsweise: CO2-Emissionen 500 Gramm je Kilowattstunde und radioaktive Abfälle 0,0027 Gramm je Kilowattstunde. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3 000 Kilowattstunden ist dann zum Beispiel für den Ausstoß von 1,5 Tonnen des Klimagases Kohlenstoffdioxid und den Verbleib von 8,1 Gramm radioaktiven Abfalls verantwortlich.

Unterschiedliche Auffassungen

Neben den Auswirkungen der Stromproduktion auf die Umwelt zeigt die Rechnung aber auch die Herkunft des Stroms in drei Hauptgruppen: Kernkraft, erneuerbare Energien und fossile Brennstoffe (Braunkohle, Steinkohle, Erdgas). Zur Orientierung steht hinter den jeweiligen Angaben der Bundesdurchschnitt. Doch hier scheiden sich die Geister: Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) empfiehlt seinen Mitgliedsunternehmen Durchschnittswerte mit hohem Anteil fossiler Brennstoffe und erneuerbarer Energien. Den durchschnittlichen Anteil von Kernenergie gibt der Verband mit 30 Prozent an. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hingegen geht von einem höheren Anteil der Atomenergie aus. Den Anteil erneuerbarer Energien am Bundesdurchschnitt sieht die Umwelthilfe dagegen bei 2,9 Prozent - nicht wie der VDEW bei 10 Prozent. Der Umweltverband wirft dem VDEW vor, den tatsächlichen Anteil des Atomstroms zu verschleiern und dafür den Strom aus erneuerbaren Energien auf wundersame Weise auf dem Papier zu vermehren.

Selbst entscheiden

Das Nachsehen hat der Verbraucher. Wirklich verlässliche Zahlen über die durchschnittliche Aufteilung des Stroms in Deutschland gibt es nicht. Der Vergleich der Herkunftsangaben des Anbieters mit dem Bundesdurchschnitt sagt somit wenig aus. Trotzdem gestattet die neue Kennzeichnungspflicht jedermann den seit langem erhofften Einblick in die Zusammensetzung des Stroms. Dann wird endlich offenbar, wie viel Atomstrom Anbieter wie EnBW, RWE oder Yello tatsächlich verkaufen. Auf Grundlage dieser Angaben kann sich jeder Verbraucher selbst entscheiden, ob ihm der Anteil Atomenergie an seinem Stromverbrauch zu hoch ist oder nicht. Wer seinen Stromanbieter wechseln will, findet im Special „Der Wechsel lohnt sich“ eine Anleitung, wie die Anmeldung beim neuen Versorger in wenigen Schritten funktioniert. Eine Übersicht der aktuellen Preise und Zusammensetzung des Stroms bieten die Infodokumente für bundesweite Anbieter, regionale Anbieter und Ökostromanbieter.

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