Kenn­zeichnung von Lebens­mitteln Meldung

Zu üppige Bebilderung, weniger Zutaten drin als erwartet – seit drei Jahren können Verbraucher auf dem Portal www.lebens­mittel­klarheit.de ihren Ärger über miss­verständliche Lebens­mittel­kenn­zeichnung und -aufmachung loswerden. Mehr als 8 000 Beschwerden reichten sie seither ein. Mit Erfolg: Etwa jedes dritte monierte Produkt haben die Hersteller geändert.

Beschwerde-Platt­form bewegt etwas

Seit Juli 2011 stellt das Portal www.lebensmittelklarheit.de öffent­lich­keits­wirk­sam Beispiele für unklare Produktkenn­zeichnungen und gefühlte Täuschungen an den Pranger. Zum dreijäh­rigen Bestehen zog der Initiator der Webseite, der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), eine positive Bilanz und freute sich über den „neuen Dialog zwischen Wirt­schaft und Verbrauchern“. Rund 8 300 Produkt­beschwerden hätten engagierte Verbraucher bis heute einge­reicht – etwa 40 Prozent davon haben die Experten der Verbraucherzentralen als „berechtigte Produkt­beschwerde mit Täuschungs­potenzial“ einge­stuft. Veröffent­licht wird nur, was eine Fach­redak­tion vorher geprüft hat. Gleich­zeitig habe das Portal den Druck auf die Hersteller erhöht. Konsequenz: Etwa ein Drittel der Produkte, die kritisiert wurden, hätten die Anbieter inzwischen geändert.

Häufig weniger drin als erwartet

Am häufigsten melden die User Produkte, bei denen die Zutaten deutlich auf der Verpackung in Szene gesetzt werden, aber aus Verbrauchersicht nicht in ausreichender Menge im Produkt enthalten sind. Das Portal zeigt, wie unterschiedlich Hersteller mit der Kritik „weniger drin“ umgehen. Manche versprechen, ihre Zutaten klarer anzu­geben – so etwa Miree bei seiner Walnuss-Frisch­käsezubereitung. Andere gestalten die Bebilderung der Verpackung realistischer, zum Beispiel followfish mit seiner Pizza Gamberi (siehe Foto). Frucht­saft­hersteller albi reagierte, indem er sein Mango-Maracuja-Getränk in Mango-Maracuja-Orange umbe­nannte (siehe Foto) – und beugte sich so der Kritik der User, die Packung mit Orangensaft aufgefüllt zu haben. Ob es sich dabei um Frucht­saft, Frucht­nektar oder ein Frucht­saft­getränk handelt, erfährt der Verbraucher aber erst, wenn er die Packung umdreht.

Kenn­zeichnung von Lebens­mitteln Meldung

Bild­quelle: lebens­mittel­klarheit.de (vorher), Herstel­lerfoto (nachher)
Deutlich weniger Garnelen und Rucola: followfish hat sein Verpackungs­bild der Realität angepasst.

Kenn­zeichnung von Lebens­mitteln Meldung

Bild­quelle: lebens­mittel­klarheit.de (vorher), Herstel­lerfoto (nachher)
Auf der Vorderseite der Karton­verpackung von albi wird neben Mango und Maracuja jetzt auch Orange erwähnt.

Von der Abmahnung bis zur Branchen­ver­einbarung

Die vielen Produktmeldungen der Verbraucher hatten noch weitere Konsequenzen: So mahnte der Verbraucherzentrale Bundes­verband 44-mal Hersteller ab, weil ihre Lebens­mittel gegen das geltende Lebens­mittel­recht oder Wett­bewerbs­regeln verstießen. Außerdem brachte der Verband Änderungs­anträge zu Leitsätzen in die Lebens­mittel­buch­kommis­sion ein – Ziel ist es, die Leitsätze für bestimmte Lebens­mittel­gruppen wie Fleisch näher an das Verbraucher­verständnis heran­zurücken. Mit dem Brauerbund hat der vzvb inzwischen die erste Branchen­ver­einbarung ausgehandelt: So sollen künftig alkoholfreie Biere klarer auf ihren möglichen Rest­alkohol­gehalt von unter 0,5 Volumen­prozent hinweisen – allerdings nicht auf der Vorderseite und nicht so farbig, wie sich die Verbraucherschützer das erhofft hatten. Über­haupt bleibt trotz der verbuchten Erfolge noch viel Verbesserungs­spielraum für die Lebens­mittel­hersteller: Nicht alle der derzeit 167 geänderten Produkte auf der Platt­form www.lebensmittelkarheit.de wurden so voll­ständig verändert, wie es sich die Verbraucherzentralen wünschten. So erklärt zum Beispiel die Vivani-Schokolade bis heute nicht genau auf der Verpackung, wofür ihr selbst entworfenes Logo „It’s one world – stop child slavery“ steht. Als Reaktion auf die Kritik nennt der Hersteller nun auf der Verpackung einen Link, der zu mehr Informationen auf der Vivani-Website führt.

Das sollte auf dem Etikett stehen

Doch wann wären Verbraucher mit einem Etikett zufrieden? Welche Informationen gehören unbe­dingt auf die Vorderseite eines Lebens­mittels? Dazu hat der vzbv im Rahmen einer aktuellen Studie 1 500 Personen befragt. Ergebnis: Die Konsumenten wünschen sich vor allem visuelle Informationen, sprich Produkt­bilder – allerdings sollten diese realistisch sein. Auch ein aussagekräftiger Produkt­name ist für sie wichtig. Daneben sollten die Verkehrs­bezeichnung, die Nettofüll­menge, die Marke und das Mindest­halt­barkeits­datum auf der Vorderseite stehen. Befragt wurden die Verbraucher auch danach, wie wichtig ihnen Herkunfts­angaben von Zutaten seien (siehe auch unser Special Regionale Lebensmittel: Werbung oder Wahrheit?). Fast drei Viertel der Befragten sprachen sich dafür aus, dass Herkunfts­angaben für Lebens­mittel verpflichtend werden sollten, vor allem bei tierischen Produkten wie Fleisch und Milch. Apro­pos Milch: Beim Anbieter Mark Brandenburg hat lebens­mittel­klarheit.de schon etwas bewirkt. Früher reisten die Kartons schon mal quer durch Deutsch­land. Heute läuft die komplette Produktion laut Anbieter in Brandenburg ab – auch die Milch selbst muss inzwischen von brandenburgischen Kühen kommen.

Kenn­zeichnung von Lebens­mitteln Meldung

Bild­quelle: lebens­mittel­klarheit.de
Die Milch Mark Brandenburg wird jetzt voll­ständig im namens­gebenden Bundes­land hergestellt. Auch der Abfüll­ort ist von Sachsen-Anhalt nach Brandenburg gewandert.

Stiftung Warentest bewertet regel­mäßig Deklaration

In Lebens­mittel­unter­suchungen der Stiftung Warentest ist der Prüf­punkt Deklaration ein fester Bestand­teil. Die Tests offen­baren regel­mäßig, dass Produkte falsch oder nach­lässig gekenn­zeichnet wurden (siehe unser Special Kennzeichnung von Lebensmitteln: Etikettenschwindel). Mitunter reicht es schon, das Zutaten­verzeichnis zu lesen, um Täuschungen zu erkennen. So priesen die Hersteller auf vielen Smoothies im Test hoch­wertige Früchte im Namen oder auf Bildern an, im Zutaten­verzeichnis rangierten diese Zutaten aber an hinterer Stelle. Manche Kenn­zeichnungs­mängel zeigen sich erst im Labor. Da kam zum Beispiel beim Test von Räucherlachs ans Licht, dass es sich bei einem teuren „Wildlachs“ in Wirk­lich­keit um Zucht­lachs handelte. Oft führt die Kritik der Stiftung Warentest dazu, dass Anbieter ihre Produkte verbessern und manchmal die amtliche Lebens­mittel­kontrolle eingreifen muss.

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