Kennzeichnung von Lebensmitteln Meldung

Um ernährungsbedingte Krankheiten zu reduzieren, sollen Lebensmittel europaweit künftig besser gekennzeichnet werden. Das haben die Verbraucher­minister der EU am Dienstag beschlossen. test.de informiert.

[Update 24.06.2011]

Die Mitgliedstaaten der EU haben sich am 22. Juni 2011 auf gemeinsame Regeln zur Kennzeichnung von Lebensmitteln geeinigt. Nun muss Anfang Juli noch das Europäische Parlament über den Entwurf abstimmen, doch es gilt als sehr wahrscheinlich, dass es der Einigung folgt. Einige Regelungen hätten verbraucherfreundlicher ausfallen können. test.de berichtet darüber in der Meldung Kennzeichnung von Lebensmitteln: Hinter den Erwartungen. [Ende Update]

Kaloriengehalt künftig Pflichtangabe

Für verpackte Lebensmittel werden erstmals Nährwertangaben Pflicht, die den Kaloriengehalt und die Gehalte an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz auflisten - und zwar bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter. Nährwertangaben sind bislang freiwillig, in Deutschland finden sie sich auf etwa 70 Prozent der Lebensmittel. Durch die neuen einheitlichen Bezugsgrößen von 100 Gramm oder 100 Milliliter können Verbraucher die Nährwertangaben künftig einfacher miteinander vergleichen und Dickmacher besser erkennen. Bislang gibt es auf Lebensmitteln häufig Angaben, die sich auf eine Portion beziehen. Die Portionsgrößen sind jedoch meist uneinheitlich und auch unrealistisch. Damit Verbraucher sämtliche Kennzeichnungselemente auch ohne Lupe lesen können, gilt für sie eine Mindestschriftgröße von 1,2 Millimeter – bezogen auf den kleinen Buchstaben „x“.

Angaben zu Allergenen und Koffein

Allergiker profitieren künftig davon, dass nun auch bei unverpackter Ware allergieauslösende Stoffe wie Eier, Erdnüsse oder Fisch ausgewiesen werden müssen. Das ist seit 2005 nur für verpackte Lebensmittel Vorschrift. Schwangere und Kleinkinder soll die neue Verordnung besser vor negativen Folgen von Koffein schützen, indem ein entsprechender Warnhinweis auf koffeinhaltigen Lebensmitteln wie Energy-Drinks stehen muss.

Kritik von Ministerin Aigner

Der Verbrauchertäuschung mit Lebensmittelimitaten soll in Zukunft ein Riegel vorgeschoben werden: Anbieter müssen auf die Verwendung etwa von Käse- oder Schinkenersatz hinweisen. Das kann aber auch umschreibend geschehen, konkrete Bezeichnungen wie „Käseimitat“ oder „Schinkenimitat“ sind nicht vorgesehen. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner kritisiert diesen Punkt. Viele Verbraucher dürften mit einer Umschreibung wie etwa „Käse aus pflanzlichen Ölen“ nicht viel anfangen können. Weiterer Kritikpunkt der Ministerin: Künftig müssen die Anbieter bei Fleisch zwar die Herkunft angeben. Allerdings ist damit der Ort der Verpackung und nicht der Herstellung gemeint. Aigner geht das nicht weit genug. Diese Angabe liefere keine Informationen über die Heimat des geschlachteten Tiers.

EU-Parlament muss noch zustimmen

Viele Ernährungsexperten halten die neuen EU-Regeln insgesamt für zu lasch. Sie bedauern noch immer, dass das EU-Parlament der plakativen Ampelkennzeichnung nach britischem Vorbild im Juni 2010 eine Absage erteilt hat. Bei diesem Modell werden die Zucker-, Salz- und Fettgehalte entweder grün, gelb oder rot unterlegt. Es bleiben noch einige Monate, um die neuen Kennzeichnungs­vorschriften nachzubessern. Sie treten erst in Kraft, wenn das Europäische Parlament zugestimmt hat – voraussichtlich im Juni 2011. Ab 2014 sollen die neuen Vorgaben gelten. Allerdings dürfen die einzelnen Staaten auch weitergehen und zusätzlich zur neuen Vorschrift auch die Ampelkennzeichnung verwenden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 318 Nutzer finden das hilfreich.