Kennzeichnung von Lebensmitteln Meldung

Nach mehr als drei Jahren Verhandlungen haben sich die EU-Mitgliedsstaaten endlich auf eine einheitliche und modernisierte Lebens­mittel­kennzeichnung geeinigt. Der Kaloriengehalt und sechs Nährstoffe müssen zwar zukünftig ausgewiesen werden – aber nur auf der Rückseite der Produkte. Auch bei der Herkunfts­kennzeichnung, alkoholischen Getränken und Transfettsäuren hätten die Regelungen verbraucherfreundlicher ausfallen können.

[Update 29.09.2011] Ministerrat stimmt zu

Heute hat der Ministerrat der Europäischen Union der neuen Lebensmittel-Informationsverordnung einstimmig zugestimmt. Die Verordnung wird nach dem heutigen Beschluss des Ministerrates im Amtsblatt der EU veröffentlicht und tritt 20 Tage später in Kraft. Hersteller müssen die Regelungen aber erst drei Jahre danach anwenden. Die Nährwertkennzeichnung ist sogar erst in fünf Jahren verbindlich. [Update Ende]

[Update 07.07.2011] EU-Parlament stimmt zu

Das Europäische Parlament hat der neuen Lebensmittel-Informationsverordnung zugestimmt. Sie wird voraussichtlich noch im Jahr 2011 in Kraft treten. [Update Ende]

Prozess intensiv von Lobbyismus begleitet

Die Lebensmittelindustrie dürfte sich über den nun getroffenen Kompromiss freuen: Die neuen Regelungen werden sie nicht überlasten, so die deutsche Europa-Abgeordnete Dr. Renate Sommer (CDU), die die neue Verordnung als Berichterstatterin des Europäischen Parlaments federführend ausgehandelt hat. Die Lebensmittelindustrie hatte den Prozess mit intensiver Lobbyarbeit begleitet. Die überwiegend von ihr abgelehnte, aber von Ärzte- und Verbraucher­verbänden geforderte Ampelkennzeichnung scheiterte schon in der ersten Lesung des EU-Parlaments.

Fett- und Kaloriengehalt auf der Verpackungsrückseite

Für europäische Verbraucher soll die Verordnung lesbare und verständliche Etiketten auf allen europäischen vorverpackten Lebensmitteln bringen. So wird die Kennzeichnung des Energiegehaltes sowie der Mengen an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz nunmehr europaweit verpflichtend. Bisher sind diese Angaben freiwillig. Aus Verbrauchersicht enttäuschend: Vorschrieben ist nur, dass die Nährwertangaben tabellarisch auf der Rückseite der Produkte erfolgen. Auf den ersten Blick erkennbar dürfen der Kaloriengehalt und die vier wichtigsten Nährstoffe nochmals auf der Vorderseite besonders herausgestellt werden. Positiv: Die Nährstoffgehalte müssen bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter angegeben werden. Das erleichtert den Vergleich verschiedener Produkte miteinander. Zusätzlich erlaubt sind Angaben pro Portion und Richtwerte für die Tageszufuhr der einzelnen Nährstoffe (Guideline Daily Amount, kurz GDA), die bereits auf zahlreichen Lebensmitteln zu finden sind.

Keine Herkunftsangabe von Fleisch in Fertiggerichten

Nachdem die Angabe des Herkunftslands für Rindfleisch, Obst, Gemüse, Honig und Olivenöl bereits vorgeschrieben ist, wird künftig auch für Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch die Herkunftsangabe verpflichtend. Für andere Fleischarten wie Wild oder Kaninchen, Milch und Milchprodukte gibt es dagegen vorerst keine Angabe des Herkunftslandes. Auch wenn Fleisch, Obst und Gemüse als Zutat, zum Beispiel in Wurst und Fertiggerichten, verarbeitet sind, muss ihre Herkunft nicht angegeben werden. Berichterstatterin Sommer verweist in diesem Zusammenhang auf zusätzliche Kosten, die auf den Verbraucher zukämen: Es müsse erst geprüft werden, inwiefern die Herkunftsangabe von Erdbeeren in Marmelade oder Tomaten in Ketchup zu zusätzlichen Kosten führt. Innerhalb von zwei Jahren soll ein Bericht der EU-Kommission für andere Fleischarten und für Fleisch als Zutat vorgelegt und dann über eine Regelung entschieden werden.

Kein Zutatenverzeichnis für alkoholische Getränke

Auch bei alkoholhaltigen Getränken bleibt der Kompromiss hinter den Erwartungen zurück: Vorerst sind weder ein Zutatenverzeichnis noch verpflichtende Nährwertangaben für Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol vorgesehen. Das betrifft auch Alcopops, für die Deutschland eine Regelung gefordert hatte. Dabei fällt die Kalorienbilanz von alkoholischen Getränken stark ins Gewicht: Bier hat zum Beispiel etwa so viele Kalorien wie Cola: rund 45 pro 100 Milliliter. Rot- und Weißwein kommen sogar auf rund 70 Kilokalorien.

Angabe von Transfettsäuren nicht verpflichtend

Anders als in den USA muss in Europa auch in Zukunft der Gehalt eines Lebensmittels an Transfettsäuren nicht angegeben werden. Transfettsäuren stecken vor allem im teilgehärteten Fett von gerösteten und frittierten Lebensmitteln wie Pommes Frites, Chips oder Donuts. Studien belegen, dass ab fünf Gramm Transfettsäuren pro Tag das Risiko einer Herzerkrankung deutlich steigt. Transfettsäuren erhöhen das sogenannte „schlechte“ Cholesterin (LDL) und senken das „gute“ (HDL). Zu viel Chips und Co. können auch zu Diabetes führen und bei Schwangeren ungünstig auf die Entwicklung des Babys wirken. Da der Körper Transfettsäuren nicht braucht, sollte er so wenig wie möglich davon aufnehmen. Bevor Angaben zu Transfettsäuren verpflichtend eingeführt werden, soll die EU-Kommission innerhalb von drei Jahren einen Bericht über das Vorkommen von Transfettsäuren in Lebensmitteln in Europa vorlegen, geeignete Empfehlungen geben oder Rechtsvorschriften vorschlagen.

Klebefleisch, Einfrierdatum, Pflanzenöl,

Weitere Änderungen helfen Verbrauchern zukünftig bei der Auswahl von Lebensmitteln. Neben der Kennzeichnung von Allergenen, Koffein und Imitaten muss zukünftig auch die Verwendung von Klebefleisch mit dem Hinweis „aus Fleischstücken zusammengefügt“ kenntlich gemacht werden. Das gleiche gilt für Fischprodukte, die aus mehreren Fischstücken bestehen. Damit erkennbar ist, wie alt gefrorenes Fleisch, gefrorene Fleischerzeugnisse und gefrorene, unverarbeitete Fischprodukte sind, muss das Datum des ersten Einfrierens angegeben werden. Außerdem bekommen Verbraucher zukünftig mehr Informationen über die Art von verwendeten Pflanzenölen. Das ermöglicht ihnen zum Beispiel Palmöl zu identifizieren. Plantagen mit Ölpalmen stehen in der Kritik, weil für sie große Flächen an Regenwäldern zerstört werden.

Anwendung der Regeln erst in drei Jahren

Nachdem nun auch das Europäische Parlament der neuen Lebensmittelinformationsverordnung zugestimmt hat, wird sie in Kürze im EU-Amtsblatt veröffentlicht und dürfte dann noch im Jahr 2011 in Kraft treten. Allerdings müssen die Hersteller die Regelungen erst drei Jahre danach anwenden. Die Nährwertkennzeichnung ist sogar erst in fünf Jahren verbindlich. Für nicht bereits verpackte Lebensmitteln wie Brötchen vom Bäcker gelten die neuen Regelungen mit Ausnahme der Allergenkennzeichnung übrigens nicht.

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