Interview: Was tun, wenn der Handwerker pfuscht?

Bei Werkverträgen gelten bis zu fünf Jahre Gewährleistung.

Welche Gewährleistungsfrist müssen Handwerker einräumen?

In der Regel zwei Jahre, zum Beispiel wenn der Kunde Möbel tischlern oder Elektrogeräte reparieren lässt. Aber bei Arbeiten an Gebäuden gelten grundsätzlich fünf Jahre, etwa für Dachrepa­raturen, Balkonsanierung, Heizungsbau oder Fußbodenverlegen. Entscheidend ist, dass es sich um fest mit dem Haus verbundene Teile handelt wie etwa einen verklebten Teppichboden. Auch für den Einbau einer Küche gelten oft fünf Jahre Gewähr.

Und bei nicht fest eingebauten Teilen?

Für Arbeiten, die für den Bestand eines Gebäudes ohne wesentliche Bedeutung sind, gelten zwei Jahre: etwa das Ausbessern von Schäden oder übliche Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten wie Malern und Tapezieren. Der Paragraf 634 a BGB ist zwar neu gefasst, aber die alte Rechtsprechung dürfte weiter bestehen.

Dürfen Firmen die Fristen begrenzen?

Bei Reparaturen darf die Frist von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt werden. Die fünfjährige Gewährleistungsfrist kann nicht verkürzt werden.

Oft steht aber im Kleingedruckten: „Vier Jahre Gewähr nach VOB“?

Die „Verdingungsordnung für Bauleistungen“ sieht vier Jahre Gewährleistung bei Bauwerken vor. Aber sie kann nur als Ganzes vereinbart werden, nicht in Teilen. Dann muss der komplette Text in den Vertrag einbezogen werden, sonst ist die Klausel unwirksam.

Wie geht der Kunde vor, wenn ein Handwerker gepfuscht hat?

Er sollte dies der Firma melden, am besten schriftlich oder unter Zeugen. Dabei sollte er auch eine Frist für die Reparatur setzen.

Wie lang muss die sein?

Konkrete Werte nennt das Gesetz nicht. Die Frist soll „angemessen“ sein. Im Regelfall dürften zwei, maximal drei Wochen für eine Reparatur reichen. Wer eine zu kurze Frist setzt, erleidet aber meist keinen Nachteil, denn dann gilt automatisch die angemessene Zeit – und die legt im Streitfall der Richter fest.

Und wenn der Handwerker darauf nicht reagiert?

Ist die Frist verstrichen, kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten und eine andere Firma beauftragen. Entstehen dadurch Mehrkosten, kann er Ersatz verlangen.

Fast kein Betrieb arbeitet heute ohne allgemeine Geschäftsbedingungen. Was sind da typische Fallen?

Die Klauseln in AGB sind oft unwirksam, zum Beispiel: „Zahlungspflicht bei erfolgloser Fehlersuche“ oder „Aushändigung der Ware nur gegen Vorlage des Abholausweises“. Der Kunde kann ja zum Beispiel auch durch Zeugen beweisen, dass er sein Gerät zur Reparatur gebracht hat. Unwirksam ist es auch, wenn der Betrieb sich vorbehält, den Auftrag auf Arbeiten zu erweitern, die sich im Lauf der Repara­tur als notwendig erweisen. Da muss der Monteur schon vorher den Kunden anrufen und fragen, ob wirklich dies und jenes noch gemacht werden soll.

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