Kauf von Auslandsaktien Meldung

Die Baufahrzeuge von Caterpillar sind in Deutschland weitaus beliebter als seine Aktien.

Aktien bekannter Auslandsfirmen werden meist auch an deutschen Börsen ­gehandelt. Doch manchmal ist es besser, sie im Ausland zu kaufen.

Wer kennt sie nicht, die Bagger und Baumaschinen von Caterpillar. Die Nutzfahrzeuge des US-Konzerns sind von deutschen Baustellen kaum wegzudenken. Ganz anders die Aktie von Caterpillar: Sie ist zwar an mehreren deutschen Börsen notiert, aber angesichts der dünnen Umsätze würde sie wohl kaum jemand vermissen.

An der Frankfurter Börse werden selten mehr als 1 000 Caterpillar-Aktien pro Tag umgesetzt. In New York wechseln im Schnitt jeden Tag knapp zwei Millionen dieser Papiere den Besitzer.

Einige Tausend Auslandstitel sind in Frankfurt und an deutschen Regionalbörsen gelistet, aber nach den Umsätzen fragt man besser nicht.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Aktien der finnischen Firma Nokia sind in Deutschland ähnlich beliebt wie ihre Handys. Allein im elektronischen Xetra-System werden börsentäglich meist 2 bis 3 Millionen Nokia-Aktien für rund 39 Millionen Euro gehandelt. Das war der Durchschnitt im Jahr 2002.

Nokia erzielte damit deutlich höhere Umsätze als so manches Dax-Papier. Von Adidas-Salomon und Thyssen-Krupp wurden im Xetra-System „nur“ Aktien im Wert von durchschnittlich 25 Millionen Euro pro Handelstag umgesetzt.

Entscheidend ist der Spread

Kauf von Auslandsaktien Meldung

Ölfirmen gehören zu den wichtigsten Unternehmen der Welt. An den Aktienumsätzen an deutschen Börsen zeigt sich das kaum.

„Was gehen mich die Umsätze an?“, mag ein unerfahrener Anleger fragen. Er will schließlich nicht 100 000, sondern bloß 200 Nokia-Aktien kaufen. Und es reicht ihm schon, wenn in Frankfurt genau jene 100 Caterpillar-Aktien gehandelt werden, die er kaufen will.

Doch das ist zu kurz gedacht. Je geringer das Handelsvolumen, desto größer ist das Risiko, einen ungünstigen Preis zu bekommen.

Nur wenn viele Aktien gehandelt werden, schrumpft der so genannte Spread, der Unterschied zwischen Angebots- und Nachfragekurs. Anleger können den prozentualen Spread berechnen, indem sie den Nachfragekurs (Briefkurs) durch den Angebotskurs (Geldkurs) teilen, die Zahl 1 abziehen und das Ergebnis mit 100 multiplizieren.

Der Spread ist mit dem Ausgabeaufschlag bei Fonds vergleichbar und sollte möglichst niedrig sein. Anders als bei Fonds gibt es keinen festen Spread. Die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs ist stets nur eine Momentaufnahme, die sich im Minuten- oder gar Sekundentakt ändert. Bei den umsatzstärksten Dax-Aktien liegt der Spread im elektronischen Xetra-Handel in aller Regel unter 0,2 Prozent, oft sogar unter 0,1 Prozent. Das ist sehr niedrig.

Mehr als 1 bis 1,5 Prozent sollte der Spread beim Aktienkauf nicht betragen. Doch für manche Auslandsaktie ist an deutschen Börsen viel mehr fällig.

Am Vormittag des 25. April wurde zum Beispiel für die Aktien des ­niederländischen Herstellers von Chip­fertigungsanlagen ASML in Frankfurt zeitweise ein Spread von 3 bis 4 Prozent ausgewiesen. Dabei ist das Technologieunternehmen auch international bedeutend und gehört in seiner Branche zu den Marktführern. An der Heimatbörse in Amsterdam werden die ASML-Papiere viel stärker gehandelt, der ­Spread liegt meist unter 0,2 Prozent.

Es sind nur einige wenige Auslandsaktien wie Nokia, die Anleger an deutschen Börsen bedenkenlos ordern können. Wer einen Reinfall vermeiden will, informiert sich vorher gründlich.

Ob eine Auslandsaktie in Deutschland hohe oder niedrige Umsätze hat, erfahren Anleger am besten aus dem Internet, zum Beispiel unter www.comdirect.de. Wenn sie über ihren Berater bei der Hausbank ordern, sollten sie neben dem Spread nach den Umsätzen fragen und verlangen, dass er den Handelsplatz mit dem größten Umsatz wählt.

US-Aktien nur nachmittags

Beim Kauf bestimmter Auslandsaktien kommt es auch auf die Tageszeit an. Asiatische oder australische Aktien müsste man eigentlich nachts kaufen, wenn die Broker in Tokio, Hongkong oder Sydney ihrem Geschäft nachgehen. Doch Anleger, die um 2 Uhr morgens nicht schlafen, müssten erst mal eine Bank haben, die ihnen diese Möglichkeit überhaupt anbietet.

Mehr Interesse finden sowieso US-amerikanische Aktien – und da können Anleger leicht ihr Kaufverhalten anpassen. Um einen fairen Kurs zu bekommen, sollten sie möglichst nicht vormittags ordern, sondern den Handelsbeginn in New York abwarten. Für amerikanische Aktien gehts in Deutschland erst ab 15.30 Uhr richtig zur Sache. Was vorher passiert, ist teilweise Zufall.

In jedem Fall empfiehlt es sich, einen Limitkurs anzugeben. Das ist der maximale Preis, den ein Käufer bezahlen, oder der minimale Preis, den ein Verkäufer erzielen will.

Anleger, die General Electric, Microsoft und Co. kaufen wollen, haben zwei Möglichkeiten. Entweder sie orientieren sich am Schlusskurs des Vortags und setzen ein entsprechendes Limit, oder sie warten bis zum Nachmittag und richten ihr Limit am aktuellen Handelsverlauf aus. Die zweite Variante ist besser, da der Spread mit dem Handelsbeginn an der Wall Street in der Regel kleiner wird.

Teure Auslandsorders

Anleger können auch gleich an den jeweiligen Heimatbörsen handeln. Schließ­lich bieten viele Banken und Discountbroker die Möglichkeit, Aktien direkt in New York, London oder Zürich zu ordern.

Nimmt man den Spread zum Maßstab, dann ist dieses Vorgehen goldrichtig, denn den fairsten Kurs gibt es zweifellos am Handelsort mit dem höchsten Umsatz. Doch Auslandsorders sind teurer als Orders an deutschen Handelsplätzen.

Wie die Tabelle unten zeigt, sind die Preise für US-Orders bei den großen Discountbrokern, die diese Dienstleistung anbieten, recht unterschiedlich. Der Anleger zahlt aber stets deutlich mehr als an deutschen Börsen.

Uneingeschränkt empfehlenswert ist der Kauf im Ausland bei „exotischen“ Aktien, die in Deutschland selbst auf Monatssicht keine nennenswerten Umsätze haben. Bei bekannteren Aktien sollten Anleger in jedem Einzelfall nachrechnen, ob der geringere Spread im Ausland den Nachteil der höheren Kosten aufwiegt.

So kann es durchaus billiger sein, die 100 Caterpillar-Aktien mit einem ­Spread von 0,2 Prozent in New York zu kaufen, als für die günstigeren deutschen Transaktionskosten einen Spread von 1,5 Prozent hinzunehmen.

Alternative Handelsplattformen

Geht es um Bluechips wie Caterpillar und Microsoft, müssen die ausländischen Börsen nicht nur das Börsenparkett in Deutschland ausstechen. Die großen Werte können Anleger auch bei Xetra-Stars und Nasdaq Deutschland kaufen. Das sind elektronische Plattformen, die sich als besonders anlegerfreundlich geben und mit zahlreichen Banken und Discountbrokern zusammenarbeiten. Xetra-Stars wird von der Deutschen Börse betrieben und umfasst neben rund zwei Dutzend europäischen Titeln auch die Aktien der amerikanischen Indizes Dow Jones, S & P 100 und Nasdaq 100.

Die Nasdaq Deutschland – ein Ableger der berühmten US-Technologiebörse – ist erst seit Ende März in Deutschland aktiv und arbeitet mit den Börsen in Berlin und Bremen zusammen. Über die Nasdaq Deutschland können Anleger alle Werte des Dow-Jones-Indexes sowie des Nasdaq-100-Indexes handeln.

Außerbörslich handeln

Wer mit seinen Orders auf Nummer Sicher gehen will, muss gar nicht an die Börse gehen. Das Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz bietet den außerbörslichen Handel an. Anleger können eine Reihe von Auslandswerten zu Festpreisen kaufen und das zum Teil sogar spätabends oder am Wochenende. Mehrere Discountbroker bieten ihren Kunden diese Handelsalternative.

Allerdings empfiehlt es sich, vor dem Ordern den aktuellen Spread (www.ls-d.de) einzusehen. Ob die Caterpillar-Aktien nämlich außerbörslich billiger zu bekommen sind als im Börsenhandel, ist alles andere als sicher.

Am Wochenende Aktien zu kaufen, ist nicht sinnvoll, denn Anleger bezahlen dafür einen hohen Spread. Interessanter ist es, US-Aktien wochentags nach 20 Uhr zu ordern. Dann ist der Handel an der Wall Street richtig in Schwung, während die deutschen Broker ihren Feierabend genießen.

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