Katzentrockenfutter im Test: Trockenfutter für Katzen – von sehr gut bis mangelhaft

Vier Allein­futter sind prima. Aufpassen sollten Katzenhalter bei einem Biofutter: Es kann der Katze schaden. Viele Anbieter empfehlen falsche Tages­rationen.

Die Test­bilanz könnte der Mieze ein zufriedenes Schnurren entlo­cken. Selten gab es an den Nähr­stoff­mischungen von Katzenfutter so wenig auszusetzen wie diesmal. 20 der 25 Trockenfutter liefern den perfekten Mix, den Katzen brauchen: genügend Eiweiß, wichtige Fett­säuren, Vitamine und Mineralstoffe.

Mehrere der Knuspermahl­zeiten fallen nach Prüfungs­ende aber auf befriedigende oder ausreichende Gesamt­noten zurück. Viele Anbieter empfehlen zu hohe oder zu nied­rige Futtermengen pro Tag. Das klingt banal, kann der Gesundheit der Katze aber lang­fristig schaden, wie unsere Fallbeispiele zeigen. Einige Anbieter machen zudem unzu­treffende Werbeaussagen.

Unser Rat

Trockenfutter ist die mit Abstand güns­tigste Form, Katzen zu ernähren. Für nur 5 Cent am Tag decken zwei sehr gute Produkte vom Discounter den komplexen Nähr­stoff­bedarf der Stubentiger: Penny Bianca und Lidl Coshida. Auch sehr gut sind der Markenklassiker Kitekat (15 Cent pro Tages­ration) von Mars sowie Purina One von Nestlé (22 Cent pro Tag). Neun weitere Futter schneiden gut ab.

Was Katzen kaufen würden

Unwiderstehlicher Blick. Rund 13 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten. Sie sind das Lieblings­tier.

Aus allen heben sich vier hervor: der Knuspermix Bianca von Penny, der Knabber­schmaus Coshida von Lidl sowie die Markenfutter Kitekat und Purina One. Katzenhalter haben also die Wahl zwischen Produkten von Handels­ketten und Marken­futtern. Ihre Qualität ist vergleich­bar, doch im Preis unterscheiden sie sich erheblich: Mit Futtern von Penny und Lidl kostet die Tages­ration nur 5 Cent, bei Purina One von Nestlé dagegen 22 Cent. Auf den Monat gerechnet liegt der Unterschied bei 5,10 Euro. Das gilt auch für die neun guten Futter, unter denen etwa Whiskas und Brekkies zu finden sind, aber auch die Mischungen von Aldi Nord und Süd sowie von Rewe.

Die Berechnungen des Nähr­stoff- und Mengenbe­darfs basieren auf der deutschen Durch­schnitts­katze. Sie lebt typischer­weise in einer Wohnung, wiegt 4 Kilo und ist leicht überge­wichtig. Alle 25 Produkte sind Allein­futter für ausgewachsene Tiere: Sie versprechen eine lebens­lange Rund­umver­sorgung (siehe auch FAQ Katzenfutter).

Keine Lock­stoffe nachgewiesen

Der güns­tige Preis lässt manch kritischen Katzenhalter an der Qualität von Trockenfutter zweifeln. Doch wie bei jedem Futtermittel müssen alle tierischen Zutaten von schlacht­tauglichen Tieren kommen, so schreibt es das EU-Recht vor. Die typischen Zutaten – etwa Getreide, Fleisch- und Knochenmehle, Gemüse – liefern, was Katzen brauchen. Lock­stoffe, die zum Fressen anregen, wiesen wir im Labor nicht nach. Die Zucker­gehalte sind mit meist weniger als 2 Gramm je 100 Gramm Futter sehr gering und unbe­denk­lich. Hinweise auf Antibiotika fanden wir nicht. Bestand­teile wie Borsten oder Hufe ließen sich unterm Mikroskop nicht nach­weisen – erlaubt sind sie, viele Katzenhalter lehnen sie aber ab.

Bio-Futter Defu mit vielen Mängeln

„Ich kann jeden verstehen, der seine Katze nicht mit einem Chemiecock­tail voll­stopfen will“ – mit diesem Zitat eines Biobauern stellt der Anbieter Demeter-Feld­erzeug­nisse* seine Marke Defu als Alternative dar.

Wir können das Bio-Futter nicht empfehlen. Es ist mangelhaft: Es liefert zu wenig Kalium und zugleich zu viel Phosphor. „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass derartige Kombinationen die Nieren­gesundheit von Katzen beein­trächtigen können“, sagt Ellen Kienzle, Professorin für Tier­ernährung in München. Punkt­abzug für den Nähr­stoff­mix gab es auch für Purina Felix.

Defu fiel zudem durch hohe Mengen an Gluten auf – es wirbt aber mit einer „glutenfreien Rezeptur“. Eine ähnliche Auslobung entpuppte sich schon für das Defu-Feucht­futter als unwahr (siehe Test Katzen-Nassfutter, test 5/2017). Diesmal wiesen wir rund 2 400 Milligramm Gluten pro Kilogramm nach. Glutenfreie Lebens­mittel dürfen maximal 20 Milligramm pro Kilogramm enthalten. Für Tierfutter gibt es so einen Grenz­wert nicht.

Tier­ärzten zufolge gibt es kaum Katzen mit Glutenun­verträglich­keit. Das Frei-von-Sortiment erfreut sich eher deshalb großer Beliebtheit, weil Besitzer ihren Ernährungs­stil auf ihr Tier über­tragen. Das lassen sie sich einiges kosten: Die Futter, die laut Verpackung auf Getreide oder Gluten verzichten, sind mit die teuersten im Test.

„0 %“ Getreide, aber mit Gluten

Dazu zählen Wahre Liebe, Fress­napf und Sanabelle. Sie können bei Katzenhaltern die Erwartung wecken, sie seien glutenfrei. Im Labor zeigte sich: Alle drei enthalten Gluten. Sowohl Sanabelle, das „ohne glutenhaltiges Getreide“ auskommen will. Als auch Fress­napf und Wahre Liebe, die betonen, „0 %“ Getreide zugesetzt zu haben – in beiden fanden wir neben Gluten auch Reis, eine Getreideart. Für den Glutenfund lieferte der Hersteller von Wahre Liebe, Mera Tier­nahrung, eine mögliche Erklärung: Es könne über „Geflügelmägen, in denen Reste von weizenhaltigem Geflügelfutter anhaften“, ins Futter gelangen.

Eiweiß wird zu knapp kalkuliert

Katzen brauchen von Natur aus viel Eiweiß – sie sind Fleisch­fresser. Die geprüften Futter liefern tierisches Protein meist über Huhn, Ente oder Pute. Der Gesamt­gehalt an Eiweiß ist aber oft knapp kalkuliert. Folge: Bekommt die Katze zu wenig Futter, ist sie nicht ausreichend mit Eiweiß versorgt. Das kann bei den Produkten von dm, Ross­mann, Kauf­land und Defu passieren. Diese vier decken den Eiweiß­bedarf nicht mehr (siehe Die Menge zählt), wenn die Katze die angegebene Mindest­menge erhält – im Beispielfall 40 Gramm. Wie bei Tierfutter üblich geben sie Tages­rationen in Spannen an: etwa 40 bis 55 Gramm für eine 4-Kilo-Katze.

Eiweiß­mangel hat Folgen. Katzen bauen Muskeln ab. „Gerade kastrierte Tiere bauen die Muskeln nie wieder auf,“ sagt Expertin Kienzle. „Ihr Fett­gehalt steigt. Im Krank­heits­fall haben sie nichts, wovon sie zehren können.“ Falsche Futtermengen verursachen noch andere Probleme. Drei weitere Futter sind in diesem Prüf­punkt mangelhaft.

Halter können falschen Futtermengen auf die Schliche kommen, indem sie ihre Katze beob­achten: Nimmt sie zu oder ab? Ist sie fit? Klappt ihre Verdauung? Mehr Tipps stehen in unseren FAQ Katzenfutter. Ist Mieze gesund, dankt sie es mit wohligem Schnurren.

* Passage korrigiert am 04. Mai 2018

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