Karriereratgeber Test

Unzufrieden mit dem Job, Wiedereinsteigerin oder auf dem Weg an die Spitze? Zehn von zwölf Karriereratgebern im Test helfen bei der Suche nach dem Traumjob weiter.

Mit einer gemütlichen Lektüre auf dem Sofa ist es nicht getan. Wer in der Lebensmitte steht und einen Karriereratgeber kauft, um endlich seinen Traumjob zu finden, muss sich anstrengen. Denn er muss nicht nur Zeit, sondern auch Gedanken und Gefühle investieren.

Das wurde schnell klar bei unserem Test von Karriereratgebern, die sich explizit nicht an junge Menschen vor der ersten Berufswahl richten, sondern an jene, die bereits einen Beruf ausgeübt haben und sich beruflich verändern wollen: Mütter etwa, die nach der Familienpause wieder einsteigen wollen, Berufstätige, die mit ihrer derzeitigen Tätigkeit unzufrieden sind, Jüngere, die Karriere im klassischen Sinn machen oder Ältere, die beruflich noch weiterkommen wollen. Die Stiftung Warentest wollte wissen, ob Ratgeber mit Titeln wie „Finde den Job, der dich glücklich macht“, „Wahnsinnskarriere“ oder „Neuer Start mit 50“ ihre Versprechen auch halten, nämlich Hilfe bei der Suche nach dem Traumjob zu geben. Wir haben deshalb untersucht, ob die Bücher konkrete Tipps und umsetzbare Strategien liefern und bestenfalls jede Menge nützlicher und aktueller Zusatzinfos bieten.

Getestet haben wir zwölf Bücher, die zwischen 8,90 und 39,90 Euro kosten. Darunter waren auch Topseller von großen Buchhandelsketten und dem Buchversand wie Jochen Mais „Karriere Bibel“ und Richard N. Bolles' „Durchstarten zum Traumjob“, das bereits in der achten Auflage vorliegt. Das Fazit ist rundum positiv: Es gibt viele gute Bücher in diesem Segment. Immerhin zwei von zwölf Ratgebern boten eine „sehr hohe“ inhaltliche Qualität bei „hoher“ Verständlichkeit. Acht weitere bekamen für die inhaltliche Qualität ein „Hoch“. Hier findet der Leser also nützliche, gut aufbereitete und geschriebene Informationen, die ihn weiterbringen. Und auch die beiden Bestseller sind ihr Geld wert.

Nur ein Buch „sehr empfehlenswert“

Doch nur ein Ratgeber hat auf ganzer Linie so gut abgeschnitten, dass wir ihn „Neuorientierern“ uneingeschränkt empfehlen können: Angelika Gulders „Finde den Job, der dich glücklich macht“, mit 19,90 Euro preislich im Mittelfeld. Als einziger Ratgeber im Test bot er eine „sehr hohe“ Qualität in Inhalt und Zielgruppeneignung (siehe Tabelle S. 22/23). Schon der Einband macht klar, dass Unzufriedene die Zielgruppe sind: „Gehen Sie auch morgens ohne Elan an Ihren Arbeitsplatz und schleppen sich eher lustlos an den Schreibtisch? Dann sollten Sie handeln ... Suchen Sie sich einen Beruf, der Sie nicht nur ernährt.“

Im Zentrum des Ratgebers steht der von der Diplom-Psychologin Gulder auch in ihren Coachings angewandte „Karriere-Navigator“ (siehe Test Berufsfindungskurse S. 14 bis 19). Dabei arbeitet sich der Leser durch zwölf Abschnitte mit Titeln wie „Drei Wünsche an eine Fee“ oder „Kindheitsträume – Kindheitspläne“. Im Mittelpunkt stehen Übungen. Beim „Idealen Tag“ soll er diesen als Tagtraum durchleben und ihn anschließend jemandem erzählen. Berufsfindung ist keine Kleinigkeit, das macht die Autorin klar: „Wenn Sie schon immer wissen wollten, wie Sie schnell mal nebenbei über Berufung nachdenken, Ihren alten Job an den Nagel hängen und im Handumdrehen einen neuen beginnen können, dann sollten Sie dieses Buch wieder aus der Hand legen.“ Wer jedoch das Buch konsequent durcharbeitet, sollte am Ende drei konkrete Berufsbilder vor sich liegen haben – Vorschläge für Jobs, mit denen er besser leben kann.

Große Auswahl für „Neuorientierer“

Empfehlenswert für „Neuorientierer“ auf der Suche nach dem Traumjob sind sechs weitere Bücher, darunter Richard N. Bolles' Bestseller „Durchstarten zum Traumjob“. Inhaltlich bietet das 444 Seiten starke Buch nicht nur jede Menge Informationen zu Selbstanalyse und Bewerbung, Stellensuche und Netzwerken, sondern auch viele gute Checklisten, zum Beispiel zum Herausfinden der eigenen Fähigkeiten. Sehr engagierte Leser kommen mit dem Buch bestimmt weiter, wenig Motivierte oder auch Berufsanfänger, ebenfalls Bolles' Zielgruppe, sind jedoch mit dieser Informationsfülle schnell überfordert.

Speziell an „Neuorientierer“ über 45 Jahre wenden sich Monika Birkners „Kurswechsel im Beruf“ und Renate Ibelgaufts' „Neuer Start mit 50“. Beide Ratgeber sprechen bewusst Ältere an, die sich neu bewerben, im eigenen Unternehmen verändern oder selbstständig machen wollen. Karriere steht hier als Lebensvision in der Lebensmitte. Auch Themen wie Alter und Ängste vor finanziellen oder sozialen Verlusten kommen zur Sprache. Führungskräfte in diesem Alter, die zum Beispiel ihre berufliche Situation analysieren oder Tipps zum Selbstmarketing brauchen, werden in „Karriere ab 45“ von Gisela Osterhold und Susanne T. Hansen fündig.

Drei Ratgeber nur für Frauen

Für Frauen ist die Suche nach ihrem Traumjob oft besonders schwer: Viele haben wegen familienbedingter Auszeiten weniger Berufserfahrung. Mütter sind aufgrund ihrer Doppelbelastung zeitlich eingeschränkt, und insgesamt profitieren Frauen beim beruflichen Aufstieg seltener als Männer von bestehenden – meist männlich dominierten – Netzwerken.

Drei Ratgeber wenden sich ausschließlich an Frauen. Zielgruppe von Elke Homburgs „Zurück in den Job“ sind Mütter, die ihre berufliche Rückkehr systematisch planen wollen. Authentische Berichte, etwa Beispiele einer Existenzgründung, motivieren dazu, sich mit ganz neuen Möglichkeiten vertraut zu machen. Auch dank seiner vielen praktischen Tipps zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Recht und Finanzierung hält das Buch sein Versprechen – nämlich Frauen beim Wiedereinstieg zu helfen.

Gerade die Themen Wiedereinstieg, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Bewerbung kommen in Anja Kolbergs „Ab 40 reif für den Traumjob“ zu kurz. Unverständlich ist, dass der bereits 2001 erschienene Text offenbar für die Auflage 2008 nicht aktualisiert wurde.

Auch das Buch „Die Venus-Strategie“ von Claudia E. Enkelmann hält nicht sein Versprechen, bewährte Erfolgsstrategien für den beruflichen Aufstieg zu liefern. Das Buch liest sich zwar mitunter kurzweilig, ist aber teilweise klischeebeladen und durch sein vollkommen veraltetes Frauenbild ärgerlich. Für Aufsteigerinnen ist es nur „eingeschränkt empfehlenswert“, weil es zu wenige und nur sehr einseitige Umsetzungsstrategien bietet. Überflüssig sind im Abschnitt „Frei und selbstbewusst sprechen“ die Flirttipps, die zu Folgendem raten: „dezent die Lippen mit der Zunge befeuchten“ oder „den Kopf leicht zur Seite neigen“.

Tricks für Aufsteiger

Viel profitabler auch für Frauen sind zwei Ratgeber, die sich explizit an Aufsteiger wenden. „Die Karriere Bibel“ und „Wahnsinnskarriere“ kommen zwar ohne anstrengende Übungen zur Selbsterkenntnis aus. Auseinandersetzen mit eigenen Stärken und Schwächen muss sich der Leser jedoch auch hier. Im Zentrum von Jochen Mais „ Karriere Bibel“ stehen die gezielte Karrierearbeit und die entsprechenden Strategien. Mai gibt dem Leser zwar viele gute Denkanstöße und regt ihn zur Eigeninitiative an, nimmt ihn bei der Umsetzung jedoch eher weniger an die Hand.

Strategien fürs Selbstcoaching und -marketing kann man in dem spannend geschriebenen Ratgeber „Wahnsinnskarriere“ von Wolfgang Schur und Günter Weick lernen. Hier erhält man viele interessante Informationen und Einblicke zum Thema Aufstieg in einem (amerikanischen) Großunternehmen.

Unser Bücher-Test zeigt: Ob Aufsteiger, Wiedereinsteigerinnen oder Umsteiger – jede berufliche Veränderung ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Der passende Ratgeber kann dabei helfen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 589 Nutzer finden das hilfreich.