Karriereratgeber Test

Unzufrieden im alten Job? Oder kurz vor dem Wiedereinstieg? Hilfe beim Neustart versprechen Ratgeber. Unser Test zeigt: Der Kauf lohnt sich – bei einigen.

Die Finanzkrise hinterlässt ihre Spuren. Viele fürchten um ihren Job oder haben Angst davor, überhaupt keinen mehr zu finden. Gut, wenn man in dieser Situation weiß, was man will, wo die eigenen Stärken liegen und welche Strategien zum Erfolg, sprich: zum Traumjob, führen. Der Gang in die Buchhandlung ist der einfachste Schritt. Hier reiht sich Ratgeber an Ratgeber mit Namen wie „Finde den Job, der dich glücklich macht“ oder „Wahnsinnskarriere“.

Zwölf solcher Karriereratgeber, die zwischen 8,90 und 39,90 Euro kosten, haben wir geprüft. Sie richten sich nicht an junge Menschen vor der ersten Berufswahl, sondern ausdrücklich an jene, die bereits mit beiden Beinen im Beruf stehen und sich verändern wollen: an Berufstätige, die mit ihrem Job unzufrieden sind; an Ältere, die noch einmal durchstarten wollen; an Mütter etwa, die nach der Familienpause wieder einsteigen. Wir haben untersucht, ob die Bücher konkrete Tipps und umsetzbare Strategien liefern und nützliche und aktuelle Zusatzinformationen bieten.

Unser Fazit: Es gibt viele gute Bücher in diesem Segment. Zwei der zwölf Ratgeber haben sogar eine „sehr hohe“ inhaltliche Qualität und bieten auch eine „hohe“ Verständlichkeit. Acht weitere bekamen für die inhaltliche Qualität ein „Hoch“. Hier findet der Leser nützliche, gut aufbereitete Informationen, die ihn voranbringen.

Nur ein Buch „sehr empfehlenswert“

Doch nur ein Ratgeber hat auf ganzer Linie so gut abgeschnitten, dass wir ihn all jenen, die sich im Beruf neu orientieren wollen, uneingeschränkt empfehlen können: Angelika Gulders „Finde den Job, der dich glücklich macht“, mit 19,90 Euro preislich im Mittelfeld. Als einziges Buch im Test bietet es eine „sehr hohe“ Qualität in Inhalt und Zielgruppeneignung. Im Zentrum des Ratgebers steht der von der Diplom-Psychologin Gulder auch in ihren Coachings angewandte „Karriere-Navigator“. In zwölf Schritten führt er den Leser zu seiner Berufung. Das ist keine Kleinigkeit, macht die Autorin klar. Nur wer das Buch konsequent durcharbeitet, hat am Ende drei Berufsbilder vor sich liegen – Vorschläge für Jobs, mit denen er besser leben kann.

Große Auswahl für Neuorientierer

Menschen, die auf der Suche nach ihrem Traumjob sind, können wir sieben weite­re Bücher zur Neuorientierung empfehlen, darunter Richard N. Bolles’ Bestseller „Durchstarten zum Traumjob“. Es ist bereits in der achten Auflage erschienen. Inhaltlich bietet das 444 Seiten starke Werk jede Menge Informationen zu Selbstanalyse und Bewerbung, Stellensuche und Netzwerken sowie viele gute Checklisten, zum Beispiel zum Herausfinden der eigenen Fähigkeiten. Sehr engagierte Leser kommen mit dem Buch bestimmt weiter, weniger Motivierte könnten mit dieser Informationsfülle allerdings schnell überfordert sein.

Speziell an Neuorientierer über 45 Jahre wenden sich Monika Birkners „Kurswechsel im Beruf“ und Renate Ibelgaufts’ „Neuer Start mit 50“. Beide Ratgeber sprechen bewusst Ältere an, die sich neu bewerben, im eigenen Unternehmen verändern oder selbstständig machen wollen. Auch das Thema Angst vor finanziellen oder sozialen Verlusten kommt zur Sprache. Führungskräfte in höherem Alter, die ihre berufliche Situation analysieren oder Tipps zum Selbstmarketing brauchen, werden in „Karriere ab 45“ von Gisela Osterhold und Susanne T. Hansen fündig.

Ratgeber speziell für Frauen

Für Frauen ist die Suche nach ihrem Traumjob oft besonders schwer. Viele haben aufgrund von familienbedingten Auszeiten wenig Berufserfahrung. Mütter sind wegen ihrer Doppelbelastung zeitlich eingeschränkt, und insgesamt profitieren Frauen beim beruflichen Aufstieg seltener als Männer von bestehenden Netzwerken. Deshalb brauchen sie besondere Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung.

Drei Ratgeber im Test wenden sich ausschließlich an Frauen. Zielgruppe von Elke Homburgs „Zurück in den Job“ sind Mütter, die ihre berufliche Rückkehr systematisch planen wollen. Authentische Berichte, etwa Beispiele für Existenzgründungen, motivieren die Leserin, sich mit ganz neuen Möglichkeiten vertraut zu machen. Auch dank seiner vielen praktischen Tipps zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder zu Recht und Finanzierung hält das Buch sein Versprechen – nämlich Frauen beim Wiedereinstieg zu helfen. Gerade diese Themen sind es, die in Anja Kolbergs „Ab 40 reif für den Traumjob“ zu kurz kommen. Unverständlich, dass der bereits 2001 erschienene Text für die Auflage 2008 offenbar nicht aktualisiert wurde. So finden sich darin zum Beispiel veraltete Statistiken und Preisangaben in D-Mark.

Veraltet und klischeebeladen

Auch im Buch „Die Venus-Strategie“ von Claudia E. Enkelmann sucht man Erfolgsstrategien für den beruflichen Aufstieg vergebens. Es liest sich zwar mitunter kurzweilig, bedient aber viele Klischees und ist durch sein vollkommen veraltetes Frauenbild ärgerlich. Für Aufsteigerinnen können wir es nur eingeschränkt empfehlen, weil es zu wenige und nur sehr einseitige Umsetzungsstrategien bietet. Flirttipps dagegen haben in einem Karriereratgeber nichts zu suchen, wie zum Beispiel folgende: „dezent die Lippen mit der Zunge befeuchten“ oder „den Kopf leicht zur Seite neigen“.

Viel profitabler auch für Frauen sind zwei Ratgeber, die sich an Aufsteiger wenden. „Die Karriere Bibel“ und „Wahnsinnskarriere“ kommen ohne anstrengende Übungen zur Selbsterkenntnis aus. Aber auch hier muss sich der Leser mit seinen Stärken und Schwächen auseinandersetzen. Der eigenen Persönlichkeit auf den Zahn zu fühlen, nimmt ihm kein Ratgeber ab.

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