Karriereratgeber Test

Unzufrieden im alten Job? Reif für den nächsten Karriereschritt? Oder doch lieber die eigene Firma gründen? Wer beruflich neu durchstarten will, braucht konkrete Tipps und eine schlaue Strategie. Karriereratgeber sollen dabei helfen. Welche Bücher zur Orientierung taugen, zeigt der Test.

Eins von zwölf ist top

„Wahnsinnskarriere“ oder „Durchstarten zum Traumjob“ – diese Titel klingen verheißungsvoll. Die Stiftung Warentest hat untersucht, ob Karriereratgeber auch halten, was sie versprechen. Im Test: zwölf Bücher für den Auf-, Um- und Wiedereinstieg. Immerhin eins von ihnen überzeugte die Gutachter auf ganzer Linie: Inspirierend und leicht verständlich lautet ihr Urteil für „Finde den Job, der dich glücklich macht“ von Angelika Gulder. Mit 19,90 Euro liegt der Ratgeber preislich im Mittelfeld.

Nichts für Neulinge

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Beruflich Unerfahrene können von kaum einem Ratgeber im Test profitieren. Tipps für den Karrierekick gibt es eher für jene, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen oder dahin zurückkehren wollen. Mütter nach der Familienpause zum Beispiel. Auch potenzielle Jobwechsler kommen auf ihre Kosten.

Auch für Ältere

Sich selbstständig machen, das Unternehmen wechseln, von vorn anfangen – was für junge Menschen schon nicht leicht ist, fällt den älteren doppelt schwer. Drei Ratgeber gehen auf diese Ängste ein und konnten im Test überzeugen, darunter Monika Birkners „Kurswechsel im Beruf“ und Renate Ibelgaufts' „Neuer Start mit 50“. Speziell an Führungskräfte in diesem Alter wendet sich der Ratgeber „Karriere ab 45“ von Gisela Osterhold und Susanne T. Hansen. Neuorientierer lernen damit, sich selbst zu vermarkten und die Karriereplanung strategisch anzugehen. Allerdings ist das Buch mit knapp 40 Euro das teuerste im Test.

Bestseller sind ihr Geld wert

Zu den Karriereratgebern, die seit Jahren in den Buchläden den Ton angeben, gehören Jochen Mais „Karriere Bibel“ und das Buch von Richard N. Bolles. Dessen Bestseller „Durchstarten zum Traumjob“ ist bereits in der achten Auflage erschienen. Neben Infos zu den Themen Bewerbung, Stellensuche und Netzwerken enthält er hilfreiche Checklisten, zum Beispiel, wie der Leser die eigenen Fähigkeiten besser einschätzt. Mit 444 Seiten ist es allerdings ein dicker Brocken.

Eher Roman als Ratgeber

Wer Informationen lieber spannend erzählt als nüchtern verpackt liest, ist mit Wolfgang Schurs und Günter Weicks „Wahnsinnskarriere“ gut bedient. Das Titelbild mit Haifischmaul stimmt bereits auf die Themen Selbstmarketing und Selbstcoaching ein. Beide Autoren sparen nicht mit ausgefeilten Tipps und fiesen Tricks zum beruflichen Aufstieg.

Veraltete Statistiken

Hat sich eine Frau jahrelang um die Kinder gekümmert, findet sie oft nur schwer einen Job, geschweige denn den Traumjob. Schließlich kann sie wenig Berufserfahrung vorweisen und ist zeitlich kaum flexibel. Gut, wenn sie dann einen Ratgeber findet, der auf diese Probleme eingeht und motiviert. Elke Homburgs „Zurück in den Job“ ist so ein Buch. Auch Anja Kolberg wendet sich mit ihrem Ratgeber „Ab 40 reif für den Traumjob“ an Frauen, die sich beruflich neu orientieren. Unverständlich nur, dass der bereits 2001 erschienene Text für die Auflage 2008 offenbar nicht aktualisiert wurde. Veraltete Statistiken und Preisangaben in D-Mark hinterlassen bei der Leserin keinen guten Eindruck.

Überflüssige Flirttipps

Der dritte Frauenratgeber im Bunde enttäuscht. Erfolgsstrategien für den beruflichen Aufstieg suchen Leserinnen in „Die Venus-Strategie“ von Claudia E. Enkelmann vergebens. Stattdessen bedient der Ratgeber gern jedes Klischee und ärgert mit seinem völlig veralteten Frauenbild. Mit den vorgeschlagenen Flirttipps à la „dezent die Lippen mit der Zunge befeuchten“ kommen die Leserinnen in der Berufswelt wahrscheinlich nicht weit.

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