Janna Simoneit im Porträt: Ganz oder gar nicht

Karriere meistern Special

Von halben Sachen hält Janna Simoneit nicht viel. Erst nahm sie sich Zeit für ihre Kinder, dann machte sie Karriere – in ihrer eigenen Firma. Für ihre unternehmerische Höchstleistung erhielt sie einen Preis.

An Herausforderungen kann man verzweifeln oder das Beste aus ihnen machen. Janna Simoneit entschied sich für Letzteres, als sie nach einem abgebrochenen Studium und neun Jahren Erziehungszeit nicht wusste, wie es weitergehen sollte. „Ich habe in meinem Leben viele Dinge angefangen und auch sehr gut gemacht. Es fehlte eben immer nur der Stempel unter allem“, erzählt die 46-Jährige.

Ohne einen Berufsabschluss und den Anspruch auf Sozialhilfe stand sie vor der Wahl: „Entweder, die Arbeitsagentur steckt mich in irgendeine Maßnahme, oder ich denk mir jetzt selbst was aus.“ In dieser Phase kam die Anfrage einer Bekannten wie gerufen: Ob sie Lust hätte, für eine Frau im Wochenbett zu kochen? Perfekt für Janna Simoneit, schließlich hatte sie schon immer ein Faible für Lebensmittel: Als Jugendliche verkaufte sie Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt, später kochte sie in dem selbstverwalteten Vollwertrestaurant einer alternativen Wohn- und Lebensgemeinschaft. Während eines einjährigen Trips durch die USA verfeinerte sie ihr Können in der vegetarischen Küche. „Ich hatte richtig Lust, mal wieder aufwändig für jemanden zu kochen, dem es schmeckt und der meine Künste zu schätzen weiß“, sagt sie im Hinblick auf „die unzähligen Kinderessen, die ich in den Jahren zuvor zubereitet hatte“. Die Frau ist begeistert und empfiehlt sie weiter. „So wurde ich zunächst in der Schwangerenszene rumgereicht“, sagt sie schmunzelnd.

Aus dem Nebenjob wird eine Unternehmens-Idee, und im Jahr 2004 gründet Janna Simoneit „mundart“, einen Bio-Buffet- und Menuservice. „Ohne Rücklagen und ohne Equipment war der Start gar nicht so einfach“, erzählt die Alleinerziehende. Freunde fahren mit ihr durch ganz Bremen, um gebrauchte Möbel für die Küche zu kaufen. Von einem Mini-Kredit für Existenzgründer schafft sie Kühlschrank und Herd an. Der hauseigene Keller wird zur Küche umgebaut, auf dem Dach des Wohnhauses ein Abzug installiert. Aber die Mühe lohnt sich: „Es lief von Anfang an gut.“

Nach zwei Jahren kommt die erste Mitarbeiterin dazu, heute zählt das Unternehmen je nach Auftragslage bis zu 15 Servicekräfte – allesamt Frauen. Der Versuch, einen Mann zu beschäftigen, schlägt fehl: „An einem Wochenende haben wir das Buffet einer Hochzeit, eines runden Geburtstags und ein Bankett ausgerichtet. Das war Stress pur.“ Mitten in einer Veranstaltung wirft der Koch seine Schürze hin. „Damit hätte er ruhig noch drei Stunden warten können. Er hat uns einfach hängen lassen“, so Simoneit.

Keine Kompromisse

Dass ihr das mit ihren Mitarbeiterinnen nicht passiert, dafür weiß Janna Simoneit einen schlichten Grund: „Die meisten von ihnen sind Mütter. Die müssen ständig hellwach, flexibel und auf vielen Ebenen gleichzeitig präsent sein.“ Sie selber schont sich auch nicht: Morgens um fünf Uhr aufstehen, zwei Stunden arbeiten, die Kinder in die Schule verabschieden. Zurück am Schreibtisch warten dann Buchhaltung, Rechnungen und die Organisation ihrer Mitarbeiterinnen auf sie. „Es gibt Tage, an denen tauche ich erst wieder nachts um eins hinter den Papierbergen auf“, so Simoneit. Die kreative Arbeit – das Planen von Buffets und Banketten, vor allem aber das Kochen selbst – kommt dabei oft zu kurz. „Dabei mag ich doch den Mix aus allem.“

Sowohl privat als auch beruflich macht Janna Simoneit keine Kompromisse. Genauso konsequent, wie sie sich für jedes ihrer Kinder ganz bewusst je drei Jahre Erziehungszeit nahm, genauso geradlinig ist sie heute bei ihrer Arbeit. Von der Dekoration über die Gewürze bis hin zu Fisch, Fleisch und Gemüse stammt alles aus rein biologischem Anbau. Kleine Kostprobe gefällig? „Peruanische Kartoffel-Limetten-Schichttorte mit einer Füllung von Avocados und Krabben“ ist ein Punkt auf der Menüliste. Es muss aber nicht immer Kaviar sein: „Der Hit im letzten Jahr waren Wirsing-Päckchen aus Kohl und Frischkäse“, erzählt sie.

Aus wenig ganz viel machen gehört zu den Talenten von Janna Simoneit. Das wurde auch schon öffentlich gewürdigt: Als Erste überhaupt erhielt sie den Bremer Belladonna-Gründerinnenpreis für ihre unternehmerische Höchstleistung. Die schwierigen Startbedingungen und ihre besondere Biografie waren ausschlaggebend dafür, dass sich die Jury für sie statt für eine ihrer 19 Mitbewerberinnen entschied.

„Zu Recht“, findet Janna Simoneit und lacht. „Ich habe wirklich geschuftet, um all das aus dem Nichts aufzubauen. Schon als ich mich um den Preis beworben habe, wusste ich: Den werde ich gewinnen.“ Doch ohne ihre Kolleginnen, ihre Kinder und ihre Mutter, die bei der Betreuung einspringt, hätte sie all das nicht geschafft. „Die Stütze, die mir all diese Menschen gegeben haben, war einfach enorm wichtig für mich.“

Wichtig ist ihr auch, sich Zeit für sich selbst zu nehmen – trotz Vollzeit-Job und der drei Kinder. „Für ihr Leben gern“ singt sie in einem Jazz-Chor. Manchmal verbindet sie Hobby und Beruf miteinander: Auf einem Bankett trat sie erst mit dem Chor auf und schlüpfte anschließend in die Schürze, um ihr Service-Team zu unterstützen. Singen und servieren auf derselben Veranstaltung? Kein Problem für Janna Simoneit, höchstens eine Herausforderung. Und daraus macht sie ja stets das Beste.

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