Weiterbildungsförderung: Das zahlt sich aus

Wer sich beruflich weiterbildet, hat im Job die Nase vorn. Lehrgänge sind aber oft teuer. Bund und Länder unterstützen Lerner. Für jede Personengruppe gibt es eigene Fördermöglichkeiten.

Junge Arbeitnehmer werden rar in Deutschland. Im Jahr 2020 wird jeder dritte Erwerbstätige 50 Jahre oder älter sein. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung errechnet. Zugleich steigt der Bedarf an qualifiziertem Personal.

Für Erfahrene: WeGebAU

Diesen Trend hat auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) erkannt. Mit dem Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“, kurz WeGebAU, setzt sie genau dort an. Gefördert werden Arbeitnehmer, die älter sind als 45 Jahre oder als geringqualifiziert gelten. Letzteres bedeutet, entweder keinen Berufsabschluss zu haben oder seit mindestens vier Jahren nicht mehr im erlernten Beruf zu arbeiten. Einzige Fördervoraussetzung für Ältere: Sie müssen in einem Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern beschäftigt sein. So will die BA vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in der Weiterbildung ihrer Beschäftigten unterstützen. Stellt ein Arbeitgeber den Mitarbeiter für die Dauer des Kurses frei, gewährt ihm die BA einen Zuschuss zum Lohn oder sie erstattet dem Arbeitnehmer die Lehrgangskosten. Ähnlich wie bei der Förderung für Arbeitslose setzt die BA hier auf die Eigeninitiative des Lerners. Er erhält einen Bildungsgutschein und macht sich selbst auf die Suche nach einem geeigneten Kurs. Der darf nicht in seinem Betrieb stattfinden und muss über eine arbeitsplatzbezogene Anpassung hinausgehen.

Tipp: Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf das Programm an. Erklären Sie ihm, wie das Unternehmen von Ihrer Weiterbildung profitieren würde. Über die Vorzüge von WeGebAU informieren auch spezielle Weiterbildungsberater, die die BA seit einem Jahr gezielt in die Betriebe schickt, um Arbeitgeber über die Fördermöglichkeit zu unterrichten. Mehr dazu auf den Seiten der BA unter www.arbeitsagentur.de.

Für Aufsteiger: Meister-Bafög

Eine gute Möglichkeit, sich den Sprung auf der Karriereleiter vom Staat finanzieren zu lassen, ist die Förderung nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, kurz Meister-Bafög. Diese Bezeichnung trifft es nicht ganz, denn neben angehenden Meistern können auch Berufsgruppen gefördert werden, die einen anderen Abschluss anstreben, zum Beispiel Betriebswirte, Fachkrankenpfleger oder Softwareentwickler. Neu ist, dass auch Angehörige von Sozialberufen profitieren: Künftig soll es die Finanzspritze für Fortbildungen zum Altenpfleger oder zum Erzieher geben.

Auf Meister-Bafög kann hoffen, wer über eine abgeschlossene Erstausbildung oder einen vergleichbaren Berufsabschluss verfügt. Die berufliche Qualifikation darf dem angestrebten Fortbildungsabschluss allerdings nicht gleichwertig sein.

Eine Altersgrenze für das Meister-Bafög gibt es nicht. Die Förderungshöchstdauer beträgt, je nachdem, ob ein Vollzeit- oder Teilzeitkurs belegt wird, zwischen 24 und 48 Monaten. Gefördert werden die Gebühren für Lehrgänge und Prüfungen bis zu einer Höchstgrenze von 10  226 Euro. Davon bezuschusst der Staat 30,5 Prozent, den Rest erhält der Teilnehmer als zinsgünstiges Darlehen. Bis zu 614 Euro können Alleinstehende als Hilfe zum Lebensunterhalt monatlich beziehen.

Im vergangenen Jahr kamen 134  000 Menschen in den Genuss des Meister-Bafög – 1,7 Prozent weniger als 2006. Damit die Zahl der Geförderten wieder steigt, hat die Regierung für 2009 eine Reihe von Änderungen auf den Weg gebracht, darunter die Erhöhung des Unterhaltszuschusses für Eltern und die Förderung für die Zeit zwischen Lehrgangsende und Abschlussprüfung. Wer die erfolgreich besteht, bekommt zukünftig als Belohnung fast die Hälfte der Kurs- und Prüfungsgebühren erstattet. Fortan können auch diejenigen auf Unterstützung bauen, die bereits eine Fortbildung absolviert haben. Bisher gab es das Bafög nur für die erste Weiterbildung.

Tipp: Achtung Existenzgründer: Wer sich spätestens drei Jahre nach der Weiterbildung selbstständig macht und mindestens zwei weitere Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, bekommt 66 Prozent des auf Lehrgangs- und Prüfungsgebühren entfallenden Restdarlehens erlassen. Mehr Infos zum Meister-Bafög finden Sie unter www.meister-bafoeg.info.

Für Akademiker: Aqua

An bestehende Erfahrungen anknüpfen und sie durch neues Wissen ergänzen – das ist das Ziel, das die Otto Benecke Stiftung mit dem Programm „Akademiker/-innen qualifizieren sich für den Arbeitsmarkt“, kurz Aqua, verfolgt. 13-monatige Studienergänzungen sollen arbeitslose Akademiker unabhängig von ihrem Alter, ihrem Studienabschluss und der Dauer ihrer Erwerbslosigkeit wieder fit machen für den ersten Arbeitsmarkt. Die Teilnehmer haben zum Beispiel die Wahl zwischen Weiterbildungen im Bereich Außenhandel, Public Relations oder Tourismusmanagement.

Das vom Bundesbildungsministerium und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Programm startete 2006 mit drei Studienergänzungen. Ein Jahr später hatten 88 Teilnehmer den Abschluss in der Tasche. Im Jahr 2007 wurden schon dreimal so viele arbeitslose Akademiker in das Programm aufgenommen; die Zahl der Studienergänzungen war auf 13 angewachsen. In diesem Jahr wurden sie auf 18 erweitert.

Die Theoriephasen des Aqua-Programms finden in Kooperation mit Hochschulen in ganz Deutschland statt. Es werden aber nicht nur fachliche Qualifikationen vermittelt. Auch Sprachkurse, Bewerbungstrainings und Präsentationstechniken stehen dann auf dem Stundenplan. In den mehrmonatigen Praxisphasen lernen die Teilnehmer, ihr Wissen anzuwenden. In Firmen knüpfen sie Kontakte, die ihnen nach Abschluss der Weiterbildung von Nutzen sein können. Während der gesamten Weiterbildung wird das Arbeitslosengeld an die Lerner weitergezahlt.

Tipp: Wer an diesem Programm teilnehmen darf, entscheidet ein Auswahlverfahren. Alle Informationen zur Bewerbung bei der Otto Benecke Stiftung erhalten Sie unter www.obs-ev.de.

Für Landeskinder: Der Scheck

Wer in Nordrhein-Westfalen oder Hessen arbeitet, hat es gut: Dort bekommt man eine berufliche Weiterbildung quasi zum halben Preis. 50 Prozent, maximal aber 500 Euro schießen diese beiden Bundesländer für die Weiterbildung von Arbeitnehmern zu. Von der Förderung ausgeschlossen sind aber so genannte arbeitsplatzbezogene Anpassungsqualifizierungen. Dazu zählen beispielsweise Schulungen zum Bedienen einer Maschine oder zum Verkauf bestimmter Produkte.

Die Instrumente heißen in den Bundesländern ähnlich: Bildungsscheck in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Qualifizierungsscheck in Hessen. Auch die Art der Finanzierung ist gleich. Die Mittel für beide Fördermaßnahmen stellt der Europäische Sozialfonds zur Verfügung.

In den Genuss der Schecks kommt, wer in einem kleinen oder mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern beschäftigt ist. Um den Bildungsscheck (NRW) zu erhalten, muss die letzte betriebliche Weiterbildung des Antragstellers mindestens zwei Jahre zurückliegen. Für den Qualifizierungsscheck (Hessen) muss der Bildungshungrige entweder älter als 45 Jahre sein oder keine ausreichende Qualifizierung für seinen derzeit ausgeübten Job vorweisen können. Dadurch sollen die Schecks insbesondere älteren und geringqualifizierten Arbeitnehmern zugutekommen.

Voraussetzung für den Erhalt eines Bildungs- oder Qualifizierungsschecks ist die persönliche Beratung. In der Beratungsstelle werden Themen und Inhalte der Weiterbildung besprochen und infrage kommende Bildungsanbieter ausgewählt. Den Bildungsscheck in Nordrhein-Westfalen stellt dann die Beratungsstelle selbst aus, den Qualifizierungsscheck die umsetzende Stelle, der Verein Weiterbildung Hessen.

Tipp: Neben diesen beiden etablierten Förderkonzepten gibt es eine Reihe weiterer Maßnahmen, die die Weiterbildung von Arbeitnehmern oder Arbeitsuchenden in den einzelnen Bundesländern unterstützen. Einen aktuellen Überblick über für Sie infrage kommende Finanzierungsmöglichkeiten bietet Ihnen die Förderdatenbank des Bundes unter www.foerderdatenbank.de. Nähere Infos zum Bildungsscheck inklusive aller 200 Beratungsstellen in NRW finden Sie unter www.bildungsscheck.nrw.de, Infos zum Qualifizierungsscheck unter www.qualifizierungsschecks.de.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2898 Nutzer finden das hilfreich.