Ekkehard Heim im Porträt: Zurück auf Los mit Mitte 40

Karriere meistern Special

Erst Karriere, dann Erschöpfung, schließlich Arbeitslosigkeit. In einer Tiefphase seines Berufslebens entschied sich Ekkehard Heim für eine Weiterbildung. Das war die Chance für einen Neuanfang.

Um beruflich ans Ziel zu kommen, braucht es mitunter mehrere Anläufe. Rückschläge müssen verarbeitet, Extrarunden eingelegt und Motivationsreserven für den Zieleinlauf angezapft werden. Ekkehard Heim war 44 Jahre alt, als er im Job noch einmal durchstartete. Sein vorheriges Berufsleben war geprägt von vielen Erfolgen, aber auch von Niederlagen. Dabei waren die Startvoraussetzungen nicht schlecht: Geboren in Berlin und aufgewachsen in Afrika, wo sein Vater in der Entwicklungshilfe arbeitete, ging er später für das Abitur nach Frankreich. Schon während seines anschließenden Wirtschaftsstudiums in Reutlingen war klar: „Ich will international tätig sein.“

Vom Fernweh getrieben verschlug es Ekkehard Heim nach Paris. Wenig später betreute der Betriebswirtschaftler für die deutsche Niederlassung der Firma Harley Davidson den gesamten französischen Markt, vom Markenschutz über den Verkauf bis hin zum Kontakt mit den lokalen Händlern. Ein Traumjob für einen Endzwanziger, allemal für einen Motorrad-Fan wie ihn. Die Firma wurde umstrukturiert, er kündigte und wurde über Umwege Geschäftsführer einer Firma, die er völlig neu aufbaute. Das kostete Zeit und Nerven. „Samstags kam ich ins Büro, um aufzuarbeiten, was ich unter der Woche nicht schaffen konnte, weil ich nur in der Weltgeschichte unterwegs war“, erzählt der 46-Jährige. Der Erfolgsdruck war so hoch, dass sein Körper bald streikte: Unvermittelt brach Ekkehard Heim am Schreibtisch zusammen. Burn-out lautete die Diagnose. Es folgten Erholung und ein Teilzeitjob im Büro seines Vaters. Als der das Unternehmen aus Altersgründen zurückfuhr, stand Ekkehard Heim vor dem Nichts. Zwei Jahre lang schrieb er Bewerbungen. „Ich befürchtete, dass man mir nichts mehr zutraute, schließlich hatte ich die 40 schon überschritten.“ Zwar verdiente seine Frau etwas Geld. Aber seine vierköpfige Familie nicht mehr aus eigener Kraft ernähren zu können, war für Ekkehard Heim „eine schmerzliche Erfahrung“.

Im Jahr 2006 dann der erlösende Anruf der Arbeitsagentur: „Mein Berater schlug mir eine Weiterbildung vor, die wie für mich gemacht war“, so der Wirtschaftswissenschaftler. „Aqua – Akademiker qualifizieren sich für den Arbeitsmarkt“ heißt das Programm der Otto Benecke Stiftung, das arbeitslosen Hochschulabsolventen durch eine Weiterbildung den Weg in einen neuen Job ebnen will. Im Auftrag der Bundesregierung vermittelt die Stiftung Kandidaten in 13-monatige Ergänzungslehrgänge, die idealerweise an das vorherige Studium anknüpfen. Ekkehard Heim belegte Außenhandel. Diesen Schwerpunkt hatte er bereits Jahre zuvor in seinem Studium gewählt, also warum die Kenntnisse nicht noch mal auffrischen? „Ich freute mich vor allem auf die beiden Praktika und darauf, neue Leute kennenzulernen.“ Vielleicht könne man ja mit den Kommilitonen später eine Firma gründen?

„Sprung ins kalte Wasser“

Am ersten Studientag auf dem Campus der Fachhochschule Reutlingen fühlte er sich, als hätte er eine Zeitreise unternommen. „Alles war noch genau wie vor 20 Jahren. Ich aß in derselben Mensa, las in derselben Bibliothek und kannte sogar noch einige Verwaltungsmitarbeiter“, erinnert sich Ekkehard Heim schmunzelnd. Mit dem Lernen kam er gut zurecht: „Als älterer Student hat man den Vorteil, dass man auf seinen Erfahrungen aufbauen kann.“

Sein erstes dreimonatiges Praktikum führte ihn zur Firma Dürr Metalltechnik, einem Unternehmen, das Edelstahlmöbel für Reinräume und Labore herstellt. Die Arbeit in der Fertigungsabteilung machte ihm Spaß, und auch sein Chef fand Gefallen an dem neuen Mitarbeiter mit dem großen Erfahrungsschatz. „Schon während des Praktikums war klar, dass ich nach Abschluss meines Studiums übernommen werden würde.“ Ein Vorstellungsgespräch war damit überflüssig; gleich nach Ende der Weiterbildung stieg Ekkehard Heim als Vertriebsleiter bei Dürr ein. Als der Chef nur wenige Wochen nach Heims Jobstart in Urlaub ging, hinterließ er im Betrieb die Nachricht, sich mit allen Anliegen vertrauensvoll an Herrn Heim zu wenden, der sei ab sofort seine offizielle Vertretung. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich Heim, dem heute vier Leute unterstellt sind. „Innerhalb kürzester Zeit musste ich mir das gesamte Wissen dieser Branche aneignen. Aber zehn Stunden am Tag lernen – das kannte ich schon von der Aqua-Maßnahme.“

Heute, mehr als ein Jahr nach seinem Neustart, ist Ekkehard Heim noch immer mit Freude dabei: „Mein Job hat einen eingebauten Spaß-Faktor“, findet er. „Wir entwickeln uns gerade von einem kleinen zu einem mittelständischen Unternehmen und beginnen, unsere Produkte weltweit zu verkaufen. Das ist doch unglaublich spannend.“ Mit seinen Sprachkenntnissen ist er in der Firma unentbehrlich, schließlich spricht keiner außer ihm so gut Englisch und Französisch.

„Ich weiß nicht, wie mein Leben ohne die Weiterbildung verlaufen wäre“, sagt der Betriebswirt rückblickend. Er ist so sehr vom Programm überzeugt, dass er nun seinerseits Praktikanten aus der Aqua-Maßnahme in die Firma holt. „Wenn unsere jetzige Praktikantin den Lehrgang beendet hat, werden wir sie wohl übernehmen. “

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