Extra: Coaching: Sparring für den Chef

Bei Zweifeln am Beruf oder Problemen im Job kann ein Berater weiterhelfen. Aber nicht jeder, der sich Coach nennt, ist auch gut ausgebildet.

Ist das der richtige Job für mich?“, „Bin ich reif für Führungsaufgaben?“ oder „Was, wenn meine Mitarbeiter rebellieren?“ Auch Manager haben manchmal Zweifel, ob sie für ihre Position geeignet sind und wie sie mit Herausforderungen umgehen sollen. Doch an wen wendet sich die Führungskraft mit Sorgen und Nöten? Oben wird die Luft meist dünn, Vertrauenspersonen sind rar. Unsicherheiten offen zu zeigen oder Fehler einzugestehen, ist für Manager ein Risiko. Für diese Fälle gibt es Coaches. Im Sport bezeichnet dieser englische Begriff den persönlichen Berater eines Athleten, der hilft, den optimalen Trainingsplan zu entwickeln, Schwächen auszugleichen und Stärken auszubauen. Genauso arbeiten Coaches auch in der Wirtschaft.

Hilfe bei sinkender Motivation

Manager und Personalverantwortliche, aber auch leitende Beamte und Selbstständige nehmen Coachings in Anspruch. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum lässt sich die Mehrheit der Manager dann von einem Coach beraten, wenn sie sich in schwierigen Führungssituationen befinden. Stehen neue Aufgaben und Herausforderungen an, ist das Klima in der Abteilung im Keller oder gibt es Probleme mit der eigenen Motivation, tritt der Coach auf den Plan. Er dient dem Manager als neutraler Diskussionspartner, durchdenkt und bespricht mit ihm die Schwierigkeiten.

Ratschläge erteilt der Coach gemäß seines Selbstverständnisses nicht: Er leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Rollenspiele, Rekonstruktionen und verschiedene Fragetechniken sind seine Instrumente. Provozieren und Konfrontieren gehören zum Repertoire eines Coaches. „Beim Sparring mit einem gleichwertigen Gegner testet der Manager, ob er Schläge wegstecken und kontern kann“, sagt Christopher Rauen, Herausgeber des „Handbuch Coaching“. „Im Idealfall ist der Klient am Ende in der Lage, gesündere, klügere und effektivere Entscheidungen zu treffen“, erklärt Rauen.

Die Branche boomt

Marktbeobachter schätzen, dass es allein in Deutschland zwischen 5  000 und 10  000 Coaches gibt – und sie verdienen nicht schlecht: 155 Euro beträgt der durchschnittliche Stundensatz eines Coaches, so eine Umfrage des Büros für Coaching und Organisationsberatung und des Deutschen Bundesverbands Coaching e.V. Für die Beratung von Top-Managern werden auch schon mal Tageshonorare zwischen 2  000 und 10  000 Euro fällig. Das sorgt für Goldgräberstimmung in der Branche. Die Zahl der Ausbildungsangebote ist von 40 im Jahr 1996 auf mehrere Hundert heute angestiegen.

Das Problem dabei: Es gibt keine einheitlichen Gütekriterien für eine Ausbildung. Schon die Zugangsvoraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Während sich einige Anbieter gezielt an studierte Psychologen oder Personalentwickler wenden, fehlen bei anderen formale Bedingungen. Hier reicht schon ein persönliches Vorgespräch aus, um zugelassen zu werden. Die Zertifikate, die die Institute vergeben, sind nicht staatlich anerkannt. So kann sich mit der Berufsbezeichnung „Coach“ letztlich jeder schmücken, völlig unabhängig davon, ob und welche Ausbildung er genossen hat.

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