Warum Weiterbildung wichtig ist

Fach­kräfte­mangel und demogra­fischer Wandel, Globalisierung und tech­nischer Fort­schritt machen Weiterbildung immer wichtiger. Ein Plädoyer für lebens­langes Lernen in zehn Fragen und Antworten.

1. Warum ist berufliche Weiterbildung eigentlich so wichtig?

Die Arbeits­welt hat sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt. Der Job auf Lebens­zeit ist selten geworden. Befristete Arbeits­verhält­nisse nehmen zu und mit ihnen die Lücken in den Lebens­läufen. Auch der tech­nische Fort­schritt und die Globalisierung, das Internet und der demogra­fische Wandel verändern Arbeits­märkte und Anforderungen. Um für die Arbeits­welt von morgen gewappnet zu sein, muss jeder sein Wissen anpassen und erweitern. Und das bedeutet lebens­lang zu lernen.

2. Was zählt alles zu beruflicher Weiterbildung?

Weiterbildung ist die Fortsetzung jeder Art des Lernens nach Abschluss der Bildungs­phase in der Jugend und nach Aufnahme einer Berufs­tätig­keit. Das Nach­holen eines Schul­abschlusses gehört genauso dazu wie eine Umschulung oder Sprach­unter­richt. Unterschieden wird zwischen berufs­bezogener und nicht-berufs­bezogener Weiterbildung. Letzteres können sowohl frei­zeit­orientierte als auch politische Bildungs­angebote sein.

3. Gibt es Qualifikationen, die heute jeder für den Job braucht?

Ja, und zwar fach­über­greifende Qualifikationen. Ganz wichtig sind die sogenannten „Soft Skills“, also persönliche und soziale Kompetenzen wie Eigen­initiative, Team- und Konflikt­fähig­keit. Diese „weichen“ Qualifikationen – im Gegen­satz zum „harten“ Fachwissen, das in Berufs­ausbildung oder im Studium erworben wird – werden von Arbeit­gebern sehr geschätzt.

In vielen Jobs und Branchen sind Fremd­sprachen, vor allem gute Eng­lisch­kennt­nisse, und Wissen um betriebs­wirt­schaftliche Zusammenhänge gefragt. Darüber hinaus muss so gut wie jeder Berufs­tätige heute kompetent mit Computer und Internet umgehen können.

4. Welche Weiterbildungen eröffnen neue Jobchancen?

Dort, wo es (noch) keine geschützten Berufs­bilder gibt, sind Quer­einstiege über eine Weiterbildung meist gut möglich. Das ist zum Beispiel in der Immobilien­wirt­schaft der Fall. Die Aussichten für Makler sind zurzeit gut. Weil das Thema Energiesparen immer wichtiger wird, haben Architekten, Ingenieure und viele Hand­werker die Chance, mit Energieberatung ein neues berufliches Stand­bein aufzubauen. Der steigende Fach­kräfte­mangel beschert auch Älteren gute Aussichten auf eine Ausbildung und einen Job in der Alten­pflege. Neue berufliche Möglich­keiten sind oft eine Folge tech­nischer Neuerungen – wie bei den Berufs­bildern Social-Media-Manager und Onlinetrainer. Auch hier kann man über Kurse einsteigen.

5. Fort­bildungen sind oft teuer. Muss jeder alles selbst zahlen?

Arbeit­geber beteiligen sich oft an den Kosten für Weiterbildung. Außerdem gibt es viele staatliche Fördermöglich­keiten. Bund und Länder haben in den vergangenen Jahren neue Förderprogramme aufgelegt und Bewährtes wie das Meister-Bafög reformiert, damit sich künftig noch mehr Menschen weiterbilden. Oft gibt es finanzielle Zuschüsse. Komplett finanzierte Weiterbildungen sind eher selten. Doch immerhin: Alles, was jemand für seine berufliche Fort­bildung aus eigener Tasche gezahlt hat, kann er beim Finanz­amt geltend machen und von der Steuer absetzen.

6. Weiterbildung kostet viel Zeit. Gibt es da Unterstüt­zung?

Die gibt es, und zwar in Form des sogenannten Bildungs­urlaubs. Das bedeutet: Arbeit­geber müssen ihre Mitarbeiter von der Arbeit unter Fortzahlung des Gehalts frei­stellen, damit diese sich weiterbilden können. In zwölf Bundes­ländern gibt es Bildungs­urlaubs­gesetze. Ausnahmen sind Bayern, Sachsen, Thüringen und bisher auch Baden-Württem­berg. Dort erwägt jedoch zurzeit die neue Landes­regierung, Bildungs­urlaub einzuführen.

7. Was bringt das Lernen für den Job? Lohnt es auch finanziell?

Weiterbildung kann das Risiko mindern, den Job zu verlieren, die Chancen auf einen Karriere­sprung erhöhen und im besten Fall für mehr Gehalt sorgen. Forscher vom Zentrum für Europäische Wirt­schafts­forschung (ZEW) fanden heraus, dass Weiterbildungen, die allgemeine berufliche Fähig­keiten vermitteln, für Arbeitnehmer durch­schnitt­lich bis zu 6 Prozent mehr Einkommen bringen. Denn wer nach so einer Weiterbildung den Job wechselt, bekommt häufig am neuen Arbeits­platz ein höheres Gehalt. Keine signifikanten Auswirkungen auf das Einkommen haben hingegen firmenspezi­fische Trainings, also Weiterbildungen, die Fähig­keiten vermitteln, die nur inner­halb der eigenen Firma eine Rolle spielen.

8. Muss man beim Lernen wie früher die Schul­bank drücken?

Nein. Es gibt heute viele Wege, die flexibles Lernen möglich machen – von Lernapps für Smartphones bis zum Unter­richt in virtuellen Klassenräumen im Internet. Natürlich ist der Präsen­zunter­richt, den jeder aus der Schule kennt, nach wie vor der Klassiker unter den Lernformen. Wer aber unabhängig von Zeit und Ort lernen und auch sein Lerntempo selbst bestimmen möchte, hat heute mit Fern­unter­richt und E-Learning, also elektronisch unterstütztem Lernen, gute Alternativen.

Selbst­verständlich kann sich jeder auch ganz ohne Kurs und Bildungs­institut neues Wissen aneignen – auf informellen Wegen. Zum Beispiel, indem er sich vom Kollegen eine Excel-Funk­tion erklären lässt oder in einem sozialen Netz­werk wie Xing nach Tipps für eine Marketing-Kampagne fragt.

9. Wer kann bei der Suche nach dem richtigen Kurs helfen?

In Daten­banken im Internet lässt sich nach Kursen suchen. Außerdem kommen je nach Ausgangs­beruf und aktuellem Job unterschiedliche Beratungs­stellen in Frage. Auch die Tests der Stiftung Warentest helfen, die Qualität von Angeboten einzuschätzen.

10. Inwieweit sind Arbeit­geber verantwort­lich fürs Lernen?

Die Unternehmen sind in der Verantwortung und kommen ihr auch nach. Denn Weiterbildung findet tatsäch­lich vor allem im Umfeld des Arbeits­platzes statt. 2010 waren 59 Prozent der besuchten Weiterbildungen betriebliche Maßnahmen. Diese fanden während der Arbeits­zeit statt oder wurden vom Arbeit­geber bezahlt. Das zeigt der Bericht des Adult Education Survey.

Doch berufliche Weiterbildung ist nicht nur Chefsache. Auch der einzelne ist verantwort­lich für seine Bildungs­biografie. Um die eigene Beschäftigungs­fähig­keit zu sichern, sollte jeder bereit sein, auch selbst Geld und Zeit in Weiterbildung zu investieren und sein Leben lang Neues zu lernen.

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