Kaffee­kapsel­maschinen Test

Klein, schwarz, lecker. Nespresso Inissia von Krups und die baugleiche De’Longhi brühen den besten Espresso im Test.

Sie brühen Kaffee auf die Schnelle und sind meist pflegeleicht. Die Sieger-Maschinen stammen von De’Longhi, Krups und einem preis­werten Dritten.

Vierzig Prozent Wachs­tum inner­halb eines Jahres – davon träumen die meisten Branchen nur. Beim Kaffee­kapselmarkt hält der Boom an, wie Zahlen des Deutschen Kaffee­verbands belegen. Kein Wunder, die kleinen Dinger machen es leicht: Kapsel einlegen, Knopf drücken, schon fließt der Wachmacher in die Tasse.

Kaffee in Einzel­portionen – komfort­abler Trend oder teurer Müll­produzent? In einem Rundum-Check prüfen wir nicht nur, wer den aroma­tischsten Kaffee in Kapseln bietet (Test Kaffeekapseln, test 11/2015), ob güns­tige Nespresso-Imitate mit dem teureren Original mithalten, wie viel Abfall anfällt (Kompatibilität, Umweltbelastung durch Kaffeekapseln aus Test Kaffee­kapseln 11/2015), sondern auch wie gut die Maschinen funk­tionieren.

Zwölf Maschinen im Test

Kaffee­kapsel­maschinen Test

Mit Strichcode. Der Code auf den Tassimo-Kapseln sagt dem Bosch-Gerät, wie es das jeweilige Getränk zubereiten soll.

Mit Strichcode. Der Code auf den Tassimo-Kapseln sagt dem Bosch-Gerät, wie es das jeweilige Getränk zubereiten soll.

Wer einen solchen Mini-Auto­maten kauft, bestimmt damit, welchen Kaffee er trinkt. In jede Maschine im Test passen nur spezielle Kapseln: in die Cafissimo nur die von Tchibo, in das Bosch-Gerät nur Tassimo, in die AEG nur Lavazza, in Geräte von De’Longhi und Krups entweder Hülsen, die für das Nespresso-System geeignet sind, oder Dolce-Gusto-Kapseln. Maschine und Kapsel bilden eine Einheit, an die sich der Käufer lang­fristig bindet – und die schnell ins Geld gehen kann. Auch die Tester prüfen die Maschinen zusammen mit ihren Kapseln.

Zwölf Geräte treten gegen­einander an. Es geht darum, welches Modell aromatischen Espresso und Kaffee mit optimaler Temperatur zubereitet, wie lange das dauert, wie komfortabel sich die Maschinen bedienen lassen, wie viel Strom sie verbrauchen, ob sie Schad­stoffe enthalten.

Am Ende liegt der Markt­führer doppelt vorn. Die Nespresso-Geräte von De’Longhi und Krups belegen Platz eins und zwei. Dicht auf den Fersen ist ihnen ein Schnäpp­chen: Delica Cremesso, eine Schweizer Marke, die unter anderem bei Netto Marken-Discount angeboten wird. Mit 68 Euro ist sie güns­tiger als die Sieger, auch die dazu­gehörigen Kapseln kosten deutlich weniger als die schi­cken Aluhülsen von Nespresso.

Die Delica ist schnell

Die Delica-Maschine macht auch bei der Schnel­ligkeit das Rennen: In nur rund 25 Sekunden heizt sie auf und brüht die erste Tasse Espresso. Beim Kaffee dauert es 44 Sekunden. Mehr als doppelt so lange müssen Nutzer des Tchibo-Geräts warten. Der Kaffee fließt mit gut andert­halb Minuten äußerst gemächlich in die Tasse. Die Geräte für Dolce-Gusto-Kapseln von Nestlé brühen recht flott, tropfen aber lange nach.

Ansonsten erweisen sich fast alle Maschinen als unkompliziert im täglichen Gebrauch. 180 Getränke zapften die Tester aus jedem Gerät. Das simuliert eine Nutzung von ein bis zwei Monaten. Nur Krups Nespresso Inissia sowie Cremesso One zicken etwas: Die Kapseln lassen sich nicht mühelos einlegen. Bei der Cremesso ist mehr Kraft erforderlich, um den Hebel zu schließen, als bei der Konkurrenz. Bei der Nespresso Inissia landen manchmal die Aluhülsen beim Einwerfen nicht richtig im Schacht. Vereinzelt verklemmen sie.

Liegt die Kapsel richtig, brühen die Auto­maten mit Druck, so gelingt ihnen ein echter Espresso – fast wie beim Italiener. Auch Kaffee bereiten fast alle mit Druck zu. Das Ergebnis ist ein verlängerter Espresso mit feinem Kaffee­schaum, der Crema. Bei einigen Anbietern heißt er Lungo oder Caffè Crema. Tchibo Cafissimo und Bosch Tassimo brühen mit wenig Druck auch eine Art Filter­kaffee.

Der Aldi-Süd-Espresso ist schwach

Kaffee­kapsel­maschinen Test

Mit Drehrad. Bei Dolce Gusto lassen sich sieben Getränkemengen einstellen. Auf der Kapsel steht die Empfehlung.

Mit Drehrad. Bei Dolce Gusto lassen sich sieben Getränkemengen einstellen. Auf der Kapsel steht die Empfehlung.

Für jedes System wählen die Tester häufig verkaufte Espresso- und Kaffee­sorten. Im Kapsel-Check werden die Getränke anonym verkostet: Acht geschulte Prüf­personen lassen sich aus jeder Maschine frisch­gebrühten Kaffee aus neutralen weißen Tassen auf der Zunge zergehen.

Einen Fehl­geschmack, etwa nach feuchter Pappe, stellen sie bei keiner Espresso- oder Kaffee­sorte fest. Unterschiede finden sie dennoch. Der Espresso aus den güns­tigen Expressi-Kapseln von Aldi Süd ist schwach und wäss­rig. Er schneidet sensorisch nur ausreichend ab und ist das Schluss­licht in dieser Prüfung. Auch der kleine Schwarze aus den Dolce-Gusto-Geräten ist mittel­mäßig. Ihm fehlt vor allem eine stabile Crema.

Nespresso macht den Besten

Den besten Espresso im Test brüht die Nespresso Inissia von Krups und das baugleiche Gerät von De’Longhi. Er ist kräftiger als der von der Konkurrenz – ohne zu bitter zu sein oder ein austrock­nendes Mund­gefühl zu hinterlassen. Das ist sehr gut. Beim Kaffee Lungo über­flügeln alle vier Nespresso-Maschinen ihre Mitstreiter und schneiden sehr gut ab. Aber auch der Kaffee der anderen ist über­wiegend gut

Auch die Maschine für die teuersten Kapseln im Test – für 38 Cent pro Stück – brüht einen guten Kaffee: AEG Lavazza. Der Espresso aber schmeckt stark verbrannt und hat etwas wenig Crema. Ein güns­tiges Gerät punktet bei beiden sensorischen Prüfungen: Espresso und Kaffee Crema aus der Delica Cremesso One über­zeugen durch guten, ausgewogenen Geschmack. Die Kaffee­kapseln sind mit 25 Cent deutlich billiger als die von Nespresso und Lavazza.

Der Espresso ist oft nicht heiß genug

Um Kaffee genießen zu können, muss er nicht nur schme­cken, sondern auch die richtige Temperatur haben: weder zu heiß noch zu kalt. Optimal ist, wenn er etwa 70 bis 75 Grad in der Tasse misst. Das klappt bei allen Kaffees, aber nicht immer beim Espresso. Die erste Tasse des kleinen Schwarzen ist bei fast allen nicht heiß genug. Auch im Mittel etwas zu kühl kommt er aus der Bosch, der Cremesso Compact One und den Dolce-Gusto-Geräten.

Tipp: Spülen Sie die Tassen vor der Benut­zung mit heißem Wasser aus, so kühlt der Espresso nicht gleich ab.

Der AEG-Auto­mat müffelt

Die benutzten Kapseln fallen in einen Sammelbehälter. Nur bei Bosch und den Dolce-Gusto-Geräten muss der Nutzer sie einzeln aus dem Halter entfernen. Vorsicht, direkt nach dem Brühen kann man sich an den heißen Kapseln die Finger verbrennen.

Beim AEG-Gerät bemerkten die Tester einen unangenehmen chemischen Geruch – im Neuzustand und nach Gebrauch. Die Analyse ergab einzelne geruchs­intensive, aber unschädliche Substanzen. Auch Bosch Tassimo müffelte zunächst leicht, der Geruch verflog aber im Laufe der Prüfungen.

Die Vielfalt ist einge­schränkt

Die Mini-Auto­maten sind sehr wartungs­arm. Darin liegt ihr großer Vorteil gegen­über Kaffee­voll­automaten. Regel­mäßig Abtropf­schale und Auffang­behälter reinigen, ab und zu entkalken – viel mehr ist nicht erforderlich. Für alle, die sich schnell und einfach eine Tasse Espresso zubereiten wollen, können sie die richtige Wahl sein.

Bei Vieltrinkern geht der Kapsel­konsum jedoch schnell ins Geld. Wer täglich vier Espressi trinkt, zahlt beispiels­weise für die Nespresso-Kapseln des Testsiegers im Laufe von zwei Jahren mehr als 1 000 Euro. Da kann sich ein Voll­automat lohnen. Der güns­tigere der beiden Sieger des letzten Tests (Produktfinder Kaffeevollautomat), der Saeco Moltio HD 8769, kostet aktuell zirka 685 Euro.

Auch Hobby­barista, die Wert auf Vielfalt legen, sollten abwägen: Mit einem Voll­automaten steht ihnen die ganze Welt des Kaffees offen, mit einem Kapsel-System ist sie einge­schränkt. Bei Tassimo kann der Kunde zwischen sieben Kaffee- und Espressosorten wählen, bei Lavazza sind es zehn. Eine größere Auswahl bieten Dolce Gusto und Nespresso. Bei Dolce Gusto sind es 30, für Nespresso gibt es neben 22 bunten Originalkapseln auch Dutzende Nach­bauten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 74 Nutzer finden das hilfreich.