Mit einigen Tricks lässt sich aus einer Lebensversicherung mehr herausholen. Wer seine Beiträge einmal im Jahr statt ­jeden Monat zahlt, spart Kosten. Wer den überflüssigen ­Unfalltodschutz streicht, erhöht die Rendite.

Das war ein Fest für die Lebensversicherungsunternehmen: 11,8 Millionen neue Verträge haben sie 2004 verkauft, fast 37 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die ­Beschneidung des Steuerprivilegs für Lebensversicherungen bescherte der Branche einen Boom. Doch für viele Kunden kommt später der Katzenjammer: Sie sind vom Ertrag der Versicherung enttäuscht.

So dürfte die Zahl der Kunden, die ihre Lebensversicherung kündigen, weiter steigen. Schon bisher wird jeder zweite Vertrag vorzeitig aufgelöst. Dies ist für den ­Versicherten meist mit erheblichen finanziellen Nachteilen verbunden. Denn die Versicherer verlangen Stornoabzüge und behalten den Schlussgewinnanteil ein, der dem Kunden erst bei Ablauf gutgeschrieben wird. Weil zudem alle ­Abschlusskosten von den ersten Beiträgen abgezogen werden, bleibt in den ersten Jahren auf dem Konto des Kunden kaum Kapital zum Sparen. So fällt der Rückkaufswert oft mickrig aus. Eine Kündigung kommt also meist nur als letztes Mittel infrage.

Das heißt aber noch lange nicht, dass der Versicherte untätig bleiben muss. Zwischen dem radikalen Schnitt einer Kündigung und dem sturen Weiterlaufenlassen des Vertrags gibt es Alternativen. Mit einigen Tricks kann der Kunde Kosten sparen und mehr aus seinem Vertrag herausholen.

Beiträge jährlich zahlen

Die Lebensversicherer erwarten für 2005 branchenweit eine Gesamtverzinsung von 4,22 Prozent. Verzinst wird aber nur das, was vom Beitrag des Kunden nach Abzug der Kosten übrig ist. Die hängen zum Beispiel von der Zahlungsweise ab. Wer die Beiträge für seine Kapitallebensversicherung monatlich überweist, muss dafür ­zusätzliche Kosten von meist 5 Prozent des Jahresbeitrags in Kauf nehmen. Bei vierteljährlicher Beitragsüberweisung sind es ­üblicherweise 3 Prozent und bei halbjährlicher Zahlung immerhin noch 2 Prozent. Bei jährlicher Zahlung entstehen diese Kosten nicht. Und der Kunde kann sich über eine höhere Ablaufleistung freuen.

Dies zeigt unser Beispiel in der Tabelle „Einmal im Jahr zahlen“. Der Kunde ist 35 Jahre alt und will pro Jahr 1 200 Euro in eine Kapitallebensversicherung mit einer Laufzeit von 25 Jahren investieren. Zahlt er seinen Beitrag jährlich, bekommt er bei einer Gesamtverzinsung von 4 Prozent 2 260 Euro mehr als bei monatlicher Zahlungsweise. Beträgt die Gesamtverzinsung 5 Prozent, sind es schon 2 656 Euro mehr. Wenn der Kunde jährlich im Voraus zahlt, entgehen ihm zwar mögliche Zinsen, die er mit dem Geld erzielen könnte. Doch der Nachteil der monatlichen Zahlungsweise der ­Beiträge für die Lebensversicherung fällt wesentlich schwerer ins Gewicht.

Wer schon einen Vertrag hat, derzeit ­dafür 100 Euro Beitrag im Monat zahlt und künftig auf jährliche Zahlung umstellt, spart die 5 Prozent vom Jahresbeitrag, die der Versicherer bisher als Ratenzuschlag von ihm verlangt. Statt 100 Euro im Monat zahlt der Kunde für dieselbe ­Versicherungsleistung nur noch 1 142,86 Euro im Jahr. Er spart also jährlich 57,14 Euro Beitrag.

Dass der Versicherte mehr davon hat, wenn er seinen Beitrag jährlich zahlt, erfährt er von seinem Versicherer meist nicht. Auch der Vermittler hat kein Interesse, den Kunden aufzuklären. Denn ­seine Provision hängt von der Höhe der ­gezahlten Beiträge ab. Durch die Ratenzuschläge ergeben sich höhere Beiträge und damit auch eine höhere Provision für den Vermittler.

Unfalltodschutz streichen

Bares Geld verschenkt auch, wer einen Vertrag mit unnötigen Extras hat. So wirkt sich eine Unfalltod-Zusatzversicherung gleich doppelt negativ auf die Rendite aus. Die Beiträge fließen voll in den Risikoschutz, nicht in den Sparanteil. Sie erhöhen also die Ablaufleistung nicht.

Außerdem beteiligen die Versicherer ihre Kunden überhaupt nicht oder nur spärlich an den Überschüssen, die sie mit den ­Beiträgen für die Unfalltod-Zusatzversicherung erwirtschaften. Den Versicherten beschert das Abstriche bei der Ablaufrendite. Sie verringert sich bei Verträgen mit Unfalltod-Zusatzversicherung um durchschnittlich rund 0,2 Prozent.

Dafür zahlt der Kunde Beiträge für einen fragwürdigen Schutz. Stirbt der Versicherte bei einem Unfall, erhalten seine Hinterbliebenen eine verdoppelte Todesfallleistung. Doch ihre Absicherung sollte unabhängig von der Todesursache sein.

Der beste Hinterbliebenenschutz ist sowieso eine Risikolebensversicherung. Den zusätzlichen Unfalltodschutz können Kapitallebensversicherungs-Kunden getrost kündigen, die Beiträge sparen und ihre Rendite aufpolieren. Dass sie durch den unnötigen Zusatz leidet, verschweigen die Versicherer in der Regel.

Intransparente Dynamik

Laut einer Umfrage kann nicht einmal jeder zweite Kunde sagen, wie viel Geld ihm die Versicherung verspricht. 16 Prozent haben nicht einmal eine grobe Ahnung.

Besonders schwer zu durchschauen ist ein dynamischer Vertrag. Bei einer Dynamisierung steigt der Beitrag regelmäßig in vorher vereinbarten Intervallen – meist jährlich. Entsprechend erhöht sich die Versicherungsleistung.

Kunden mit einem dynamischen Vertrag riskieren, dass sie die Übersicht über den Beitragsverlauf verlieren. Welche Rendite eine Kapitallebensversicherung erwarten lässt, ist dann kaum mehr einschätzbar.

Außerdem wird bei jedem Erhöhungsschritt eine Vertragsumstellung nötig. Das verursacht Jahr für Jahr zusätzliche Abschlusskosten. Vor allem in den ersten zwei bis drei Jahren gehen die zusätzlichen Beiträge zum größten Teil hierfür drauf. Denn zunächst muss der Kunde mit seinen ­Beiträgen diese Kosten bezahlen. Das Kundenkonto wird also anfangs belastet, sodass der Kunde zunächst im Minus ist. Erst nach einiger Zeit kommt er durch seine Beiträge ins Plus. „Zillmerung“ heißt dieses Verfahren bei Versicherungsmathematikern.

Unsere Beispielrechnung (Tabelle „Dynamische Beiträge“) zeigt, dass der Kunde oft mehr davon hat, wenn er auf die Dynamik verzichtet und das gesparte Geld anlegt. Bei einer Gesamtverzinsung für seinen Sparanteil von 4 Prozent bekommt der Kunde in unserem Beispiel am Vertragsende 1 177 Euro mehr heraus, wenn er auf die Dynamik von 3 Prozent verzichtet und das Geld in eine alternative Anlage steckt, die ihm eine Rendite von 4 Prozent bringt.

Anlegen ist oft besser

Unsere Rechenbeispiele in der Tabelle „Dynamische Beiträge“ zeigen: 

  • Je höher die vereinbarte Dynamik, desto besser ist eine alternative Anlage der Erhöhungsbeiträge.
  • Je niedriger die Gesamtverzinsung, desto besser ist eine alternative Anlage.

Dabei lohnt sich der Verzicht auf die Dynamik umso mehr, je kürzer die restliche Laufzeit des Vertrags ist.

Allerdings hat ein dynamischer Vertrag einen wichtigen Vorteil: Der Versicherungsschutz wird ohne erneute Gesundheitsprüfung stetig erhöht (siehe Interview). Davon profitieren Versicherte, die nach Abschluss des Vertrags erkrankt sind. Denn zusätzlichen Versicherungsschutz bekommen sie dann oft gar nicht mehr oder nur für einen sehr hohen Beitrag.

Die Millionen Kunden, die 2004 nach der Werbeoffensive der Versicherungsbranche noch schnell eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen haben, sollten einen Fehler vermeiden: Sich während der Laufzeit überhaupt nicht mehr um ihren Vertrag kümmern. Vielmehr sollten sie jetzt prüfen, ob der Vertrag optimal gestaltet ist, damit sie die bestmögliche Leistung herausholen.

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