Noch locken die Lebensversicherer mit steuerfreien ­Erträgen. Damit ist ab 2005 Schluss. Finanztest sagt, für wen es sich lohnt, noch in diesem Jahr einen Vertrag abzuschließen – und für wen nicht.

Ihre Perspektive ist düster. Weil die Kapitallebensversicherung ab 2005 steuerlich nicht mehr so stark gefördert wird wie bisher, glauben einige sogar an ihr Aus. „Die Kapitallebensversicherung stirbt“, prophezeit die Zeitschrift für Versicherungswesen.

Und sie fügt gleich hinzu: „Aber es wird ein prachtvoller Tod.“ Denn die großen Vertriebsfirmen wie MLP und AWD, die mit dem Verkauf der Policen prima Provisionen kassieren, „werden sich ein letztes Mal an der schönen Leiche vollsaugen“.

Auch die Versicherer selbst werden gut verdienen. Sie rechnen mit einem Ansturm bis zum Ende des Jahres. Denn für Lebensversicherungen, die bis dahin abgeschlossen werden, sind die späteren Kapitalleistungen noch steuerfrei.

Die Steuerfreiheit ist an drei Voraussetzungen geknüpft: 1. Der Vertrag läuft mindestens zwölf Jahre. 2. Der Kunde zahlt mindestens fünf Jahre Beiträge ein. 3. Die Hinterbliebenen bekommen mindestens 60 Prozent der gesamten Beitragssumme als Todesfallleistung, wenn der Versicherte stirbt.

Für Verträge, die ab 2005 geschlossen werden, gilt die Steuerfreiheit nicht mehr. Kapitalleistungen sind nach Abzug der bis dahin gezahlten Beiträge voll steuerpflichtig.

Nicht ganz so hart kommt es, wenn die Versicherung mindestens zwölf Jahre läuft und der Versicherte frühestens mit 60 Jahren das Kapital bekommt. Dann ist aber immer noch die Hälfte des Kapitals, das nach Abzug der Beiträge bleibt, steuerpflichtig. Diese Regeln gelten auch für die klassische Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht, wenn sich der Kunde entscheidet, das Kapital auf einen Schlag zu kassieren.

Wie viel der Fiskus einstreicht, hängt vom persönlichen Steuersatz ab. Dieser richtet sich nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens.

Zahlt beispielsweise ein 40-jähriger Verheirateter 25 Jahre jährlich 1 800 Euro Beitrag, kann er mit 65 Jahren bei einer guten Gesellschaft einschließlich der nicht garantierten Überschüsse rund 87 000 Euro bekommen. Nach Abzug der Beiträge bleiben 42 000 Euro. Davon ist die Hälfte steuerpflichtig.

Das Finanzamt verlangt 6 234 Euro Steuern, wenn das zu versteuernde Einkommen des Mannes vorher – ohne das Geld aus der Versicherung – 40 000 Euro beträgt (siehe Tabelle „Kapitalauszahlung...“). Hat er vorher 60 000 Euro zu versteuerndes Einkommen, sind es sogar 7 198 Euro.

Dennoch lohnt es sich für die meisten nicht, noch schnell eine Kapitallebensversicherung abzuschließen, um sich eine steuerfreie Auszahlung zu sichern.

Dies gilt beispielsweise für Elke Saleina. Sie ist ledig und hat keine Kinder. Den Todesfallschutz der Kapitallebensversicherung, der die Sparleistung mindert, benötigt sie also gar nicht.

Sie hat auch nichts von den Steuervorteilen. Ihre Ersparnisse sind so gering, dass die Erträge den Steuerfreibetrag und die Werbungskostenpauschale von zusammen 1 421 Euro für Ledige auch in den kommenden Jahren nicht erreichen. Selbst mit einem Guthaben von 47 000 Euro zu einem Zins von 3 Prozent läge sie noch darunter.

Elke Saleina sollte sich also für flexiblere Sparformen entscheiden. Schließt sie eine Kapitallebensversicherung ab, begibt sie sich in eine Zwangsjacke. Der Kunde kommt meist nur mit Verlusten vorzeitig wieder heraus.

Außerdem schneidet die Kapitallebensversicherung bei der Rendite in den letzten Jahren eher schlecht ab. Zwar werben viele Versicherer mit Renditen von 4 Prozent. Aber das sind unverbindliche Voraussagen. Der garantierte Zins beträgt 2,75 Prozent und wird nur auf den Sparanteil der Versicherung gezahlt. Nicht berücksichtigt wird der Teil des Beitrags, der für Abschluss- und Verwaltungskosten abgezogen wird. Das schmälert die Rendite.

Richtige Risikovorsorge

Michael Brink ist verheiratet und hat zwei Kinder. Für den Fall, dass ihm ­etwas zustößt, möchte er seine Familie finanziell absichern. Mit einer Kapitallebensversicherung wäre dies möglich, es erscheint ihm aber nicht sinnvoll. „Es ist besser, Risikovorsorge und Geldanlage zu trennen“, sagt er. Seine Familie kann er günstiger mit einer Risikolebensversicherung absichern (siehe ­Finanztest 8/04).

Eine Kapitallebensversicherung wäre für Michael Brink dennoch überlegenswert, wenn er von den Steuervorteilen profitieren kann. Als Geschäftsführer verdient er überdurchschnittlich. Eine Police käme dann für ihn infrage, wenn er seinen Steuerfreibetrag plus Werbungskostenpauschale von insgesamt 2 842 Euro für Ehepaare bereits ausgeschöpft hat und weiteres Geld steuerfrei und sicher anlegen möchte.

Steuern sparen mit 5 plus 7

Für Kunden mit sehr hohem Einkommen und Vermögen sind so genannte 5-plus-7-Verträge geeignet. Der Kunde zahlt einmalig eine größere Summe in ein Depot bei einem Versicherer ein. Daraus fließen fünf Jahresbeiträge für eine Kapitallebensversicherung. Die fünf Jahre sind eine Voraussetzung für die steuerliche Begünstigung.

Weitere sieben Jahre bleibt das Geld im Depot. Denn erst nach Ende des zwölften Vertragsjahres dürfen die Erträge steuerfrei ausgezahlt werden. Wer noch 2004 einen Vertrag abschließt, profitiert davon. Allerdings gibt es auch hier ein Risiko: Das Kapital ist zwölf Jahre lang festgelegt. Wer es zwischendurch braucht, riskiert hohe Verluste.

Sinnvoll für Selbstständige

Viele Selbstständige haben eine Lebensversicherung für ihre Altersvorsorge abgeschlossen. Sie profitieren doppelt vom Steuervorteil: Bei vor 2005 abgeschlossenen Verträgen ist die Kapitalauszahlung steuerfrei. Zusätzlich können Selbstständige zumindest einen Teil der Beiträge steuerlich geltend machen.

Für so genannte Vorsorgeaufwendungen wie Beiträge zur Kranken- und Lebensversicherung sind dies maximal 5 069 Euro im Jahr bei Alleinstehenden und 10 138 Euro bei Ehepaaren. Auch die Beiträge für Branchenversorgungswerke zählen mit. Freiberufler wie Apotheker, die Beiträge in ein Versorgungswerk einzahlen, können deshalb diesen Vorteil der privaten Lebensversicherung nicht voll oder überhaupt nicht nutzen.

Der freiberufliche Architekt Michael Brosius stützt seine Altersvorsorge auf das Versorgungswerk der Architektenkammer. Die Beiträge für eine Kapitallebensversicherung kann er nur steuerlich absetzen, wenn er den Maximalbetrag für seine Vorsorgeaufwendungen noch nicht ausgeschöpft hat.

Selbstständige und alle anderen Vorsorgesparer sollten sich vom Werbegetöse der Versicherer nicht verunsichern lassen und Alternativen zur Lebensversicherung prüfen.

Zudem gibt es auch 2005 attraktive Vorsorgemöglichkeiten. Die klassische private Rentenversicherung wird ab kommendem Jahr sogar besser gestellt als vorher. Von Renten werden nicht mehr 27 Prozent, sondern nur noch 18 Prozent besteuert, wenn die Auszahlung mit 65 Jahren beginnt.

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