Interview: Wettbewerb um Altersvorsorge

Kapitallebens-Versicherung Meldung

Professor Hans-Peter Schwintowski

Der Berliner Versicherungsrechtler Professor Hans-Peter Schwintowski fordert, dass sich der Staat künftig „stärker auf die Förderung der Altersvorsorge kon­zentriert“. Verträge, die der Vermögensbildung dienen, „wie dies bei der Kapitallebensversicherung der Fall ist“, sollten ganz aus der Förderung herausfallen. Schwintowski rechnet damit, dass die Konkurrenz der Versicherer um Vorsorgesparer größer wird. Die Kunden können davon nur profitieren.

Finanztest: Müssten nicht alle Sparformen, die der Vermögensbildung und nicht der reinen Altersvorsorge dienen, steuerlich gleich behandelt werden?

Prof. Schwintowski: Das wäre richtig und konsequent.

Finanztest: Die Kapitallebensversicherung wird bald nicht mehr so stark wie bisher vom Staat gefördert. Werden Lebensversicherer vom Markt verschwinden?

Prof. Schwintowski: Das muss nicht so sein. Es gibt Risiken und Chancen für die Versicherer. Schwache Unternehmen laufen Gefahr, von Konkurrenten übernommen zu werden. Doch zu Konkursen wird es wohl nicht kommen. Denn die Branche hat kein Interesse daran, weil sie dann über ihre Auffanggesellschaft Protektor oder demnächst über einen „Feuerwehrfonds“, in den alle Unternehmen einzahlen, für die Ansprüche der Kunden aufkommen müsste.

Finanztest: Das sind die Risiken. Welche Chancen gibt es für die Unternehmen?

Prof. Schwintowski: Es gibt ein starkes Bewusstsein in der Bevölkerung für private Altersvorsorge und eine große staatliche Unterstützung dafür. Es fließt also viel Geld in den Vorsorgemarkt. Und in einem Markt, in den ständig neues Geld fließt, haben auch kleinere Unternehmen eine Chance. Auch werden die Unternehmen neue flexiblere Produkte anbieten, beispielsweise in der betrieblichen Altersvorsorge.

Finanztest: Kunden verlieren oft viel Geld, wenn sie ihre Kapitallebensversicherung kündigen. Denn mit den Beiträgen werden zunächst die Abschlussprovisionen bezahlt. Es ist also am Anfang gar kein Geld auf dem Kundenkonto. Bleibt dieser Nachteil auch künftig?

Prof. Schwintowski: Der Wettbewerb zwischen den Lebensversicherern wird stärker werden. Sie werden versuchen, Kunden von der Konkurrenz abzuwerben. Doch die derzeitige Gestaltung der Provision schränkt den Wettbewerb ein, weil sie faktisch verhindert, dass der Kunde wechselt. Durch stärkeren Wettbewerb wird der Druck stärker, die Provision anders zu regeln als bisher.

Finanztest: Wird dafür auch das geplante neue Versicherungsrecht sorgen, das voraussichtlich ab dem Jahr 2006 kommen soll?

Prof. Schwintowski: Ja. Die Versicherer müssen dann einen Rückkaufswert von mindestens rund 50 Prozent der gezahlten Beiträge bieten. Das führt dazu, dass sie den Kunden, die ihren Vertrag früh kündigen und ihren Anbieter wechseln wollen, die einbehaltenen Provisionen wenigstens zum Teil zurückgeben müssen. Es wäre also intelligenter, gleich eine andere Provisionsregelung zu finden.

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