Kapitallebens-Versicherung: Schlanke Verträge

Aus steuerlichen Gründen kann der Abschluss einer Kapitallebensversicherung sinnvoll sein. Doch der Vertrag muss dem Zweck angepasst werden.

Wenn Kapitallebensversicherung, dann bitte eine schmale Variante – diese Faustregel sollten sich Interessenten zu Eigen machen. Denn jeder Zusatz zu einem Vertrag, beispielsweise eine bei Unfalltod verdoppelte Todesfallleistung, kostet Rendite.

Für den Sparvorgang, auf den es den meisten Kunden ankommt, bleibt dann vom Beitrag weniger übrig. Das wirkt sich durch den Zinseszinseffekt doppelt negativ auf die Höhe der späteren Auszahlung aus.

Auch die Todesfallleistung sollte auf das aus steuerlichen Gründen notwendige Mindestmaß von 60 Prozent der garantierten Leistung beschränkt werden, wenn man ausschließlich auf die Ablaufleistung Wert legt.

Jeder Antrag für eine Kapitallebensversicherung enthält Gesundheitsfragen. Die Versicherungsgesellschaft benötigt die Antworten, um einschätzen zu können, wie hoch das Risiko ist, dass der Kunde vor Vertragsende stirbt und sie die Todesfallleistung auszahlen muss.

Alle Antragsfragen müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Sonst riskiert der Kunde, dass das Versicherungsunternehmen später vom Vertrag zurücktritt. Geschieht das genau dann, wenn der Kunde gestorben ist und seine Hinterbliebenen auf die Auszahlung durch die Versicherung hoffen, wäre das folgenschwer. Dann bekommen sie oft gar nichts.

Je älter ein Versicherter bei Vertragsbeginn ist, desto teurer ist die Absicherung seines Todesfallrisikos. Jenseits der 45 ist der Abschluss einer Kapitallebensversicherung als Sparprodukt deshalb meist nicht mehr zu empfehlen.

Berufsunfähigkeitsschutz

In Kombination mit einer Kapitallebensversicherung wird häufig eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung angeboten. Entweder zahlt die Versicherungsgesellschaft dann bei Berufsunfähigkeit eine vertraglich vereinbarte Rente und die Kapitallebensversicherung wird aus Unternehmensmitteln weiter bedient. Oder nur die Kapitallebensversicherung läuft weiter, ohne dass der Kunde noch Beiträge zahlen muss.

Beide Varianten wirken nahe liegend. Schließlich bringt Berufsunfähigkeit meist erhebliche finanzielle Nachteile mit sich. Doch dieser zusätzliche Schutz drückt sehr auf die Ablaufleistung der Kapitallebensversicherung. Besser ist es, Berufsunfähigkeitsschutz und Altersvorsorge grundsätzlich zu trennen. Allerdings sollte bei der Absicherung von Berufsunfähigkeit die vereinbarte Rente so hoch angesetzt werden, dass auch noch Altersvorsorgebeiträge damit finanziert werden können.

Besser ohne Dynamik

Abzuraten ist auch von der Vereinbarung einer Vertragsdynamisierung. Dann steigt in fest vereinbarten Intervallen – meistens jährlich – der Versicherungsbeitrag. Entsprechend erhöht sich die Versicherungsleistung.

Kunden sollten sich nicht auf einen dynamischen Vertrag einlassen, weil sie damit die Übersicht über den Beitragsverlauf riskieren. Welche Rendite eine Kapitallebensversicherung erwarten lässt, ist dann kaum mehr einschätzbar. Außerdem verursacht die aufgrund einer Dynamik regelmäßig notwendige Vertragsumstellung zusätzliche Abschlusskosten. Auch der Risikoanteil ­erhöht sich dabei.

Ein Herausnehmen der Dynamik aus einem Vertrag ist jederzeit möglich, doch nur in Ausnahmefällen kann der Kunde die Dynamisierung unterbrechen, um sie später ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder aufzunehmen. Das liegt daran, dass auch eine Versicherungsgesellschaft ein Risiko eingeht, wenn sie die Leistung einschließlich der Todesfallleistung erhöht. Schließlich ist der Versicherte älter und vielleicht auch kränker geworden.

Ebenfalls nicht zu empfehlen ist die zusätzliche Vereinbarung einer Nachversicherungsgarantie – ein weiterer Kostenfaktor. Bei Anlässen wie Heirat oder Geburt eines Kindes gestattet der Versicherer es Kunden dann, die Versicherungsleistung zu erhöhen. Ist die Nachversicherungsgarantie von vornherein Vertragsbestandteil, schadet sie nicht.

Überschussbeteiligung

Lebensversicherer machen mehr aus dem Geld ihrer Kunden als sie für die garantierten Leistungen und ihre Kosten brauchen. So entstehen Überschüsse. Wann und wie Kunden einer Kapitallebensversicherung an diesen Überschüssen beteiligt werden, können Antragsteller manchmal wählen. Die übliche Form der Überschussbeteiligung ist die „verzinsliche Ansammlung“. Die einem Vertrag zugeteilten Überschussanteile werden hier auf einem separaten Konto angesammelt. Die garantierte Todesfallleistung erhöht sich in diesem System nicht.

Alternativ bietet eine Reihe von Lebensversicherern das so genannte Bonussystem an. Dabei wird die Versicherungsleistung als solche mithilfe der Überschüsse aufgestockt und damit auch die Todesfallleistung. Das erhöht aber den Risikoanteil und damit die anteiligen Kosten. Die verzinsliche Ansammlung ist deshalb dem Bonussystem vorzuziehen, wenn das Ziel beim Abschluss einer Kapitallebensversicherung eine möglichst hohe Ablaufleistung ist.

Oft integrieren Lebensversicherer einen Schlussüberschuss. Hier werden Gewinne bis zum Vertragsende zurückgehalten, aber verzinst. Bei Berechnung eines Rückkaufswerts wegen Kündigung und bei der Todesfallleistung bleiben sie jedoch meist außen vor.

Flexibilität steigern

Das Grundproblem einer Kapitallebensversicherung ist die langfristige Bindung eines Kunden. Ein wenig Linderung verschafft eine so genannte Abrufoption. Dann kann ein Kunde das Vertragsende etwas vorziehen, meist für bis zu fünf Jahre, wobei er darauf achten sollte, dass die Vertragsdauer dadurch nicht die aus steuerlichen Gründen notwendigen zwölf Jahre unterschreitet. Nutzt er diese Möglichkeit, kündigt er quasi mit besserem Rückkaufswert, denn auch ein möglicher Schlussgewinn wird anteilig an ihn ausgezahlt. Außerdem verzichtet das Versicherungsunternehmen auf einen Stornoabzug.

Das Pendant zur Abrufoption ist die „Aufschuboption“. Der Kunde erwirbt damit das Recht, das Vertragsende während der Laufzeit nach hinten zu verschieben, meistens um maximal fünf Jahre. Mit einer Kombination von Abruf- und Aufschuboption können Versicherte in begrenztem Rahmen in einer Kapitallebensversicherung auf Änderungen ihrer Lebenssituation reagieren, wenn sie beispielsweise ein paar Jahre früher in Rente gehen oder auch später. Allerdings werden diese Optionen nur von wenigen Unternehmen angeboten. Es lohnt sich, danach zu fragen.

Direktversicherung

Die Steuervorteile einer Kapitallebensversicherung können Arbeitnehmer verstärken, wenn sie den Vertrag über ihren Arbeitgeber abschließen. Bei dieser Direktversicherung wird der Arbeitgeber Vertragsnehmer, versichert ist der Arbeitnehmer. Er bekommt die Auszahlung, im Todesfall erhalten seine Hinterbliebenen Geld.

Die Beiträge, die der Arbeitnehmer per Gehaltsumwandlung zahlt, werden direkt aus seinem Bruttoeinkommen an den Versicherer abgeführt. Bis 1 752 Euro jährlich können so pauschal mit 21,1 Prozent inklusive Solidarzuschlag versteuert werden. Damit verringern besonders Beschäftigte mit hohem individuellem Steuersatz ihre Abgabenlast.

Werden die Beiträge für die Versicherung nur einmal jährlich aus einer Sonderzahlung wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld überwiesen, sind darauf bis einschließlich 2008 auch keine Sozialversicherungsbeiträge fällig. Der Vertrag für eine Direktversicherung muss mindestens bis zum 60. Geburtstag des Arbeitnehmers laufen.

Sofern der Arbeitgeber keinen Anbieter vorschreibt oder mit einem Versicherer günstige Gruppenkonditionen für seine Angestellten vereinbart hat, sollten Arbeitnehmer Einfluss auf die Wahl des Unternehmens nehmen. Ein schlechter Tarif für eine Kapitallebensversicherung kann die renditesteigernden Aspekte einer Direktversicherung leicht wieder zunichte machen.

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