Kapitalanlagebetrug Finger weg von "Anlegerschutzgemeinschaften"

0

Vom Regen in die Traufe zu kommen, ist für Sparer ganz einfach. Da überreden gewiefte Vermittler ihre Opfer zu angeblich optimalen Geldanlagen: Immobilien, Börsenoptionen, atypisch stille Beteiligungen. Doch meist hagelt es statt der Traumrendite Verluste. Und dann meldet sich eine "Anlegerschutzgemeinschaft", die verspricht, das Geld zurückzuholen.

Wer darauf eingeht, macht den Bock zum Gärtner. Häufig sind es die Betrüger selbst oder ihre Vertriebsmitarbeiter, die diese Gemeinschaften gründen. Woher sonst sollten die "Schutzpatrone" auch die Adressen der Geschädigten haben? Auf diese Weise verpflichten sie die Anleger zum Stillhalten und gewinnen so wertvolle Zeit, die Beute und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Außerdem kassiert die Schutzgemeinschaft Mitgliedsbeitrag ­ angeblich für Gutachten, Dokumentationen, Versammlungen, Mitarbeiter, Anwälte, Steuerberater. Doch eine Mittelkontrolle findet in der Regel gar nicht statt, oft landet das Geld auf Konten in der Karibik ­ die Betrogenen werden ein zweites Mal abgezockt.

Der angebliche Vorteil, gemeinsam mit hunderten anderer Geschädigter eine kostengünstige Musterklage zu führen, entpuppt sich schnell als teurer Nachteil. Denn bei Kapitalanlagebetrug kommt es darauf an, schnell zu sein, solange noch Geld zu holen ist. Wer zuerst klagt, bekommt vielleicht noch etwas, den letzten beißen die Hunde. "Finger weg von solchen Gemeinschaften", rät daher Peter Lischke, Jurist in der Verbraucherzentrale Berlin: "Betrugsopfer sollten sich an einen versierten Rechtsanwalt wenden oder an die Verbraucherzentrale."

0

Mehr zum Thema

  • Prozess um Anla­gebetrug „Deals sind im Strafrecht üblich“

    - Um einen Prozess abzu­kürzen, verständigen sich Gericht, Verteidigung und Anklage bei Wirt­schafts­straf­verfahren oft vorab über das Strafmaß für die Angeklagten....

  • Anlage­skandal Frühes Prozessende?

    - Um den Prozess gegen drei Kinder des Anla­gehais Rainer von Holst abzu­kürzen, versuchen Anwälte und Staats­anwalt­schaft sich zu verständigen. Das ­berichtet die Zeitung...

  • Geno eG Hohe Haft­strafe für Ex-Vorstand

    - Jens Meier, Ex-Vorstand der Geno Wohn­baugenossenschaft aus Ludwigs­burg, ist zu sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Land­gericht Stutt­gart legte...

0 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.