Kaum eine Sparte beherrscht die Verschleierungstaktik so gut wie Lebens­versicherer. ­Unklaren Informationen bei Vertragsschluss folgen bruchstückartige jährliche Standmitteilungen. 700 Leser haben uns ihre Unterlagen zugeschickt. Die meisten ahnen höchstens, wofür ihr Geld ­verwendet wird und was sie zu erwarten haben.

Eine Kapitallebensversicherung läuft oft über viele Jahre. 25, 30 Jahre Laufzeit sind keine Seltenheit. Der Kunde zahlt jahrein, jahraus seine Beiträge ein und hofft am Ende auf eine ­attraktive Auszahlung.

Zurzeit sind viele Versicherungskunden enttäuscht über das wenige Geld, das ihnen ausgezahlt wird, wenn ihr Vertrag in diesen Monaten ausläuft. Die anfangs in Aussicht gestellte Summe wird oft bei weitem nicht erreicht.

Dass das passieren könnte, ahnten viele nicht. Die meisten bekommen zwar Jahr für Jahr eine Mitteilung über den Stand ihrer Versicherung. Doch die informiert sie schlecht. Das hat die Versicherten der Möglichkeit beraubt, eine absehbare Lücke in der Altersvorsorge durch zusätzliches Sparen auf anderen Wegen auszugleichen.

Die Kapitalanlageergebnisse der Bran­che sind in den vergangenen drei Jahren in den Keller gerutscht. Im laufenden Geschäft schaffen es manche Versicherer kaum noch, ihren Kunden mehr als den vertraglich zugesicherten Garantiezins zu zahlen. Das sind 3,25 bis 4 Prozent, je nach Beginn des Vertrags. Für Neuverträge ab 2004 wurde dieser Zins auf 2,75 Prozent abgesenkt.

Den Garantiezins bekommen die Kunden nur für einen Teil ihres Beitrags, den Sparanteil (siehe Glossar). Gerechnet auf ihre gesamte Einzahlung bleiben ihnen bei manchen Unternehmen nur 2,5 bis 3 Prozent Rendite. Ein Trauerspiel, das die Versicherer gern verschleiern.

Wenig Information

Wir haben unsere Leser gefragt, wie gut sie über den Stand ihrer laufenden Kapitallebensversicherung informiert werden. Das Ergebnis aus über 700 Zuschriften wirft kein gutes Licht auf die Branche: Die Versicherer machen meistens unklare Angaben zur Ablaufleistung und zur Auszahlung bei Kündigung. Sie verschleiern Abschluss- und Verwaltungskosten. Die finanziellen Nachteile einer Kündigung und die Folgen einer Beitragsfreistellung werden selten oder gar nicht deutlich.

Wir haben rund 1 600 Standmit­teilungen von 61 Versicherern überprüft (siehe Tabelle). Diese Mitteilungen müssen die Unternehmen ihren Kunden von Kapitallebensversicherungen für Neuverträge ab 1995 in jährlichem Abstand zuschicken. Vorher wurde dies nur empfohlen.

Keines der betrachteten Unternehmen lieferte alle 17 Informationen, die nach Ansicht von Finanztest in einer Standmitteilung auf jeden Fall enthalten sein sollten. Die maximale Punktzahl 17 konnten wir deshalb keinem Unternehmen für seine laufende Kundeninformation geben.

Karstadt Quelle am besten

Am besten schnitt mit 12 Punkten der Direktversicherer KarstadtQuelle ab. Die Gesellschaft liegt vor der Aachener & Münchener, der Condor und vor der R + V, die sich mit jeweils 9 Punkten auf Rang zwei einfanden.

Den Vorsprung verdankt der KarstadtQuelle-Versicherer vor allem seinen in der Branche ungewöhnlich offenen Angaben über die Verwendung des Beitrags. Nur dieses Unternehmen gibt an, wie viel es vom Beitrag allein für den Abschluss des Vertrags kassiert. Außerdem informiert es nachvollziehbar, was der im Vertrag enthaltene Todesfallschutz kostet und was für die Verwaltung insgesamt abgezweigt wird. Den Sparbeitrag nennt es leider nicht explizit.

Klar ins Bild gesetzt wird der Quelle-Kunde über die – geringe – Auszahlung, wenn er kündigt. Er erfährt, wie viel seine Angehörigen bekommen, wenn er stirbt. Angegeben ist auch die mögliche Auszahlung, wenn der Vertrag zum vereinbarten Termin abläuft. Auch die Versicherungsunternehmen auf Rang zwei machen in diesen drei Punkten tadel­lose Angaben.

Was den vier besten Versicherungsgesellschaften ebenso fehlt wie fast allen anderen, sind Angaben zur Zusammensetzung der Überschüsse. Damit könnte der Kunde die Kostenkalkulation seines Unternehmens besser durchschauen. Nur die Huk-Coburg konnte hier punkten, die ansonsten durch sehr dürftige Standmitteilungen auffiel.

Todesfallleistung sieht gut aus

Die voraussichtliche Auszahlung im Todesfall geben die meisten Versicherungsunternehmen ihren Kunden klar und deutlich an. Kein Wunder, denn diese Summe ist meistens recht hoch. In der Untersuchung machten 85 Prozent der Versicherungsunternehmen, also 52 von 61, dazu eindeutige Angaben in ihren Standmitteilungen.

Weniger erfreulich sind Zahlen, die dokumentieren, wie viel Geld ein Kunde erwarten kann, wenn er seine Versicherung kündigt. Sie sind so niedrig, dass der Abschluss eines Versicherungsvertrags schon deshalb sehr gut überlegt werden sollte. Denn wer nicht die ganze Vertragslaufzeit durchhält, macht auf jeden Fall ein schlechtes Geschäft.

Wegen der mickrigen Auszahlung bei Kündigung sind die Lebensversicherer mit genauen Angaben sehr zurückhaltend. Nur 27 Gesellschaften oder 44 Prozent nannten klar den so genannten Rückkaufswert (siehe Glossar). Die übrigen ließen diesen Wert entweder unter den Tisch fallen oder bezeichneten ihn nicht eindeutig als Rückkaufswert.

Die vier Unternehmen Basler, Continentale, DEVK und Thuringia Gene­rali versorgen ihre Kunden in keinem Bereich auch nur mit einer einzigen brauchbaren Information in ihren jährlichen Standmitteilungen. Sie bekamen deshalb überhaupt keinen Punkt.

Beitragsfreistellung fehlt immer

Wer seine laufenden Beiträge für eine Lebensversicherung nicht mehr aufbringen kann, zieht statt einer verlustreichen Kündigung häufig in Betracht, seinen Vertrag beitragsfrei (siehe Glossar) zu stellen. Was viele nicht wissen: Auch hier kassieren manche Versicherungsunternehmen ordentlich ab, indem sie vom vorhandenen Gut­haben Stornoabschläge abziehen.

Eindeutige Angaben zu den finanziellen Folgen einer Beitragsfreistellung machte keines der betrachteten Versicherungsunternehmen. Weil eine verständliche Darstellung nicht ganz einfach wäre, haben wir ein Nachsehen gehabt und das Fehlen dieser Informationen in der Bewertung nicht berücksichtigt. Es wäre aber wünschenswert, wenn die Unternehmen ihre Informationspolitik auch in diesem Punkt verbessern würden.

Ebenfalls außen vor blieben in unserer Untersuchung Informationen über den Einfluss eines Schlussüberschusses (siehe Glossar). Eine systematische Erfassung der Schlussüberschüsse war nicht möglich. Manche Versicherungsunternehmen führen den Schlussüberschuss gesondert vom Wert aus der laufenden Überschussbeteiligung auf, andere nicht.

Aus den Zuschriften war nicht immer erkennbar, wie dies gehandhabt wurde. Enthielt eine Standmitteilung keine Information zu einem Schlussüberschuss, konnte dies bedeuten, dass es bei diesem Versicherer keinen Schlussüberschuss gibt, aber genauso gut, dass die Angaben über ihn fehlten.

Irreführung beginnt früh

Das insgesamt niederschmetternde Ergebnis der Untersuchung bringt ein Problem des „Versicherungssparens“ auf den Punkt: Der Kunde muss in seinem Vertrag bleiben, weil er sonst große Verluste macht, und der Versicherer weiß dies. Lebensversicherer haben es deshalb nicht wirklich nötig, ihre Kunden über ihre laufenden Verträge umfassend aufzuklären.

Wir haben nicht untersucht, mit welchen Zahlen unseren Lesern, die uns die Unterlagen ihrer laufenden Kapitallebensversicherungen zugeschickt haben, die Unterschrift unter ihren Versicherungsvertrag einmal schmackhaft gemacht wurde. Aus den Zuschriften ließ sich aber erahnen, dass hier oft schöngemalt wurde.

Der Abschluss einer Kapitallebensversicherung sollte sehr gut überlegt werden. Das gilt auch in diesem Jahr, in dem vielleicht zum letzten Mal noch Verträge mit Steuervorteil abgeschlossen werden können. Jeder Kunde sollte von seinem Unternehmen oder dem Vermittler offene Angaben über die Verwendung des Beitrags verlangen. Denn nur das, was davon nach Kosten übrig bleibt, kann ihm Erträge bringen,

Hochrechnungen zur möglichen Ablaufleistung müssen auf Basis realistischer Überschusssätze erfolgen. Ob dies so ist, sollte der Kunde bei seinem Vermittler unbedingt nachfragen.

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