Viele Teilnehmer unserer Leseraktion erschraken, als wir ihnen die Verzinsung ihrer Versicherungsbeiträge ausgerechnet haben. Jetzt kann jeder selbst seinen Vertrag überprüfen.

„Zufrieden bin ich damit nicht“, sagt Rainer G.* aus Fulda. 3,96 Prozent Rendite erzielt er auf die Beiträge für seine Kapitallebensversicherung. Vorausgesetzt, er bekommt am Ende die Summe ausgezahlt, die der Versicherer prognostiziert. Eine Garantie dafür hat er nicht.

Viel drastischer als die Reaktion G.s ist die von Hanna Krahnert aus dem niedersächsischen Wittingen. „Ach du lieber Gott“, entfährt es ihr, als sie das Ergebnis der Renditeberechnung für ihre Kapitallebensversicherung erfährt. 2,48 Prozent jährliche Verzinsung erzielt sie auf ihre Beiträge, wenn man das vom Versicherer prognostizierte Guthaben am Ende der Vertragslaufzeit zugrunde legt.

Eine Garantie, dass es am Ende 2,48 Prozent werden, hat Hanna Krahnert ebenfalls nicht. Das ist nur die Prognose der Versicherungsgesellschaft. Die garantierte Ablaufleistung, also das bei Vertragsabschluss garantierte Guthaben am Ende der Laufzeit plus die bisher gut geschriebenen Überschüsse, kennt die Kundin nicht.

Verträge im Renditecheck

Rainer G. und Hanna Krahnert sind zwei von 249 Finanztest-Lesern, die uns die Daten ihrer Kapitallebensversicherung geschickt haben. Wir haben die Beitragsrendite für die Restlaufzeit bis zum Ende ihres Vertrags berechnet. Sie ist wesentlich für die Antwort auf die Frage vieler Kunden: Lohnt es sich, den Vertrag durchzuhalten oder ist es besser, die Versicherung beitragsfrei zu stellen oder sie gar zu kündigen?

Viele Leser konnten die Zahlen kaum glauben, als wir ihnen die Verzinsung ihrer Beiträge vorgerechnet haben. Schon die vom Versicherer prognostizierte Verzinsung war oft nicht rosig. Die garantierte Rendite ist dann noch viel niedriger.

Weniger als der Garantiezins

Bass erstaunt waren viele Leser, weil die Verzinsung ihrer Beiträge niedriger ist als der Garantiezins. Bis Mitte 2000 betrug der vom Bundesfinanzministerium festgelegte Garantiezins noch 4 Prozent, sank dann für Neuverträge auf 3,25 Prozent. Und bei Verträgen, die 2004 oder später geschlossen wurden, liegt er nur noch bei 2,75 Prozent.

Die Verzinsung der eingezahlten Beiträge eines Vertrags kann durchaus erheblich niedriger sein. Denn der Garantiezins wird nur auf einen Teil des Beitrags gezahlt, den Sparanteil. Den anderen Teil zieht der Versicherer für Abschlusskosten, Verwaltungskosten, Hinterbliebenenschutz und für andere womöglich in den Vertrag integrierte Zusatzleistungen ab.

Bei neun Lesern lag die garantierte ­Verzinsung ihrer Beiträge sogar unter 1 Prozent. So etwa bei Josef Fischer. Ganze 0,26 Prozent Rendite, mehr ist nicht ­garantiert. Wenn der Versicherer schlecht wirtschaftet und Fischer am Ende der Vertragslaufzeit mit der garantierten Ablaufleistung vorlieb nehmen muss, ist fast die gesamte Verzinsung für Verwaltungskosten, Hinterbliebenenschutz und den in ­seinem Vertrag eingeschlossene Berufsunfähigkeitsschutz draufgegangen.

Verträge optimieren

Wie viel solche Zusatzleistungen kosten, erfährt der Kunde oft nicht, weil der Versicherer den Beitrag nicht aufschlüsselt. ­Berufsunfähigkeitsschutz oder etwa eine Unfalltod-Zusatzversicherung schmälern die Rendite aber enorm.

Den Unfalltodschutz können Kapitallebensversicherungskunden getrost kündigen, die Beiträge dafür sparen und ihre Rendite aufpolieren. Sie brauchen keinen besonderen Schutz für den Fall, dass sie bei einem Unfall und nicht auf andere Art sterben (siehe Finanztest 8/05 „Unfalltod streichen“ in Kapitallebensversicherung: Fein einstellen).

Anders sieht es bei der Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung aus. Wer sie in die Kapitallebensversicherung integriert hat, sollte nicht kündigen, wenn das sein einziger Schutz bei Berufsunfähigkeit ist. Es sei denn, er kann separat einen Berufsunfähigkeitsschutz abschließen. Das ist in jedem Fall die bessere Lösung.

Bekommt der Kunde wegen Vorerkrankungen jedoch keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr, sollte er seine Kapitallebensversicherung weiterführen. Denn wenn er sie kündigt, verliert er auch seinen Schutz bei Berufsunfähigkeit.

Einige Versicherer, beispielsweise die Hansemerkur und die neue BBV, ermög­lichen es, die Kapitallebensversicherung mit Berufsunfähigkeitsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine Risikolebensversicherung mit Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung umzuwandeln. Sie ist ein reiner Risikoschutz, kein Sparprodukt und wesentlich preisgünstiger als eine Kapitallebensversicherung.

Die Kapitallebensversicherung mit Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung einfach beitragsfrei zu stellen, ist dagegen ­keine gute Lösung. Der Kunde muss bei Berufsunfähigkeit mit drastisch reduzierten Leistungen rechnen oder er verliert ­dadurch den Schutz sogar vollständig.

Kündigen oder beitragsfrei stellen

Will der Kunde seine Kapitallebensversicherung nicht weiterführen, hat er drei Möglichkeiten. Er kann sie kündigen, beitragsfrei stellen oder auch versuchen, sie einem Policen-Händler zu verkaufen (siehe „Lebensversicherung verkaufen statt kündigen“).

Wer kündigt, bekommt den Rückkaufswert seiner Versicherung ausgezahlt und kann die Summe anders anlegen. Außerdem bezahlt er keine Beiträge mehr und kann das Geld ebenfalls in eine andere ­Anlage stecken.

Bei der Beitragsfreistellung kann der Kunde die Beiträge anders anlegen und so womöglich mehr herausholen, als wenn er seine Versicherung weiterführen würde. Die Entscheidung, einen Vertrag zu kündigen oder beitragsfrei zu stellen, kann aber auch viel Geld kosten: Bei einer Kündigung des Vertrags verlangen die Versicherer Stornoabzüge und zahlen meist keine Schlussgewinnanteile aus. Auch bei einer Beitragsfreistellung sinkt die Auszahlung am Ende der Vertragslaufzeit, denn die Schlussüberschüsse werden gekürzt.

Kunden schlecht informiert

Deshalb ist es wichtig, alle Varianten vorher durchzurechnen. Die notwendigen Daten dafür fragen die Kunden bei ihrer Versicherungsgesellschaft ab. Von sich aus informieren die Unternehmen darüber meist nämlich nur unzureichend.

Nicht einmal ein Drittel der Leser konnte alle notwendigen Daten sofort liefern. Bei einem weiteren Drittel fehlten ein oder zwei Informationen, die der Kunde erst auf Nachfrage bekam. Beim letzten Drittel waren die Unterlagen, die uns die Leser schickten, nicht auf dem neuesten Stand.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer unserer Stichprobe konnte die zum jetzigen Zeitpunkt garantierte Ablaufleistung nicht angeben; sie wussten sie schlicht nicht. In der Standmitteilung findet sich oft nur die prognostizierte Ablaufleistung. Kein Wunder: Diese Prognose sieht nach mehr aus als die Garantie.

Ganz merkwürdig verhielt sich die VPV Lebensversicherungs-AG. Als garantierte und prognostizierte Ablaufleistung gab sie ihrem Kunden Detlef Schygulla kurzerhand identische Beträge bekannt.

Der Versicherungsombudsmann Professor Wolfgang Römer kennt diesen Wirrwarr. „Die Versicherer blocken oft erst einmal ab“, sagt er. Und dann seien ihre Informationen für den Kunden „häufig verwirrend“. Viele Standmitteilungen seien „ein einziges Durcheinander. Der Kunde kann damit nichts anfangen.“

Dabei hat er Anspruch auf alle Informationen, die er für die Berechnung seiner ­Beitragsrendite benötigt (siehe „Rendite selbst rechnen“).

Nur ein Teilnehmer unserer Leseraktion entschied sich spontan für den Ausstieg, als er die Renditen seiner Verträge erfuhr: Dieter Siepler1), selbstständiger Steuerberater aus Baden-Württemberg. Er hatte uns die Daten seiner zehn Verträge gegeben. Für die zehn Policen hatte er zehnmal Abschluss- und Verwaltungskosten gezahlt. Warum macht jemand so etwas? Diese Frage drängt sich geradezu auf.

Siepler hat die Verträge abgeschlossen, um Steuern zu sparen. Den ersten vor 20 Jahren, dann nach und nach die weiteren neun. „Damals hatte ich beim Thema ­Kapitallebensversicherung noch nicht den Kenntnisstand, den ich heute habe. Heute würde ich keinen Vertrag mehr abschließen.“ Er will alle Verträge „stilllegen“ und die gesparten Beiträge in renditeträchtigere Anlagen stecken.

Das damit verbundene Risiko nimmt er in Kauf. „Ich habe noch andere Rücklagen“, sagt er.

Rainer G. ist nicht in dieser komfortablen Lage. „Es sind nur noch zwölf Jahre bis zu meiner Rente“, sagt er. Deshalb möchte er jetzt kein Risiko mehr eingehen. Er wird seine Kapitallebensversicherung weiterführen.

* Name der Redaktion bekannt.

1) Name von der Redaktion geändert.

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