Immer noch ist unklar, wo überall von August an die Spiele der nächsten Bundesliga-Saison zu sehen sein werden. Bezahl-Fernsehsender Premiere hofft, die Bundesliga im Programm zu behalten und versucht jetzt, Arena als neuen Inhaber der Bundesliga-Fernsehrechte juristisch auszubremsen. Gleichzeitig verhandelt Premiere mit der Telekom. Diese hat die Internetrechte für die Bundesliga ersteigert. Jüngster Coup: Das Unternehmen heuerte Franz Beckenbauer als Kommentator an. Fußball-Fans mit Premiere-Abo über August hinaus sind unterdessen weiter im Unklaren. Ihnen gegenüber spielt Premiere auf Zeit. test.de erklärt den Stand der Dinge und sagt, wie Premiere-Kunden sich Klarheit verschaffen.

[Update: 08.06.2006] Inzwischen haben Deutsche Fußballliga und Telekom sich über die Verbreitung der Internet-Berichte geeinigt. Damit ist klar: Über Kabel und Satellit gibts bei Premiere keine Live-Bundesliga mehr. Details dazu am Ende der Meldung.

[Update: 13.07.2006] Überraschend haben Arena und Premiere vereinbart, dass Premiere jetzt wieder Bundesliga live ausstrahlen darf. Allerdings gilt das nur für Premiere-Kunden, die das Programm über Kabel Deutschland empfangen. Details dazu am Ende der Meldung.

Hoffnung aufs Internet

Gerade noch meldete Premiere im Brustton der Überzeugung: „Premiere zeigt die Fußball-Bundesliga ab der Saison 2006/2007 im Internet Protokoll (IP)-Standard.“ Ermöglichen sollen das die Internetrechte der Telekom. Zunächst wollen Telekom und Premiere die Bundesliga aber nur über das DSL-Netz verteilen. Hochauflösende Fernsehbilder sind allerdings nur mit Hochgeschwindigkeits-DSL möglich. Herkömmliche DSL-Anschlüsse liefern dafür zu wenig Datenübertragungsgeschwindigkeit. Zusätzlich ist auf jeden Fall eine spezielle Set-Top-Box erforderlich, um via Internet Bundesliga sehen zu können. Technisch ist es auch problemlos möglich, Internetdaten über Satellit oder Fernsehkabel zu verbreiten. Laut Premiere-Chef Georg Kofler ist das in den Lizenzbedingungen auch ausdrücklich vorgesehen. „Dort steht klipp und klar, dass eine Übertragung des Bildmaterials auf Basis des Internet-Protokoll-Standards auch über Kabel, Satellit und terrestrisch möglich ist“, sagte Kofler.

Fernsehrechte hat Arena

Fernsehrechte-Inhaber Arena und die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH halten die Verbreitung der über Satellit und Fernsehkabel nicht für zulässig. Das Recht, Bundesliga im Fernsehen zu zeigen, stehe allein Arena zu, erklärten beide Unternehmen unisono. Die Telekom dürfe Bundesliga-Berichte nur über Internet verbreiten. Der Kabelsender zahlt für die Fernsehrechte rund 200 Millionen Euro pro Jahr. Die Internetrechte der Telekom dagegen kosten rund 50 Millionen Euro im Jahr. Wie der Streit ausgeht, ist völlig offen. Die Zeit allerdings drängt. Bereits Mitte August startet die neue Bundesliga-Saison.

Premiere-Kunden in Ungewissheit

Besonders ärgerlich ist die Situation für Premiere-Kunden, deren Vertrag bis in die neue Bundesliga-Saison hineinreicht. Bislang weigert sich Premiere, die Kunden ziehen zu lassen. Wer Arena abonniert, läuft Gefahr beide Sender bezahlen zu müssen. So verfährt Premiere: „Wir bestätigen Ihnen heute vertragsgemäß den 30.11.2007 als nächstmögliches Austrittsdatum“, schreibt das Unternehmen etwa an Rainer S., nachdem dieser wegen des Wegfalls der Bundesligaberichterstattung gekündigt hatte. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung noch prüfen“, heißt es weiter.

Kündigung ohne Zustimmung wirksam

Was Premiere nicht sagt: Ein Recht zur Kündigung aus wichtigem Grund gibts völlig unabhängig von der Zustimmung des Unternehmens. Wenn ein gewichtiger Grund vorliegt, ist die Kündigung wirksam, ohne das Premiere zustimmt. Ob die Änderungen im Premiere-Programm ein wichtiger Grund sind und damit ein Kündigungsrecht vorliegt, hängt vom Einzelfall ab. Zumindest Kunden mit den billigsten Premiere-Paketen mit Bundesliga oder Bundesliga live-Berichterstattung sind nach Überzeugung von Stiftung Warentest-Juristen zur Kündigung Ende Juli berechtigt, wenn Sie Premiere wegen der Fußballbundesliga abonniert haben und davon nichts mehr zu sehen ist. Im Zweifel entscheiden die Gerichte.

So setzen sich Premiere Kunden durch

Kunden müssen sich die Hinhaltetaktik von Premiere nicht gefallen lassen. Möglich ist die Durchsetzung der Kündigung durch eine Klage ans Amtsgericht oder aber einfach durch Zahlungsverweigerung. Wenn Premiere die Kündigung für unberechtigt hält, muss das Unternehmen vor Gericht ziehen. Details zur Rechtslage erklärt test.de in Premiere ohne Bundesligalizenz: Streit ums Kündigungsrecht, gibt Tipps zur Kündigung und hält ein Musterschreiben bereit.

Bundesliga im TV:

[Update: 08.06.2006] Die Telekom hat der Deutschen Fußball-Liga zugesichert, Bundesliga-Live-Berichte nur über das neue VDSL-Netz zu verbreiten. Damit ist klar: Über Kabel und Satellit gibts Fußballbundesliga live nur noch bei Arena. Premiere-Bundesliga kann nur sehen, wer einen VDSL-Anschluss und einen speziellen Dekoder hat. Noch unklar ist, wie sich Premiere jetzt gegenüber Abonnenten verhält, deren Vertrag noch über August hinaus läuft. Bislang hat der Sender auf Zeit gespielt.

[Update: 13.07.2006] Jetzt ist Premiere doch wieder mit im Spiel. Im Kabel Deutschland Netz wird Premiere die Arena-Bundesligaberichterstattung für den gleichen Preis anbieten, zu dem Arena seine eigenen Kunden beliefert. Hintergrund: Arena hatte sich mit Kabel Deutschland nicht auf eine Einspeisung des Programms in das bundesweit größte Kabelnetz einigen können. Gegenüber der Deutschen Fußballliga hatte sich das Unternehmen jedoch verpflichtet, flächendeckend empfangbar zu sein. Weitere Details sind noch unklar. Wie Premiere sich gegenüber Kunden verhält, die ihr Abonnement wegen des Wegfalls der Bundesligaberichterstattung gekündigt hatten, bleibt abzuwarten. Für über Kabel Deutschland angeschlossene Premiere-Kunden ändert sich im Ergebnis nichts. Sie haben Fußball-Bundesliga bezahlt und bekommen Bundesliga. Ein Sonderkündigungsrecht dürfte ihnen nicht zu stehen. Wenn Sie zu dem 14,90 Euro-Fußball-Bundesliga-Angebot wechseln wollen, müssen sie ihr bisheriges Abo ordentlich kündigen und nach Auslaufen des Vertrags einen passenden Abo-Vertrag neu abschließen, wenn Premiere nicht auf Kulanz eine Vertragsanpassung akzeptiert. Schwierig ist die Rechtslage, wenn solche Kunden gekündigt haben, bevor die Kooperation mit Arena bekannt wurde. Aus Sicht der Stiftung Warentest-Juristen kommt es für die Wirksamkeit der Kündigung darauf an, ob bei Abgabe der Kündigungserklärung ein Grund vorlag, der zur außerordentlichen Kündigung berechtigt. Wer also Premiere die Kündigung geschickt hat, bevor die Kooperation mit Arena bekannt wurde, hat das Vertragsverhältnis zum Start der neuen Bundesliga-Saison wirksam beendet.

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