Kaminöfen Meldung

Kaum ein Baumarktprospekt ohne Werbung für Kaminöfen. Doch Vorsicht: Wer am Holzfeuer lange Freude haben möchte, muss gut planen.

Gaby und Michael K. haben ihr Haus um einen Anbau erweitert. Mit viel Glas, ähnlich wie ein Wintergarten. Damit es dort kuschelig warm wird, liebäugeln die beiden mit einem Kaminofen. Abends gemütlich bei einem Glas Wein am knisternden Feuer sitzen – diese Vorstellung ist verlockend.

Möglichkeiten, sich Lagerfeuerromantik ins Haus zu holen, gibt es für jeden Geschmack. In Baumarktprospekten werden „Schnäppchen“ mitunter schon für weniger als 200 Euro angeboten. Wer mehr Wert auf Design, Material, Technik und Komfort legt, kann im Fachhandel auch einige tausend Euro ausgeben.

Klassische offene Kaminfeuer sind nicht mehr Stand der Technik. Sie belasten nicht nur Raumluft und Gesundheit, sondern haben auch einen sehr schlechten Wirkungsgrad. Moderne Heizkamine haben deshalb eine Glastür. Sie nutzen nicht nur die Strahlungswärme, sondern auch die Warmluft, die mitunter sogar in Nachbarräume geleitet wird. Wer großen Wert auf Wärmespeicherung legt, kann auch über einen Kachelofen mit massiven Wänden nachdenken. Nachteil: Es dauert relativ lange, bis der Raum warm wird.

Schneller, platzsparender und billiger heizt es sich mit einem Kaminofen. Typische Kennzeichen: Kompaktbauweise, Innenleben aus Gusseisen oder Stahlblech, großes Glassichtfenster. Und jede Menge unterschiedlicher Designideen. Einige Millionen solcher Raumheizer haben in Deutschlands Wohnungen Einzug gehalten. Tendenz steigend.

Kosten im Griff

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Ein Kaminofen, der es in sich hat. Eine eingebaute „Wassertasche“ (Wärmetauscher) ermöglicht die Bereitung von warmem Wasser ...

Diese Öfen sorgen für eine gemütliche Atmosphäre und können auch aus anderen Gründen reizvoll sein:

  • Um einen einzelnen Raum vor allem in der Übergangszeit zu temperieren,
  • weil Holz billig oder sogar gratis ist und auch Braunkohlebriketts geeignet sind,
  • als Notheizung.

Die Biomasse Holz ist in Europa zwar reichlich vorhanden, doch die Preise können schwanken. Mitunter wird Heizen mit Holz dann teurer als gedacht.

Tipp. Vergleichen Sie beim Holzkauf unbedingt die Preise. Und sorgen Sie für genügend Lagerplatz, damit Sie bei Schnäppchen im großen Stil zuschlagen können.

Kosten für die Holzfeuerung entstehen auch durch den Kaminanschluss und den Schornsteinfeger. Für den Anbau bei Familie K. forderte der Schornsteinfeger in einer „gutachterlichen Äußerung“ sogar einen neuen Schornstein, weil die Distanz zwischen vorhandenem Kamin und neuem Kaminofen zu groß sein würde. Zusatzkosten: mehr als 1 500 Euro. Damit nicht genug. Der Herr in Schwarz verlangte auch, die Dunstabzugshaube der Küche von Abluft- auf Umluftbetrieb umzustellen, damit sie in der Wohnung keinen gefährlichen Unterdruck erzeugt, der die Ofenabgase ansaugen könnte.

Tipp. Beraten Sie sich am besten schon frühzeitig mit Ihrem Schornsteinfeger.

Das Haus von Familie K. erwies sich aus einem weiteren Grund als problematisch: Die Wärmedämmung ist zu gut. Fenster und Türen sind so gut abgedichtet, dass kaum noch ein Luftzug durch Fugen und Ritzen dringt. Um für ausreichend Verbrennungsluft zu sorgen – pro Kilogramm Holz sind das mehrere Kubikmeter –, müsste eine separate Zuleitung den Ofen hier mit Luft versorgen.

Tipp. Energiesparer, deren Häuser gut abgedichtet sind, sollten in ein Gerät mit Extra-Anschluss für die Frischluftzufuhr von außen investieren. Auch wenn der verbesserte Wärmeschutz erst in den nächsten Jahren geplant ist, kann es im Hinblick auf die Zukunft sinnvoll sein, schon jetzt einen solchen Ofen zu kaufen. Ist sogar eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung geplant, kommt ein Gerät mit dem Prädikat „raumluftunabhängig“ infrage.

Unangenehme Hitze

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... Die Anschlüsse dafür finden sich auf der Rückseite: Vor- und Rückläufe für Warmwasser sowie für ein Notkühlsystem (thermische Ablaufsicherung). Darüber sitzt der Anschlussstutzen für die Verbrennungsluft-Versorgung.

Je besser ein Gebäude wärmegedämmt ist, desto eher droht ein weiteres Problem: Im Raum wird es dann nicht wohlig warm, sondern unangenehm heiß. Viele Kaminöfen haben eine Leistung von 6 oder 8 Kilowatt. Für ein durchschnittliches Wohnzimmer ist das zu viel – erst recht in einem Niedrigenergiehaus. Nicht selten reißen die Bewohner dann die Fenster auf. Energiesparend ist das nicht.

Tipp. Überlegen Sie, ob sich mit einem Luftverteilsystem auch andere Räume beheizen lassen. Im Zweifel lieber einen Ofen mit kleiner Leistung wählen – mit einem für 25-Zentimeter-Scheite optimierten Brennraum.

Auch für warmes Wasser

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Sonne und Holz lassen sich kombinieren: Im Sommer sorgt die Solaranlage fürs warme Wasser. Im Winterhalbjahr steht ihr der Kaminofen (mit Wärmetauscher) zur Seite. Voraussetzung sind ein großer Kombispeicher und eine sehr gute Wärmedämmung des Hauses (etwa Passivhaus). Ist die Dämmung nicht optimal, sorgt üblicherweise ein ergänzender Öl- oder Gasheizkessel für die Grundversorgung im Winter.

Sonne und Holz lassen sich kombinieren: Im Sommer sorgt die Solaranlage fürs warme Wasser. Im Winterhalbjahr steht ihr der Kaminofen (mit Wärmetauscher) zur Seite. Voraussetzung sind ein großer Kombispeicher und eine sehr gute Wärmedämmung des Hauses (etwa Passivhaus). Ist die Dämmung nicht optimal, sorgt üblicherweise ein ergänzender Öl- oder Gasheizkessel für die Grundversorgung im Winter.

Einige Öfen ermöglichen auch, einen Teil der Energie für die Warmwasserbereitung abzuzweigen. Dadurch kann der Ofen relativ lange brennen, ohne das Zimmer zu überhitzen. Damit nicht zu heißes Wasser zu den Heizkörpern strömt, können ein großer Speicher und eine Rücklaufanhebung eingebaut werden.

Tipp. Nutzen Sie die Vorteile der Warmwasserbereitung. Sinnvoll ist auch die Arbeitsteilung mit einer Solaranlage.

Aber keine Illusionen: Die allermeisten Häuser lassen sich selbst durch Mithilfe der Sonne und einer Solaranlage nicht allein durch einen Kaminofen heizen. Dagegen spricht allein schon der mangelnde Komfort: Wollen die Bewohner zum Beispiel in den Winterurlaub gehen, darf das Haus nicht einfrieren. Freunde des Holzfeuers, die nach dem Motto „Wenn schon, dann richtig“ möglichst oft zündeln wollen, sollten deshalb eher über automatisch funktionierende Pelletheizungen und -öfen nachdenken oder über Kombigeräte, die sich sowohl mit Pellets als auch mit Holzscheiten beschicken lassen. Die große, wenn auch unromantische Lösung wäre ein Holzpelletkessel (test 8/05) im Keller, der für Heizung und Warmwasser im ganzen Haus sorgt.

Falls Holz eine vorhandene Öl- oder Gasheizung nur ab und zu ergänzen soll, wird die Wahl oft auf einen Scheitholz-Kaminofen fallen. Qualitätskriterien:

Tipp. Achten Sie auf die Verarbeitung. Wie solide sind die Scharniere? Sind Ofentür und Verstellhebel leichtgängig? Schließen die Dichtungen des Kaminofens? Sind die Bleche ausreichend dick und gut lackiert? Stören scharfe Kanten? Am besten ist es, den Ofen vor dem Kauf im praktischen Betrieb erleben zu können, um auch Unangenehmes wie etwa die Ascheentleerung zu erproben.

Hochwertige Feuerstätten haben meist einen durchdachten Mechanismus zur Luftregelung und Abgasführung – mit möglichst wenig Einstellhebeln. Mitunter übernimmt eine Automatik das Nachregeln. Die Brennräume sind strömungstechnisch optimiert. Zur Verbrennung angesaugte Luft wird teilweise zunächst im Ofen erwärmt, an der Türscheibe vorbeigeführt und trifft erst danach auf die aus dem erhitzten Holz austretenden brennbaren Gase. Vorteile: Die Scheibe verrußt weniger, und der Feuerungsprozess funktioniert insgesamt besser.

Tipp. Wählen Sie keine riesige Ofentür. Je größer sie ist, desto eher kann sich Ruß ablagern. Und das Risiko steigt, dass beim Öffnen Abgase ins Zimmer wehen.

Wirklich umweltfreundlich?

Je heißer die Verbrennung, desto besser die Holzvergasung und und desto geringer der Schadstoffausstoß des Ofens. Auch der Wirkungsgrad profitiert von optimaler Sauerstoffzufuhr und Hitze.

Tipp. Erkundigen Sie sich beim Kauf nach dem Wirkungsgrad. Er sollte bei Kaminöfen über 75 Prozent liegen.

Wenn Freunde der Holzheizung mit Klimaschutz argumentieren, klingt das zunächst erstaunlich, denn aus dem Schornstein entweicht jede Menge Kohlendioxid. Aber es ist nur die Menge, die der Baum zuvor zum Wachsen aus der Atmosphäre herausgefiltert hat – und die nach dem Tod des Baumes im Zuge der Zersetzung durch Bakterien und Pilze ohnehin größtenteils in die Luft gelangen würde. Unterm Strich ist die Verbrennung also einigermaßen klimaneutral.

Dass die Verbrennung des nachwachsenden Rohstoffs Holz nicht zwangsläufig umweltfreundlich ist, weiß jeder, der kokelnde Nachbarn ertragen muss. Veraltete Kamine und Fehlbedienung bringen das Heizen mit Holz immer wieder in Verruf.

In Deutschland gibt es heute rund 15 Millionen „Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe“. Experten schätzen, dass die alten Schätzchen unter ihnen für zwei Drittel der Staubemissionen verantwortlich sind. Problematisch sind neben dem Feinstaub auch andere gesundheitsschädliche Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Künftig sollen neue Feuerungsanlagen für Einzelräume nur noch in Betrieb gehen dürfen, wenn der Hersteller belegen kann, dass die Emissionen bestimmte Grenzwerte einhalten. Umweltexperten fordern das auch für Altanlagen. Falls die Bescheinigung fehlt, soll der Schornsteinfeger die Werte kontrollieren.

Tipp. Erkundigen Sie sich vorsichtshalber schon heute vor einem Kauf, ob der Hersteller nachweisen kann, dass sein Ofen die im Entwurf der „Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen“ gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz vorge-sehenen Grenzwerte (Stufe 1) einhalten kann. Verlangen Sie eine Bestätigung. Diesen Nachweis werden vor allem Anbieter von Feuerungsanlagen erbringen können, die sich mit dem Qualitätszeichen DINplus schmücken.

Ab dem Jahr 2015 sind für neue Öfen niedrigere Grenzwerte geplant, an denen sich umweltbewusste Kunden schon bald orientieren könnten. Immer öfter dürften dann auch Filteranlagen zum Einsatz kommen. Das Ziel: Nur wenn Heizen mit Holz wirklich umweltschonend funktioniert, wird es in Deutschland eine große Zukunft haben. Nicht nur in der Kuschelecke, sondern als ernsthaftes Heizsystem.

Gaby und Michael K. liebäugeln mittlerweile mit einem modernen Pelletofen mit Warmwasserbereitung – als Ergänzung zu ihrer Solaranlage. Dieses Projekt würde aber rund 10 000 Euro verschlingen, weshalb sie es erst einmal vertagt haben. Auf Lagerfeueratmosphäre wollen sie dennoch nicht verzichten. Einstweilen knistern die Holzscheite in einem gusseisernen Ofen auf der Terrasse.

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