Kamin- und Pelletöfen Meldung

Die kalte Jahreszeit naht. Viele sehnen sich nach Gemütlichkeit und knisterndem Kaminfeuer. Doch welche Ofentechnik ist für mein Haus geeignet? Kommen Öfen mit Wasser­an­schluss in Frage? Was muss ich mit dem Schornstein­feger besprechen? Hier die Antworten der test-Experten Michael Koswig und Peter Schick im Chat auf test.de.

Jetzt geht's los

Moderator: So, es ist jetzt 13.00 Uhr. Hier im Chat begrüße ich Peter Schick und Michael Koswig. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Fragen unserer Chatterinnen und Chatter beantworten. Gleich die erste Frage an unsere Gäste: Wie sieht es aus, wollen wir starten?

Peter Schick: Ja!

Die Top3-Fragen

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Leserinnen bereits die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die Top1 Frage aus dem Pre-Chat:

Floc44: Meines Wissens gibt es auch Kombinationen aus Stückholz- (Kaminofen) und Pelletöfen, die auch einen Warmwasseranschluß haben und mit einer Solaranlage kombiniert werden können. So kann man größtenteils mit Stückholz heizen und bei längerer Abwesenheit auf Pelletbetrieb umschalten. Können Sie Aussagen zu deren Energieeffizienz und Umwelteigenschaften machen?

Michael Koswig: Es gibt verschiedene Ideen, mit Holz zu heizen. Wir konnten bei diesem ersten Ofentest natürlich nicht alle berücksichtigen. Dafür sind solche Untersuchungen zu teuer. Die angesprochenen Kombigeräte waren im Test diesmal leider nicht mit dabei. Sie haben bislang auch keinen großen Marktanteil. Das Prinzip klingt zwar verlockend aber bei der Konstruktion stellt sich das grundsätzliche Problem, ob der Brennraum für Pellets oder für Holzscheite optimiert werden soll. Ob beides gleichzeitig gelingen kann, ist eher fraglich. Das wäre eine spannende Frage für einen weiteren Test.

Moderator: ... und hier die Top2-Frage:

Heizer: Wann lohnen sich Kaminöfen mit Wärmetauscher?

Peter Schick: Das sollten Sie individuell für jede Anlage beziehungsweise für Ihr Haus durchrechnen. Einerseits schlagen der teurere Ofen, der größere Kombispeicher und der mitunter höhere Installationsaufwand zu Buche. Auf der anderen Seite steht die Ersparnis bei den Brennstoffkosten. Hier hängt viel davon ab, ob sie überhaupt über eine günstige Holzquelle verfügen. In jedem Fall muss der Ofen oft und lange in Betrieb sein, damit sich die hohen Investitionskosten amortisieren können.

Michael Koswig: Finanziell interessant kann der Einbau eines Pellet-Ofens mit Wasseranschluss beim Neubau eines Niedrigenergie- oder Passivhauses sein. Hier muss der Installationsaufwand nicht größer sein als beim Einbau eines anderen Heizungssystems. Zudem waren bei Pelletöfen mit Wasseranschluss die Abgaswerte deutlich besser als bei den entsprechenden Kaminöfen im Test.

Moderator: ... und die Top3-Frage:

Tom: Sie empfehlen einen Ofen „Hark“. Gleichzeitig ist das Internet aber voll von Beschwerdebeiträgen ehemaliger „Hark“-Kunden, die dort nie wieder einen Kaminofen kaufen würden. Der Service scheint „unterirdisch“ zu sein. Ging der Kundenservice mit in die Bewertung ein?

Michael Koswig: Nein, den Kundenservice haben wir im Rahmen dieses Tests nicht untersuchen können.

Effizienz, Wirkungsgrad, Umweltfreundlichkeit

Heinrich Bröckling: In Ihrem Test haben Sie die Energieeffizienz bewertet. Die Ofenanbieter geben die Wirkungsgrade ihrer Öfen häufig in Prozentwerten an. Warum haben Sie es nicht ebenso gemacht, um zwischen den Herstellerangaben und Ihren Messungen vergleichen zu können?

Peter Schick: Die Ofenanbieter nennen Angaben aus sogenannten „Typprüfungen“. Die werden unter Normbedingungen durchgeführt, die allerdings nicht in allen Details verbrauchernah sind. In unserem Test dagegen haben wir die Öfen unter Berücksichtigung der Bedienungsanleitungen praxisnäher geprüft. Die Anheiz- und Nachlegebedingungen waren bei uns vereinheitlicht, um den direkten Vergleich optimal zu ermöglichen. Die von uns gemessenen Wirkungsgrade und Abgaswerte sind deshalb nicht direkt mit den Anbieterangaben vergleichbar. Um hier keine Verwirrung zu erzeugen, haben wir auf die Angabe von Zahlenwerten für Wirkungsgrade und Emissionswerte in der Tabelle verzichtet.

Vonrhein A.: Nur eine kurze Frage. Kann man den Herstellerangaben bezüglich der Daten zum Wirkungsgrad Glauben schenken?

Peter Schick: Wie eben erläutert, können wir solche Angaben nicht bestätigen oder widerlegen. Unter unseren Versuchsbedingungen ergaben sich zwar teilweise schlechtere Wirkungsgrade und Abgaswerte, aber das mag auch auf die unterschiedlichen Vorgehensweisen zurückzuführen sein. Wichtig für die Werte aus Typprüfungen ist, dass die Ofenanbieter damit die gesetzlichen Werte erfüllen müssen.

W. Schieren: Wie umweltfreundlich ist diese Heizart wirklich, wenn Sie von eher schlechtem Wirkungsgrad schreiben? Außerdem ist der Zeitraum der Wachstumsphase des Holzes mit dem Zeitraum des Verbrennens nicht identisch. Wieso ist der CO2-Ausstoß dann neutral?

Michael Koswig: Unbestritten ist die Klimafreundlichkeit beim Heizen mit Holz, weil es einigermaßen CO2-neutral verbrennt. Im Hinblick auf die Umwelteigenschaften gibt es aber große Unterschiede: Im Test haben wir hier viele Mängel festgestellt. Am besten sind immer noch die Umwelteigenschaften der Pelletöfen, weil sie die besten Abgaswerte haben.

Peter Schick: Die ungefähre CO2-Neutralität ist deswegen vorhanden, weil durch die Sonnenenergie und das Pflanzenwachstum laufend große Mengen an CO2 aus der Luft im Holz gebunden werden. Wenn nun gleichzeitig nicht mehr Holz verbrannt wird als Biomasse entsteht, kann man von CO2-Neutralität ausgehen.

Michael Koswig: Im Übrigen muss man berücksichtigen, dass das Kohlendioxid auch freigesetzt würde, wenn der Baum auf natürliche Weise sterben müsste und Bakterien und Pilze ihn zersetzen würden.

Wärmetauscher und Wasserspeicher

Seehummel: Ich will mein Abfallholz aus dem Garten im Ofen verbrennen können (Stückgut). Sehr interessant fand ich schon immer die Öfen mit dem Wärmeaustauscher. Falls nun aber mal der Strom ausfällt, dann kann ich diesen Ofentyp ja nicht betreiben, oder?

Michael Koswig: Das ist richtig. Während des Betriebs muss die Umwälzpumpe das im Wärmetauscher erhitzte Wasser permanent zum Speicher transportieren. Bei Stromausfall stoppt diese Pumpe. Dann besteht die Gefahr, dass sich das Wasser innerhalb des Kaminofens überhitzt. Die Öfen verfügen deshalb über eine integrierte „thermische Ablaufsicherung“, die diese Überhitzung verhindert. Das muss man sich wie ein Notkühlsystem vorstellen. Neue Holzscheite auflegen darf man erst dann wieder, wenn die Pumpe mit Strom versorgt wird. Pelletöfen lassen sich bei Stromausfall ebenfalls nicht betreiben. Dann streikt nämlich die für den Transport der Holzpresslinge erforderliche Förderschnecke.

Peter Schick: Apropos „Abfallholz aus dem Garten“: Wir sollten klarstellen, dass auch dieses Holz unbedingt gut und lange getrocknet werden muss. Also rund zwei Jahre lang. Feuchtes Holz erzeugt sehr hohe Staubemissionen und macht unter Umständen auch gute Öfen zu „Stinkern“.

Juni50: Wir betreiben in Kombination mit der Gasheizungsanlage eine Solaranlage zur Brauchwassererwärmung mit einem 300 Liter-Warmwasserspeicher. Lässt sich daran ein Kaminofen mit Wasseranschluss betreiben? Im Kaminofenfachhandel wird gesagt, man brauche dafür einen Extra-Speicher beziehungsweise einen Kombispeicher. Die Heizung ist auch an den Warmwasserspeicher angeschlossen; dann müsste das doch auch mit einem Kaminofen gehen, oder?

Peter Schick: Der Speicher muss verschiedene Anforderungen erfüllen: Erstens muss er genügend groß sein, um viel Holzenergie aufnehmen zu können. 300 Liter sind dafür relativ wenig. Typische Kombispeicher die auch bei Solaranlagen mit Heizungsunterstützung eingesetzt werden, liegen oft eher bei einem Volumen von 1 000 l.

Michael Koswig: Wichtig ist auch, dass die Anschlüsse und Wärmetauscher im Speicher so angebracht sind dass das gesamte Speichervolumen für die Holzenergie nutzbar ist, und nicht nur die kleinere Nachheizzone für das Warmwasser im oberen Bereich des Speichers.

WADick: Sind Speicheröfen sinnvoll?

Michael Koswig: Die Öfen in unserem Test besitzen keine nennenswerten Speicherfähigkeiten. Speicheröfen wie zum Beispiel Kachelöfen müssten mit einem anderen Verfahren getestet werden. Denn Wärmeaufnahme und Wärmeabgabe erfolgen hier mit starker zeitlicher Verzögerung. Das ist ja auch Sinn der Speicherung. Grundsätzlich sollte man den Nutzen der Speicherung innerhalb des Ofens aber nicht überbewerten. Letztlich dienen auch alle Wände, Fußböden und alle anderen massiven Bauteile im Haus als Wärmespeicher. Bei gutem Wärmeschutz des Gebäudes reichen diese Speicherung sowie die Abstrahlung des Ofens völlig aus.

Peter Schick: Wer den Kaminofen vorwiegend stundenweise für abendliche Gemütlichkeit einsetzen möchte, sollte sich sogar einen Ofentyp ohne viel Speichermasse wählen, damit die erzeugte Wärme auch schnell spürbar ist. Die üblichen Verkleidungsvarianten der Kamin- und Pelletöfen in unserem Test, zum Beispiel Speckstein, Naturstein, Keramik beeinträchtigen diesen Effekt kaum.

Eberolf: Bei einer Kombination von Stückholzofen mit Wasseranschluß und einem Pufferspeicher, der auch solar erwärmt wird: Kann der Ofen geheizt werden, wenn der Pufferspeicher „voll“ ist, oder muss ich dann auf die „Gemütlichkeit“ am knisternden Feuer verzichten?

Michael Koswig: Wenn der Pufferspeicher tatsächlich voll ist, also bei der Höchsttemperatur angelangt ist, dann dürften Sie in der Tat den Ofen nicht mehr anfeuern. Damit dieses Problem gar nicht erst auftritt, ist es wichtig einen ausreichend großen Pufferspeicher einzuplanen.

Peter Schick: In der Testtabelle finden Sie bei den entsprechenden Öfen auch die von uns gemessene Wärmeleistung, die in den Speicher abgegeben wird.

Michael Koswig: Im Notfall müssten Sie ein Familienmitglied überreden, freiwillig in die Badewanne zu steigen, damit im Speicher wieder genügend freie Kapazität zur Verfügung steht.

Ofentyp bei Neubau

T. Weidner : Guten Tag! Wir planen gerade den Neubau eines Hauses. Im Keller wird es einen Pellet-Kessel mit Wasserspeicher geben. Im Wohnzimmer wünschen wir uns einen Kaminofen. Es gibt keine Lüftungsanlage im Haus und keine unterstützende Solaranlage. In allen Räumen gibt es Fußbodenheizungen. Welchen Ofentyp empfehlen Sie? Vielen Dank. Torsten Weidner

Michael Koswig: Beachten Sie bitte, dass eine Fußbodenheizung sehr träge reagiert. Sie müssten also schon viele Stunden im Voraus planen können, wann Sie den Ofen im Wohnzimmer anfeuern möchten, damit Sie die Fußbodenheizung entsprechend drosseln können. Ansonsten droht dort Überhitzung. Dies gilt in Ihrem Fall ganz besonders, da es sich bei dem Neubau ja sicherlich um ein Objekt mit sehr gutem Wärmeschutz handeln wird.

Peter Schick: Den Kaminofen für Holzscheite im Wohnzimmer sollten Sie daher noch einmal überdenken. Wenn doch unbedingt ein Modell mit geringstmöglicher Wärmeabgabe wählen, das sich außerdem gut regeln lässt.

Filterpflicht

Maytree: Ist schon abzusehen, wann es eine Pflicht für Filter in Kaminöfen geben wird?

Peter Schick: Nein. Eine solche Pflicht ist derzeit nicht absehbar. Die aktuell und in naher Zukunft geforderten Werte können von guten Öfen auch ohne Filter erreicht werden. Allerdings hatten wir im Test ein Modell mit einem so genannten „Schaumkeramikfilter“, das besonders gute Werte bei allen Emissionen erreichte. Das lässt zumindest vermuten, dass eine gewisse positive Wirkung von diesem Filter ausgeht. Die Entwicklung geht hier natürlich weiter. Wir bleiben an dem Thema dran.

Tom: Ich habe die Befürchtung, dass es mit einem Ofen im Wohnzimmer dort extrem heiß wird, der Rest der (Altbau-Eigentums-)Wohnung aber (trotz offener Zimmertüren) kalt bleibt. Wie kann die Heizwärme des Kaminofens besser in der Wohnung verteilt werden?

Michael Koswig: Technisch möglich wäre es, die heiße Luft im Bereich des Ofens abzusaugen und sie mit Hilfe eines kleinen Ventilators über Lüftungsleitungen in die kühleren Räume zu transportieren. Die Anbieter von Wohnungslüftungsanlagen bieten derartige Bauteile an. Lassen Sie sich aber unbedingt fachlich beraten.

Pelletöfen

Dirk: Sie schreiben, Pelletkaminöfen seien nicht als alleinige Heizung für Häuser geeignet. Mein Heizungsbauer hat mir den „Pueblo-Aqua“, von Westfeuer mit 12 kW für meinen Haus, als Heizung in Kombination mit einer Solarthermie-Anlage empfohlen. Soweit ich weiß, verfügt dieser Ofen über eine automatische Pellet-Zuführung, die es ermöglicht, Pellets aus einem separaten Lager über eine Sauganlage direkt zum Pelletkaminofen zu fördern. In Ihrem Test habe ich hierüber nichts gefunden. Ist diese Technik im Test berücksichtigt worden und gibt es andere Hersteller mit vergleichbarer Technik?

Michael Koswig: Wir haben nicht geschrieben dass Pelletöfen nicht als alleinige Heizung geeignet sind. Im Gegenteil: Wir haben klargestellt, dass Pellets im Gegensatz zu Scheitholz den Automatikbetrieb ermöglichen. Das zeigt auch die im Heft abgebildete Skizze. Hingewiesen haben wir allerdings darauf, dass der in die Öfen integrierte Vorratsbehälter je nach Verbrauch nur für einige Tage ausreicht und wenn man in den Urlaub fahren möchte, kann das knapp werden.

Peter Schick: Insofern kann die von Ihnen erwähnte Pelletzuführung aus einem zentralen Lager eine interessante Ergänzung sein. Die größeren Pelletkessel verfügen immer über eine solche Technik. Geprüft haben wir dies beim aktuellen Ofentest aber nicht.

Danke!: Bei Pelletöfen spielt die Geräuschentwicklung ein nicht zu vernachlässigende Rolle. Die Schnecke zum Transport der Pellets und das Gebläse verursachen je nach Hersteller unterschiedlich laute Geräusche. Waren im aktuellen Test die Geräusche vernachlässigbar oder warum wurde darauf nicht eingegangen?

Peter Schick: Wir haben die Geräusche verfolgt und beurteilt. Sie waren aber bei allen Geräten praktisch nicht von Bedeutung. Im Einzelfall gibt es Fallgeräusche von Pellets zu hören oder ein leichtes Brummen der Förderschnecke oder der Motoren. Das würde aber allenfalls in sehr ruhigen Wohnzimmerumgebungen neben dem Knistern des Feuers zu hören sein. Im Test waren die Geräusche kein Problem.

Kunigunde: Warum ist der „Wodtke“-Pelletofen mit Euro 8.750 in der Tabelle angeführt, wenn er gemäß Fußzeile nur um Euro 10.345 zu haben ist? Wie kann man dies erklären?

Michael Koswig: Bei unserem Einkauf war der Ofen noch in der preiswerteren Ausführung erhältlich. Diese haben wir dann auch eingekauft und geprüft. Kurz vor Redaktionsschluss hat uns der Anbieter aber mitgeteilt, dass er jetzt nur noch die teurere Variante mit Glasdekor verkauft.

Ch. Daniel: Ich trage mich mit dem Gedanken, für mein Niedrigenergiehaus den Pelletofen „Pueblo Aqua“ von Westfeuer als alleinige Heizung zu installieren, denn dieser verfügt über eine sogenannte Firewall, welche die Abstrahlwärme in den Raum im Sommer auf 5 Prozent reduzieren soll. Haben sie diese Abstrahlminderung in Ihren Test einfließen lassen?

Peter Schick: Nein. Diesen Hitzeschutz haben wir nicht geprüft. Grundsätzlich ist die Vorstellung auch nicht gerade attraktiv, mitten im Hochsommer den Ofen im Wohnzimmer anfeuern zu müssen. Viel sinnvoller ist es dann, die Solaranlage zur Warmwasserbereitung einzusetzen. Die lässt sich hier sogar relativ preiswert realisieren, weil der große Kombispeicher ja ohnehin erforderlich ist. Der Ofen käme dann nur im Winter und in kühleren Übergangszeiten zum Einsatz.

Heinz Ritters: Sehr geehrte Herren, wird beim Pelletofen auch die elektrische Energie, die zum Anfeuern der Pellets und zum Abtransport der Abgase eingesetzt wird, bei der Betrachtung der Umweltverträglichkeit berücksichtigt. Mit freundlichen Grüßen, Heinz Ritters

Peter Schick: Selbstverständlich berücksichtigen wir in unseren Tests auch die elektrische Hilfsenergie. Bei den normalen Kaminöfen benötigt man ja überhaupt keinen Strom zum Betrieb, aber die wasserführenden Öfen und die Pelletöfen haben einen gewissen, wenn auch geringen, Stromverbrauch. Diesen haben wir gemessen und in der Tabelle auch bewertet. Er war in allen Fällen aber relativ klein.

Michael Koswig: Es zeigt sich, dass die Pelletöfen trotz dieses Stromverbrauchs unterm Strich deutlich effizienter arbeiten als die Kaminöfen die mit Scheitholz betrieben werden.

Schornstein und Zuluft

BZFZ: Wir möchten einen holzverbrennenden Kaminofen in unsere Wohnung einbauen; es ist aber kein Abzugsrohr im Haus mehr frei. Wie kann dieses Problematik gelöst werden?

Peter Schick: In solchen Fällen wird häufig ein separater Edelstahlschornstein außen am Haus angebracht. Fragen Sie hierzu Ihren Schornsteinfeger. Sinnvoll ist es, im Zuge der Wanddurchbrüche auch gleich einen Außenluftanschluss für die Zuluft mit herzustellen. So haben Sie die Möglichkeit, entsprechend ausgestattete Öfen ebenfalls zu verwenden oder sogar einen raumluftunabhängigen Ofen zu betreiben. Das ist vor allem für Häuser mit sehr gutem Wärmedammstandard wichtig.

Eberolf Schatz: Muss in einer Wohnküche mit Dunstabzugshaube (nach draußen) ein Kaminofen mit Außenluftversorgung verwendet werden?

Michael Koswig: Bei Dunstabzugshauben, Wäschetrocknern mit Abluftbetrieb sowie bei allen Lüftungsanlagen gilt höchste Vorsicht: Normale Kaminöfen sind hier unzulässig. Hier droht die Gefahr, dass Abgase aufgrund des von den Ventilatoren erzeugten Unterdrucks in die Wohnung gesaugt werden. In solchen Fällen müssen Sie unbedingt gemeinsam mit dem Schornsteinfeger nach einer sinnvollen Lösung suchen. Speziell für Wohnungen mit Lüftungsanlagen werden spezielle Öfen angeboten, die eine extra Zulassung für „raumluftunabhängigen Betrieb“ haben.

Ausstattung

Worupa: Specksteinummantelung – Bringt das etwas (außer Mehrpreis) beziehungsweise wann ist es sinnvoll?

Peter Schick: Wir haben die Öfen in unserem Test in der Grundvariante aus Stahl geprüft. Die meisten Modelle gibt es aber auch mit anderen Verkleidungsvarianten. Diese Varianten haben praktisch keinen Effekt auf die Wärmeabgabe, sondern dienen nur der Gestaltung und dem optischen Aussehen. Weil die Optik nach wie vor der Hauptpunkt bei der Kaufentscheidung für einen Ofen ist. In unserem Test finden Sie nun aber andere Kriterien für den Ofenkauf wie Energieeffizienz, Umwelteigenschaften und Handhabung, welche an erster Stelle stehen sollten. Die Wahl sollte erst in zweiter Hinsicht nach der Optik erfolgen und die Verkleidungsvarianten spielen natürlich preislich eine große Rolle.

Brennholz

Otto: Stimmt es, dass das Aufstreuen von Salz die Verbrennung von Holz verbessert?

Michael Koswig: Nein, das stimmt nicht. Im Gegenteil: Die Schadstoffgehalte im Abgas könnten sogar steigen. Deshalb unbedingt nur Scheitholz verfeuern, das unbehandelt und ausreichend trocken ist. Das heißt: Optimal wären weniger als 15% Feuchte.

Ethanolkamine als Alternative?

Avent: Hallo, mein Nachbar betreibt im Winter einen Kamin mit Bioethanol und heizt damit die Wohnung. Ist diese Brennstoffalternative vom ökologischen Standpunkt her sinnvoll beziehungsweise vertretbar? Vielen Dank und herzliche Grüße!

Peter Schick: Im Unterschied zu Kamin- und Pelletöfen sind Ethanolkamine Feuerstellen für Deko-Zwecke und keine Heizgeräte. Sie können bei vorhersehbaren Fehlanwendungen erhebliche Brandrisiken bergen, deshalb haben wir auf test.de mehrere Meldungen dazu veröffentlicht. Für Ethanolkamine gilt die DIN 4734–1 „Dekorative Feuerstellen“. Momentan erarbeitet die EU-Kommission Anforderungen an eine EU-Normung, die teilweise strenger sein werden als die DIN. Der Brennstoff Ethanol kann bei unsachgemäßem Gebrauch wie ein Brandbeschleuniger wirken. Deshalb muss der Nutzer viele Vorsichtsmaßnahmen beachten. Für Haushalte mit Kindern oder Haustieren raten wir deshalb von solchen Deko-Artikeln ab.

Die letzte Frage

Valentin: Haben Sie selbst zu Hause einen Kaminofen und was sind Ihre persönlichen Erfahrungen?

Peter Schick: Ich wohne in Berlin und betreibe in meiner Wohnung keine Holzfeuerung, weil ich auch keine Möglichkeit hätte, günstig mein Holz selbst zu machen. Meine eigenen Erfahrungen mit Kaminöfen beschränken sich neben den Prüfungen auf den Kaminofenbetrieb bei Verwandten.

Michael Koswig: Ich liebäugele derzeit mit der Anschaffung eines Ofens für unser Wohnzimmer. Bislang begnüge ich mich mit einem offenen Holzofen auf der Terrasse.

Das Schlusswort

Peter Schick: Ich wünsche den Lesern viel Spaß beim knisternden Kaminfeuer und würde mich freuen, wenn durch Heizen mit richtig trockenem Holz auch die Nachbarschaft an dieser Freude teilhaben kann.

Michael Koswig: Ich empfehle das Heizen mit Holz sachlich auch mit den Vor- und Nachteilen anderer Heizsysteme zu vergleichen und abzuwägen. Das Stichwort „Gemütlichkeit“ sollte nicht zu sehr in den Vordergrund rücken. Sehr gemütlich kann es auch in Häusern zugehen, die zum Beispiel mit einem modernen Gasbrennwertgerät beheizt werden.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beantworten konnten. Vielen Dank auch an Peter Schick und Michael Koswig, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben.

Test Kamin- und Pelletöfen (test 11/2011): Nur wenige feuern gut

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