Kamera Schnelltest

670 Euro für Gehäuse und zwei Objektive: die M1 von Yi.

Seit Jahr­zehnten werden in China Kameras gefertigt – aber erst kürzlich hat ein chinesischer Anbieter eine eigene Systemkamera auf den Markt gebracht. Der Anbieter heißt Yi, sein Premierenmodell M1. Wir haben die M1 im Set mit zwei Objektiven getestet. test.de erläutert, was Hobby­fotografen von dem chinesischen Neuling erwarten können – und was nicht.

Systemkamera mit Bild­sensor von Sony

Die Yi M1 ist eine relativ flache Systemkamera, in der ein Micro-Four-Thirds-Bild­sensor mit 20 Megapixeln von Sony verbaut ist. Panasonic und Olympus bauen bereits seit Jahren Systemkameras im Micro-Four-Thirds-Stan­dard und bieten viele kompatible Objektive an. Als Systemkamera bezeichnet man eine Kamera mit Wechsel­objektiven und vielen Einstell­möglich­keiten. Kamera­gehäuse, Objektive und Zubehör eines Systems sind austausch­bar (siehe auch unser ABC der Fachbegriffe).

Die Yi M1 liefert nur eine mäßige Bild­qualität

Wir haben die Yi M1 mit zwei Objektiven getestet: einem Zoom­objektiv, das Fotos von Weitwinkel bis zu leichtem Tele ermöglicht (Brenn­weite 12-40 Milli­meter) sowie einem Porträt­objektiv (Brenn­weite 42,5 Milli­meter). Die Ergeb­nisse sind ernüchternd: Vor allem mit dem Zoom­objektiv ist die Bild­qualität vergleichs­weise bescheiden, besonders bei wenig Licht sind die Fotos nur sehr mäßig. Mit der Fest­brenn­weite sind qualitativ bessere Fotos mach­bar. Egal, welches Objektiv angedockt ist: Macht sich der Fotograf die Mühe, die Einstel­lungen manuell vorzunehmen, kann er Fotos in besserer Qualität als im Auto­matikmodus erzielen. Mit der Fest­brenn­weite können mit manuellen Einstel­lungen sogar Fotos in guter Qualität erreicht werden. Dazu ist allerdings eine ruhige Hand notwendig: Der Verwack­lungs­schutz der Yi M1 ist schlecht, ein opto­mecha­nischer Bild­stabilisator fehlt.

Videos oft unter- oder überbelichtet

Videos können zwar mit einer sehr hohen Auflösung (4k: 3 840 x 2 160 Bild­punkte mit 30 Voll­bildern pro Sekunde) aufgenommen werden, sind aber bei schlechten Licht­verhält­nissen oft unterbe­lichtet und bei viel Licht oft überbelichtet. Zudem funk­tioniert der Auto­fokus während der Aufnahme nicht immer zuver­lässig. Mit der Yi M1 sind Zeitlupen- und Stop-Motion-Aufnahmen möglich. Ein Anschluss für ein externes Mikrofon ist nicht vorhanden.

Andere Modelle sind schneller

Die Kamera ist im Alltag zwar recht einfach zu hand­haben, aber in puncto Geschwindig­keit insgesamt eher träge. Bei Auslösegeschwindig­keit und Auto­fokus sind zahlreiche Konkurrenzmodelle merk­lich schneller. Die Kalt­start­zeit beträgt rund fünf Sekunden, die Auslösezeit mit großer Entfernungs­differenz beim Fokussieren annähernd eine halbe Sekunde, wenn das Zoom­objektiv montiert ist. Wenn die Fest­brenn­weite montiert ist, benötigt die Yi lange zwei­einhalb Sekunden für das Speichern von Einzel­bildern. Eine Akkuladung reicht laut Anbieter für 450 Fotos.

Fotos können auch im Rohdaten­format aufgenommen werden

Die Menü­steuerung erfolgt über den Touchs­creen-Monitor, der qualitativ zu über­zeugen weiß. Jedoch ist er weder dreh- noch kipp­bar. Ein elektronischer Sucher fehlt, ebenso ein einge­bauter Blitz. Die Kamera verfügt über einen Blitz­schuh, sodass bei Bedarf ein externer Blitz aufgesteckt werden kann. Fotos können wahl­weise auch im hoch­auflösenden Rohdaten­format (Raw) aufgenommen werden, sodass der Fotograf sie hinterher am Computer gut bearbeiten kann. Über WLan können Bilder kabellos auf ein Smartphone oder Tablet über­tragen werden. Auch eine HDR-Funk­tion (High Dynamic Range) für Aufnahmen mit besonders hohem Kontrast­umfang und Fokus-Peaking zum exakten Scharf­stellen gehören zur Ausstattung. Ärgerlich: An dem Porträt­objektiv lässt sich die Schärfe nicht per Hand einstellen, sondern nur über das Kame­ramenü.

Fazit: Die M1 kann mit der Konkurrenz nicht mithalten

Die neue Yi-Systemkamera ist insgesamt nicht gut genug, um mit der etablierten Konkurrenz in dieser Preisklasse mithalten zu können. Für das gleiche und sogar weniger Geld gibt es über­zeugendere Systemkameras, wie unser Produktfinder Kameras zeigt. Dort finden Sie auch die Test­ergeb­nisse zur M1 im Detail.

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