Kalziumpräparate Test

Glas voll Kalzium: Eine Tablette pro Tag sollte reichen.

Kalzium ist oft Mangelware in unserem Körper. Vor allem ältere Menschen sind betroffen. Kalziumpräparate können helfen, einem Defizit vorzubeugen.

Eigentlich ist es so einfach: Ein großes Glas Milch zum Frühstück, zwei Scheiben Käse aufs Brot, nachmittags einen Milchkaffee und zwischendurch immer mal wieder ein Schluck Mineralwasser – schon ist der Kalziumspeicher für den Tag gefüllt. Das Problem: Nicht jeder isst gern Käse und nicht jeder verträgt Milch. Außerdem haben manche Menschen einen höheren Kalziumbedarf. Schwangere und Stillende zum Beispiel, auch Jugendliche und ältere Menschen. Bei Frauen nach der Menopause kann sich Knochenschwund besonders schnell entwickeln, weil die Östrogene abnehmen. Für viele ist es schwierig, den täglichen Kalziumbedarf zu decken. Er liegt bei etwa 1 000 Milligramm pro Tag.

Zähne und Knochen brauchen Kalzium

Ein langanhaltender Mangel kann kritisch sein, denn Kalzium ist einer der wichtigsten Mineralstoffe in unserem Organismus. Bei Blutgerinnung, Muskeltätigkeit und Erregungsübertragung spielt er eine entscheidende Rolle. Oft wird dem Stoff auch eine Wirksamkeit gegen Sonnenallergie nachgesagt. Wissenschaftlich ist das allerdings umstritten.

Fast das gesamte Kalzium, das wir aufnehmen, wird in Knochen und Zähne eingebaut, nur zu einem Prozent ist es im Blut gelöst. Jeder Mensch erreicht seine persönliche maximale Knochenmasse zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Das bedeutet, Knochenabbau und Knochenaufbau befinden sich im Gleichgewicht. Denn der Knochen ist nicht starr: In seinem Innern graben Knochenzellen, die Osteoklasten, Löcher. Ihre Gegenspieler, die Osteoblasten, beeilen sich, diese wieder aufzufüllen. Damit kann der Knochen flexibel auf Beanspruchung reagieren, beispielsweise bei Bewegung und Sport. Ist das Gleichgewicht gestört, dünnt die Knochenmasse aus, das Risiko für Brüche erhöht sich.

Hilfe in Tablettenform

Dem muss man vorbeugen. Wer natürliche kalziumreiche Kost verschmäht oder nicht verträgt, für den gibt es Hilfe in Tablettenform: In Supermärkten, Drogerien, Apotheken und beim Discounter kann er Kalziumpräparate kaufen. Und steht damit nicht allein: Jeder Dritte greift mittlerweile zu Nahrungsergänzungsmitteln, wie eine Forsa-Studie ergab.

Wir haben 22 Kalziumpräparate untersucht, knapp die Hälfte können wir empfehlen. Als Knackpunkt bei den anderen erwies sich die Zufuhrempfehlung des Herstellers für Mineralstoffe und Vitamine: Sie überschreitet den vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorgeschlagenen Wert deutlich. Als Höchstdosis für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR 500 Milligramm Kalzium pro Tag. Ist dieser Wert deutlich überschritten, können wir die Präparate nur eingeschränkt empfehlen. Das Risiko einer Überdosierung besteht aber in der Regel nicht. Beim Wunsch nach einer besseren Kalziumversorgung sollte man jedoch die Kalziummengen nicht vergessen, die täglich über die übliche Nahrung oder speziell angereicherte Lebensmittel aufge­nommen werden. Experten sehen eine kritische Grenze ab einer Kalziumaufnahme von 2 500 Milligramm pro Tag.

Eine gesetzlich geregelte Höchstmenge für die tägliche Kalziumzufuhr gibt es übrigens nicht – genau wie bei den übrigen Mineralstoffen und Vitaminen. Bei den meisten der untersuchten Kalziumtabletten handelt es sich nämlich um Kombipräparate mit Zusätzen wie Kupfer und Zink sowie den Vitaminen D, C und K.

Vitamin D für feste Knochen

Kalzium wird über den Darm resorbiert. Dabei spielt Vitamin D eine wichtige Rolle. Es hilft, das Kalzium in die Knochen einzubauen. Man kann das Vitamin mit der Nahrung aufnehmen – fettreiche Fische sind dafür eine gute Quelle. Vor allem aber bildet es der Körper mithilfe von UV-Licht selbst. Man muss sich dafür nur oft genug und möglichst bei Sonnenschein im Freien aufhalten. Im Sommer reichen dreimal wöchentlich 5 bis 15 Minuten, um mit Vitamin D versorgt zu sein.

Doch vor allem ältere Menschen, die nicht mehr so oft nach draußen gehen (können) und deren Haut altersbedingt weniger Vitamin D bildet, leiden häufig unter Vitamin-D-Mangel. Kombi­präpa­rate aus Kalzium und Vitamin D können ihnen helfen, den Speicher zu füllen. Mehr als fünf Mikrogramm Vitamin D pro Tag sollten es aber nicht sein, denn das Vitamin ist fettlöslich: Überschüssige Mengen werden nicht ausgeschieden, sondern reichern sich im Körper an. Im Test überschreitet nur das franziskus-Präparat die Zufuhrempfehlungen des BfR.

Neben Kalzium und Vitamin D ist eine Reihe weiterer Nährstoffe an einer optimalen Knochenstabilität beteiligt. Die Vitamine C und K sowie der Mineralstoff Zink gehören dazu. Doch das allein reicht auch noch nicht. Die Knochen müssen ständig gefordert werden, um stabil zu bleiben. Kraftsportler beispielsweise haben eine besonders hohe Knochendichte.

Knochen brauchen Bewegung

Man muss sich aber nicht gleich Muskelpakete antrainieren, um gegen Knochenschwund im Alter gerüstet zu sein. Moderate Bewegung reicht aus. Knochenschwund, die Osteoporose (siehe „Osteoporose“), ist vor allem ein Problem der Senioren. Ein Verlust von Knochenmasse ist unvermeidlich: Im Alter von 70 Jahren hat ein Mensch etwa ein Drittel davon verloren. Wer aber in jungen Jahren mobil ist, wird seinen Altersgenossen auch später einen Schritt voraus sein.

Wirksamkeit nicht geprüft

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel in Tabletten-, Kapsel- oder Pulverform. Im Gegensatz zu Arzneimitteln brauchen sie keine Zulassung. Auch wenn sie als Tabletten daherkommen, muss ihre Wirksamkeit nicht geprüft sein. Wie bei anderen Lebensmitteln auch ist der Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln nur verpflichtet, die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte zu garantieren. Krankheitsbe­zogene Aussagen, zum Beispiel zu Osteoporose, muss er unterlassen. Alle Hersteller im Test hielten sich daran. Kalziumpräparate als Arzneimittel sind meist teurer. Wer sich über diese informieren möchte, findet sie in unserer Datenbank „Medikamente im Test“ und im Buch „Selbstmedikation“ (beides über www.test.de/medikamente).

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