Kakaogetränkepulver Test

Fast alle Kakaopulver im Test enthalten weit mehr als 60 Prozent Zucker. „Gut“ sind nur 9 der 25 geprüften Pulver.

Kakao ist ein Seelenwärmer. Er enthält einige Quäntchen der anregenden Substanzen Koffein und Theobromin. Genießer wissen das zu schätzen und schwören auf Schokoladenpulver mit viel Kakao. Kinder kennen ihn vor allem als Ins­tant­pulver, das meist aber einen sehr viel geringeren Kakaoanteil hat. Im Löffelumdrehen verwandelt sich kalte und warme Milch damit in einen süßen Trunk.

Wir haben lösliche Kakaogetränkepulver getestet – die marktbeherrschenden kakaohaltigen Getränkepulver und als hochwertig geltende Schokoladenpulver. Doch von insgesamt 25 Pulvern sind nur 9 „gut“.

Sogar bis zu 81 Prozent Zucker

Kakaogetränkepulver Test

Ein kleiner Berg Kakao und ein großer Berg Zucker ergeben ein kakaohaltiges Getränkepulver. Kein Wunder, dass es zu den Zuckerwaren zählt.

Mehr Zucker als Kakao – das ist die Grundrezeptur aller Kakaopulver im Test. Spitzenreiter sind die kakaohaltigen Getränkepulver. Sie bestehen bis zu 81 Prozent aus Zucker. Ein gehäufter Teelöffel Pulver entspricht etwa einem Stück Würfelzucker.

Vor diesem Hintergrund sind die Zubereitungsempfehlungen vieler Hersteller viel zu großzügig, besonders die auf der Cho-Quick-Dose von Penny: „Einfach fünf bis sechs Teelöffel Kakaopulver in eine Tasse oder ein Glas mit kalter oder warmer Milch geben.“ Diese Dosis macht den Schokodrink nicht nur sehr süß, sondern auch zur Kalorienbombe. Das Pulver allein enthält 93 Kilokalorien, die fettarme Milch (0,25 Liter) steuert weitere 116 Kilokalorien bei – macht insgesamt 209 Kilokalorien. Das ist üppig. Mit einer Tasse Cho-Quick-Drink hätte zum Beispiel eine Frau, die täglich nur etwa 2 000 Kilokalorien braucht, bereits mehr als 80 Prozent der Energie für eine Zwischenmahlzeit (250 Kilokalorien) verbraucht. Ihr blieben dann nur noch knapp 20 Prozent Energie, die sie zum Beispiel mit gesundem Obst decken könnte.

Zwei Teelöffel für Zehnjährige reichen

Kleinen Kindern bleibt viel weniger Spielraum. Wenn sie einen nach Herstellerangaben zubereiteten Kakao trinken, nehmen sie mehr Kalorien auf als ihnen gut tut. Schade, denn Kakao kann nützlich sein. Immerhin bewegt er viele Kinder, Milch überhaupt zu trinken. Das Kalzium in der Milch ist wichtig, um Knochen und Zähne aufzubauen. Zudem liefert sie leicht verdauliches Eiweiß und die Vitamine A und D. Ernährungsexperten raten dringend, für Kinder möglichst wenig Pulver und fettarme Milch zu nehmen – die hat etwa ein Viertel weniger Kalorien als Vollmilch. Für Vier- bis Sechsjährige empfehlen sie eineinhalb gehäufte Teelöffel kakaohaltiges Getränkepulver (8 Gramm) auf 0,15 Liter Milch. Zehn- bis Zwölfjährige sollten nicht mehr als zwei gehäufte Teelöffel (12 Gramm) in ihre Milch (0,225 Liter) mixen. Ein Trick für Eltern: Die Dosis peu à peu herabsetzen.

Nicht durch den Kakao ziehen lassen

Schokofans sollten sich nicht von Rezepturen mit weniger Zucker durch den Kakao ziehen lassen. Zum Beispiel besteht „Nesquick zuckerreduziert“ größtenteils aus Maltodextrin. Dieses Kohlenhydratgemisch süßt zwar weniger stark als Haushaltszucker, spart aber keine Kalorien ein – das steht nur sehr kleingedruckt auf der Packung. Überhaupt: Es gibt keine guten und schlechten Zucker. Auch wenn alternative Süßungsmittel wie Traubenzucker, Rohrzucker oder Honig gesund klingen, liefern alle ähnlich viel Energie wie weißer Zucker.

Nährstoffzusätze sind überflüssig

Die Werbung mit Vitamin- und Mineralstoffen verleiht zuckersüßen Kakaopulvern die Aura gesunder Lebensmittel. Für viele Eltern ist das ein Kaufanreiz. Doch die zugesetzten Nährstoffe sind überflüssig, weil Kinder in Deutschland laut neuesten Studien ausreichend damit versorgt sind.

Hinzu kommt, dass die deklarierten Vitaminmengen oft hoch sind und zusammen mit anderen vitaminisierten Lebensmitteln wie Zerealien sogar zu einer Übervitaminisierung führen könnten. Auf Dauer und im Übermaß lassen sich dadurch nachteilige Wirkungen nicht ausschließen. Unproblematisch, aber unsinnig sind Kalziumzusätze in Kakaopulvern. Denn die Milch sorgt allein schon für genug Kalzium.

Kadmium aus dem Boden?

In allen Kakaopulvern fanden wir Kadmium – meist aber nur in kleinen Mengen. Vergleichsweise hoch waren die Gehalte jedoch in den drei Bioprodukten Alnatura, Naturata und Rapunzel. Das kann an der Herkunft der verarbeiteten Kakaobohnen liegen. So sind die Böden einiger Anbauländer, vor allem in Lateinamerika, je nach Klimalage von Natur aus oft reich an Kadmium. Die Kakaopflanzen nehmen es dann mit ihren Wurzeln auf.

Kadmium kann in großen Mengen beim Menschen zu Nierenschäden führen. Zwar gibt es in der EU noch keinen Grenzwert für Kakaoerzeugnisse, doch empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Schokolade höchstens 0,3 Milli­gramm Kadmium pro Kilogramm. Alle Pulver in der Untersuchung lagen darunter.

Kaba mit Schimmelpilzgift

Auch für das Schimmelpilzgift Ochratoxin A in Kakao, das bei der Lagerung und Verarbeitung der Bohnen entstehen kann, fehlt noch ein gesetzlicher Grenzwert. Den derzeit diskutierten Höchstwert von 1 Mikrogramm Ochratoxin A je Kilogramm überschritt ein einziges Produkt: der Kakaoklassiker Kaba. In großen Mengen kann das Schimmelpilzgift beim Menschen das Immunsystem und die Nieren schädigen, im Tierversuch wirkt es krebserzeugend.

Sarotti schmeckte „nach Karton“

Kakao ist ein legendäres Genussmittel. Schon die Ureinwohner Mittelamerikas, die Azteken, sollen ihm verfallen gewesen sein. Sie quirlten ihren „Xocolatl“ allerdings nur aus gewalzten Kakaobohnen und Wasser. Der Trunk schmeckte bitter und war oft mit Chili oder Pfeffer gewürzt. Historiker sind den alten Rezepturen auf der Spur, denen eine Wirkung gegen Krebs, Herz-Kreislauf- und Hautleiden nachgesagt wird.

Mit dem Ur-Kakao der Azteken haben die modernen, aus süßem Instantpulver zubereiteten Getränke nur wenig gemeinsam. Kakaoexperten haben sie für unseren Test sensorisch beschrieben (siehe Text: Sensorische Beschreibung). Danach waren die meisten Getränke sensorisch „gut“. Nur zwei hatten markante Fehler: Sarotti Feine Trinkschokolade roch und schmeckte „nach Papier und Karton“. Und Arko Typ Trinkschokolade hatte eine „künstliche, produktuntypische starke buttrige Karamellnote“.

Bei der Löslichkeit der Pulver gab es wenig zu beanstanden. Fast alle verteilten sich schnell und klümpchenfrei in Milch oder Wasser. Generell gilt: Je wärmer die Flüssigkeit ist, desto besser löst sich das Pulver.

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