Kaffee­voll­automat, Staubsauger, Wasch­maschine Test

Was belastet Haus­halts­kasse und Umwelt mehr – Reparieren oder Wegwerfen? Wir haben erforscht, wann es sinn­voll ist, kaputte Haus­halts­geräte reparieren zu lassen. Fazit: Für die Umwelt lohnt es sich öfter als für den Geldbeutel.

Als ein blankes Kabel ihren Staubsauger lahmlegte, musste Beate Lauten­schläger nicht lange über­legen. Der Schaden sollte repariert werden. Sie schleppte den leblosen Bodenputzer zum Elektrohändler. „Der Verkäufer rechnete mir vor, dass die Reparatur mindestens 120 Euro kosten würde – dafür bekäme ich ein neues Gerät“, erinnert sich die Berlinerin. Sie ließ sich nicht beirren, sondern stellte den Todgeweihten einem Techniker des Reparaturcafés in ihrer Nach­barschaft vor. Nach einer halben Stunde war das Kabel verlötet und der Sauger wiederbelebt.

Unser Rat

Reparieren statt Wegwerfen lohnt sich für die Umwelt bei Wasch­maschinen und Kaffee­voll­automaten sehr, bei Staubsaugern kaum. Geld sparen lässt sich mit Reparaturen vor allem bei Kaffee­bereitern, da Neugeräte recht teuer und Reparaturen günstig sind.

Pauschale Antworten gibt es nicht

Verschmorte Kabel, verstopfte Pumpen, durch­geknallte Elektronik – wann lohnt es sich nach Ablauf der Garan­tiezeit, kaputte Dinge wieder­zubeleben, und wann sind sie reif fürs Recycling? Pauschale Antworten gibt es nicht. Es kommt erstens auf den Stand­punkt an: Was ist mir wichtig – Geld, Nach­haltig­keit, Zeit? Zweitens hängt es vom Gerät ab. Für Staubsauger, Kaffee­voll­automaten und Wasch­maschinen haben wir Fakten gesammelt, Öko- und Kosten­bilanzen erstellt, um die zentralen Fragen zu beant­worten: Was geht oft kaputt? Was kosten gängige Reparaturen? Wie lange halten Hersteller Ersatz­teile vor? Wann lohnt sich Reparieren für Umwelt und Geldbeutel – und wann ist ein Neukauf sinn­voll?

Kunden­dienst lockt zum Neukauf

Um ein voll­ständiges Bild zu bekommen, klopften wir bei vielen Beteiligten an. Wir befragten Leser, Mitarbeiter von Werk­stätten und Bastler aus Repaircafés nach ihren Erfahrungen, recherchierten bei Herstel­lern und ermittelten Verfügbarkeit und Preise gängiger Ersatz­teile (So sind wir vorgegangen). Schließ­lich prüften wir die Reparatur­dienste der Hersteller – mit durch­wachsenen Ergeb­nissen: Kaum einer fand die Fehler der präparierten Wasch­maschinen. Einige Monteure rieten gar zum Neukauf, ohne das Gerät zu öffnen (Kundendienste für Waschmaschinen).

Das erlebte auch Familie von Reuss aus Neuss. „Als unsere Wasch­maschine nach fünf Jahren streikte, riefen wir den Kunden­dienst“, erzählt Irmgard von Reuss. „Der Mann kam rein und machte uns sofort Angebote für ein neues Gerät. Da hatte er die Maschine im Keller noch gar nicht angesehen. Es wirkte wie ein Verkaufs­gespräch, als wollte er gar nicht reparieren. Am Ende sollte die Reparatur weit über 500 Euro kosten.“ Das war der Familie zu teuer, sie entschied sich für einen Neukauf.

Mit Blick auf die Haus­halts­kasse ist es vernünftig, bei einer so teuren Reparatur die Reiß­leine zu ziehen. Wasch­maschinen fallen bei den Lesern, die unsere Umfrage beant­wortet haben, in der üblichen Nutzungs­zeit von 15 Jahren im Schnitt zwei Mal aus, das erste Mal nach etwa acht Jahren. Natürlich hängt die Entscheidung über Reparieren oder Wegwerfen vom Einzel­fall ab. Aufs große Ganze gerechnet aber gilt: Wer immer gleich beim ersten ernsten Defekt eine neue kauft, zahlt am Ende nur wenig mehr als derjenige, der sie immer reparieren lässt (Waschmaschinen).

Ein Desaster für die Umwelt

Ökologisch ist die Wegwerf­strategie ein Desaster. Wer bei jedem Schaden eine neue Wasch­maschine kauft, belastet die Umwelt sehr viel stärker als derjenige, der das Gerät reparieren lässt. Das liegt daran, dass die Herstellung ökologisch sehr viel stärker ins Kontor schlägt als die Instandset­zung. Die Umwelt profitiert enorm davon, Wasch­maschinen lange am Leben zu halten.

Ähnlich sieht die Ökobilanz für Kaffee­automaten aus. Bei Staubsaugern hingegen spricht selbst aus Umwelt­sicht kaum etwas fürs Reparieren. Es sei denn, das Gerät ist sehr jung. Dann gilt: Am besten selber machen, sonst wird es zu rasch teuer. Etliche Defekte können Laien beheben – drei Viertel der Teilnehmer an unserer Umfrage haben ihren Sauger selbst repariert.

Wege aus der Wegwerfgesell­schaft

Viele unserer Leser wollen einer fort­schreitenden Ex-und-hopp-Mentalität etwas entgegen­stellen. Kritik an sogenannter geplanter Obsoleszenz hat die Debatte befeuert: Um die Kassen klingeln zu lassen, so der Vorwurf, bauten Hersteller ihre Produkte so, dass sie schnell kaputt­gehen und sich nicht reparieren lassen. Beweisen lässt sich das kaum, auch die Test­ergeb­nisse der Stiftung Warentest liefern dafür keine Belege (Geplante Obsoleszenz, test 9/2013).

Viele reparieren wieder selbst

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„Verschrotten kam nicht infrage“. Als der Dyson-Staubsauger von Beate Lauten­schläger nach zehn Jahren ausfiel, sollte die Reparatur 120 Euro kosten. „Der Verkäufer empfahl mir, für das Geld lieber einen neuen zu kaufen“, erzählt die Berlinerin. „Ich war aber sehr zufrieden mit meinem Sauger.“ Ein Reparaturcafé rettet das Gerät schließ­lich vor der Verschrottung.

Trotzdem mobilisiert der Wunsch nach nach­haltigen Produkten viele Menschen – bis in höchste politische Kreise. In der Europäischen Kommis­sion wird diskutiert, Reparier­barkeit und Lebens­dauer gesetzlich zu verankern, um dem vorzeitigen Verschleiß entgegen­zuwirken.

Erste Schritte sind getan: Ab September lässt die EU nur noch Staubsauger auf den Markt, deren Motor nach Herstel­ler­angabe mindestens 500 Betriebs­stunden hält. Ob die Verordnung etwas ändert, muss sich noch zeigen. Verbrauchern, deren Sauger vorher versagt, gibt sie jedenfalls keine neuen Rechte gegen­über den Anbietern.

Die Konsumenten helfen sich derweil zunehmend selbst – zum Beispiel in Repair Cafés, in denen Ehren­amtliche bei Kaffee, Tee und Lötkolben Dinge vor dem Schrott­platz bewahren. „Die Initiativen schießen wie Pilze aus dem Boden“, sagt Tom Hansing von der Münchner Anstiftung, die zahlreiche Repair Cafés unterstützt. Staubsauger sind dort oft zu Gast, meist mit einfach zu behebenden Schäden wie Kabelbrüchen, defekten Kabelwick­lern oder verbrauchten Motorkohlen. Auch Kaffee­automaten, an denen Netz­kabel oder Dichtungen leicht zu richten sind, sind häufige Patienten der Technikretter. „Oft müssen wir die Geräte nur reinigen und entkalken, dann laufen sie wieder“, sagt Johannes Franke vom Repair Café Kempten.

Tipp: Adressen und Termine von rund 600 Repair Cafés können Sie im Internet auf www.reparatur-initiativen.de abrufen.

Reparaturen sind oft zu teuer

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„Eine Reparatur lohnte nicht mehr“. Erst streikte das Milch­system, dann ging das Display kaputt – schon öfter musste der 2007 gekaufte Saeco-Kaffee­voll­automat von Martina Wiemer in die Werk­statt. „Als die Maschine kürzlich leckte, haben wir uns eine neue zugelegt“, erzählt die Hamburgerin. „Noch einmal wollten wir sie nicht reparieren.“

Repair Cafés müssen nicht wirt­schaftlich arbeiten. Im Gewerbe dagegen gilt: Zeit ist Geld. „Haus­halts­geräte lassen sich im Grunde immer reparieren – es rechnet sich aber für Kunden immer seltener“, sagt Detlef Vangerow, Gründer des Werk­statt­portals Meinmacher.de. „Neugeräte sind im Verhältnis oft güns­tiger als Reparaturen.“

Viele Werk­stätten beklagen steigende Arbeits­kosten, weil Reparieren immer aufwendiger werde. „Um den Fehler beheben zu können, müssen oft mühsam Teile ausgebaut werden“, sagt Vangerow. „Konstrukteure achten zu wenig auf Reparier­barkeit.“ Häufig seien Geräte schwer zu öffnen, weil sie mit versteckten Schnapp- und Klebe­verbindungen statt sicht­baren Schrauben verschlossen sind. Vor allem Billiggeräte können nach Ansicht vieler Betriebe nicht wirt­schaftlich repariert werden.

Alte Wasch­maschinen leben länger

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„Reparieren, solange es geht“. Noch heute läuft die 1998 gebraucht gekaufte Miele-Wasch­maschine von Familie Hell­wig aus Dresden jeden Tag. „Als 2014 der Antriebs­riemen riss, riet uns der Techniker zur Reparatur, da das Gerät sehr robust sei“, so Anne Hell­wig. „Wir werfen ungern etwas weg, solange es sich reparieren lässt. Kosten bis 300 Euro sind o.k.“

Sepp Eisenriegler ärgert sich schon lange über diese Entwick­lung. Ende der 1990er Jahre gründete er das Reparatur- und Service-Zentrum in Wien. „Wer eine Wasch­maschine aus dieser Zeit besitzt, sollte sie so lange wie möglich reparieren“, rät Eisenriegler, der sich in Brüssel für eine europa­weite Norm zur Reparier­barkeit einsetzt. „Wasch­maschinen sind heute längst nicht mehr so reparaturfreundlich wie damals.“

Die Hersteller wider­sprechen. „Reparaturen haben heute einen anderen Charakter“, sagt Werner Scholz, Geschäfts­führer der Hausgeräte-Fach­verbände im Zentral­verband der Elektro­industrie (ZVEI). „Wurde früher meist geschraubt und gelötet, werden heute Bauteile und Module getauscht.“ Die „hoch­integrierte Bauweise“ bringe Vorteile „etwa in Funk­tionalität, Design und Herstellungs­kosten“.

Einen ihrer Nachteile musste unser Leser Jürgen Stegmüller mit seiner Bosch-Wasch­maschine erleben. „Nach zwei­einhalb Jahren ging ein Schalter an der Tür zu Bruch, sie ließ sich nicht mehr schließen“, erzählt der Göttinger. „Weil es den Schalter nicht als einzelnes Ersatz­teil gab, musste die ganze Tür ausgetauscht werden.“ Kosten, trotz Kulanz des Herstel­lers: 190 Euro.

Zu teure Ersatz­teile verhindern aus Sicht freier Werk­stätten viele Reparaturen. Für die Platine mit der Elektronik einer Wasch­maschine ruft Miele schon mal mehr als 400 Euro auf, andere verlangen bis zu 220 Euro. „Viele winken da erschro­cken ab“, sagt Detlef Vangerow. Die Hersteller wehren sich gegen den Vorwurf, Ersatz­teile seien über­teuert. Sie weisen auf zusätzliche Kosten etwa durch Kleinst­mengen­produktion, Lagerung und Qualitäts­prüfungen hin. Als Preistreiber für Reparatur­kosten machen sie vor allem steigende Löhne aus.

Ersatz­teile sind noch oft verfügbar

Immerhin: Ersatz­teile sind oft erfreulich lange zu bekommen. Wir prüften das für Wasch­maschinen, Kaffee­automaten und Staubsauger, die wir vor etwa zehn Jahren getestet haben. Die meisten Anbieter konnten sämtliche Teile liefern, die nach unseren Recherchen oft kaputt­gehen.

Wie lange ein Hersteller Ersatz­teile vorhält, hängt auch mit der Lebens­dauer zusammen, die er fürs Produkt kalkuliert. Wir haben Anbieter gefragt, wie es für die von uns näher untersuchten Produkt­gruppen aussieht. Viele hielten sich bedeckt. Die wenigen Antworten zeigen: Von 5 bis 20 Jahren ist alles dabei.

Tipp: Auch Onlineshops wie www.ersatzteile-direkt.com, www.ersatzteil-vertrieb.de oder www.ersatzteile-24.com verkaufen Original­teile, mitunter güns­tiger als die Hersteller – teils aber auch teurer.

Einige Hersteller liefern nur an Profis

An Privatpersonen verkaufen die befragten Anbieter oft nur Teile, die keine sicher­heits­relevante Montage erfordern. Sie liefern aber sämtliche Ersatz­teile an freie Werk­stätten, entweder direkt oder über Vertriebs­partner. Anders sieht es bei Reparatur­anleitungen, Diagnose-Software und Werk­zeugen aus. Die geben viele Hersteller nur an ihre eigenen Kunden­dienste weiter. Dies geschehe im Interesse der Kunden, die von geschultem Personal profitierten, teilten beispiels­weise Bauknecht und Miele mit. Der Miele-Kunden­dienst für Wasch­maschinen erreichte in unserem aktuellen Test übrigens nur das Qualitäts­urteil ausreichend, Bauknecht war mangelhaft.

Ein Recht auf Reparatur

Der Runde Tisch Reparatur, in dem sich Umwelt­verbände, Werk­stätten und Reparatur­initiativen formieren, fordert Ersatz­teile, Unterlagen und Hilfs­mittel für jedermann und reparaturfreundliches Design von Produkten. Der Initiative geht es um ein „Recht auf Reparatur“. Hersteller sehen das kritisch. Zwar bieten sie auf ihren Websites verstärkt Hilfe zur Selbst­hilfe, etwa mit FAQs und Video­chats. Die Angebote widmen sich aber vor allem kleineren Defekten. Von Eingriffen in die Einge­weide ihrer Geräte raten die Unternehmen Laien aus Sicher­heits­gründen ab. Genau das aber wollen immer mehr Verbraucher – die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen.

Tipp: Reparatur­anleitungen gibt es im Internet zuhauf, eine Über­sicht bietet etwa www.reparatur-initiativen.de/seite/links. Ziehen Sie einen Monteur zurate, bevor Sie sicher­heits­relevante Teile reparieren.

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