Kaffeemaschinen für Kapseln und Pads Test

Nicht alle Geräte brühen zwei Tassen gleichzeitig.

Ausgerechnet die beliebten Senseo-Maschinen sind nur „befriedigend“, Severin und Tchibo sogar „ausreichend“. Fünf Konkurrenten zeigen, dass es besser geht.

Marktführer Philips hat das Nachsehen. Der mit den Portionsmaschinen Senseo Standard und Senseo Aluminium zubereitete Kaffee ist zwar „gut“, hat es aber in sich, besser gesagt ihr Brühwasser: Unsere Prüfer fanden darin deutlich erhöhte Nickelwerte, genauso wie in der Severin KA 5912. Die gemessenen Werte liegen alle über den 20 Mikrogramm Nickel, die laut Trinkwasserverordnung in einem Liter Leitungswasser enthalten sein dürfen. Das ist unnötig und vermeidbar. Die drei „belasteten“ Portionskaffeemaschinen wurden deshalb im Qualitätsurteil um eine Note abgewertet.

Die gefundenen Nickelwerte sind für gesunde Menschen unproblematisch, können aber zum Problem für Nickelallergiker werden. Die nehmen nämlich notgedrungen schon über viele Nahrungsmittel Nickel auf und sollten deshalb jede zusätzliche Belastung möglichst vermeiden. Sie sind besser dran, wenn sie vorsichtshalber zu den Modellen greifen, die im Punkt Schadstofffreiheit „sehr gut“ oder „gut“ abgeschnitten haben.

Die beiden Philips-Maschinen fielen auch aus einem anderen Grund unangenehm auf. Bereits bei Markteinführung vor etwa vier Jahren hatte die Stiftung Warentest bemängelt, dass beim Betrieb der Senseo heißes Wasser aus der Maschine spritzen kann. Diese Gefahr ist bei den neuen Modellen gebannt. Doch noch immer kann bei einer Fehlbedienung heißes Wasser über das Gerät fließen. Und zwar dann, wenn man die Maschine bei geöffnetem Brühkopf aus Versehen einschaltet. Die beiden getesteten Philips-Modelle sind deshalb in der „Sicherheit“ nur „befriedigend“, zwei Noten schlechter als die gesamte Konkurrenz.

Fünf Maschinen (Petra Padissima, Stefano Padova, Braun Tassimo, Melitta My Cup E 901 und Krups) erhielten ein insgesamt „gutes“ Qualitätsurteil. Den sensorisch besten Portionskaffee macht die Petra Padissima.

Teure Bindung oder lose Beziehung

Kaffeemaschinen für Kapseln und Pads Test

Innenleben: Zwei getrennte Wasserkreisläufe für zwei unterschiedliche Getränke (Krups KP 1020).

Der Markt für Portionskaffeemaschinen wächst schnell. Zu Weihnachten hofft die Branche wieder auf großen Umsatz, präsentiert den Tassenautomaten als trendiges Geschenk. Obwohl in fast jedem Haushalt eine herkömmliche Kaffeemaschine „blubbert“, erwarten die Anbieter auch ­dieses Jahr zweistellige Zuwachsraten. Weil der schwarze Muntermacher immer öfter portionsweise in die Tassen läuft, boomt auch das Geschäft mit Kaffeepads und -kapseln. Das eine funktioniert eben nicht ohne das andere.

Fünf Maschinen (Braun Tassimo, Melitta My Cup 901 und 902, Stefano Padova, Tchibo Cafissimo) brühen den Kaffee ausschließlich mit Originalpads oder -kapseln. Für den Verbraucher bedeutet das eine „Zwangsheirat“ mit hohen Folgekosten. Pads von Stefano und Melitta sowie Kapseln von Tchibo und Braun („Discs“ genannt) sind mit 19 bis 25 Cent pro Portion sehr teuer. Universelle Pads gibt es bei Discountern ab acht Cent das Stück, „gute“ wie Aldi (Nord) Morena klassisch ab neun Cent (siehe Test Kaffeepads).

Für Universalpads genügt eine systemunabhängige Maschine. Im Test sind das die Modelle von Krups, Philips Senseo, Petra und Severin. Sie funktionieren mit fast allen runden Softpads mit sieben Zentimeter Durchmesser und etwa sieben Gramm Kaffeepulver. So kann jeder nach Gusto seinen ganz persönlichen Koffein-Kick zubereiten. Wir haben sie mit Senseo Normale Röstung (13 Cent pro Portion) und Jakobs Krönung Verwöhnaroma (12 Cent) ausprobiert, die systemgebundenen Geräte selbstverständlich mit den dafür vorgesehenen Pads und Kapseln, und zwar mit einer normalen Röstung.

Petra und Stefano sind die Besten

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Ärgerlich: Bei den Senseos läuft heißes Wasser über, wenn man sie bei offenem Brühkopf aus Versehen einschaltet.

Sensorisch überzeugte der Kaffee aus den Maschinen von Petra und Stefano ganz besonders. Das Aroma war ohne Fehl und Tadel, die üppige Schaumhaube eine Zierde für das Auge: „sehr gut“. Auch an den meisten anderen Maschinen hatten die Verkoster geschmacklich nichts auszusetzen. Bei der Braun Tassimo gab es aber keinen Schaum. Ihr Getränk kommt einem klassischen Filterkaffee am nächsten, wenn man die Disc mit Jakobs Krönung nimmt. Wer Wert auf Schaum legt, muss zu anderen Tassimo-Discs greifen, zum Beispiel zu Tassimo Jacobs Caffè Crema.

Nur durchschnittlich schnitt der kleine Schwarze aus den beiden Melitta-Geräten ab. Am schlechtesten war aber die Portion Privat-Kaffee Guatemala Grande aus der Tchibo-Cafissimo. Das, was in langen 77 Sekunden in die Tasse fließt, riecht und schmeckt zwar kräftig, aber auch angebrannt, alt und rauchig, liegt metallisch, bitter und sauer auf der Zunge. Espresso aus der Cafissimo ist besser, wie sich im letzten Espressomaschinentest zeigte.

Wie stark der Kaffee in die Tasse fließt, ist bei Portionsgeräten durch Pad und Wasserdurchfluss vorgegeben. Trotzdem lässt sich die Kaffeestärke beeinflussen, indirekt über die Wassermenge. Bei einigen Maschinen kann man die fest eingestellte Tassenfüllung manuell auf den eigenen Geschmack trimmen. Manche Geräte merken sich das sogar. Einfach ist auch eine stufenlose Regelung wie bei Melitta My Cup E 901. Was immer geht: Die Maschine schon vor dem Brüh­ende ausschalten. So fließt weniger Wasser als vorgesehen durch, das Getränk wird stärker. Wer es schwächer mag, muss nachlaufen lassen. Das ist oft nur durch Tricksen möglich. Entweder man drückt ein zweites Mal auf den Ein-Tassen-Knopf oder schon von vornherein auf „Zwei Tassen“, falls vorhanden. Dann aber nicht noch einmal die kompletten 125 Milliliter durchlaufen lassen, natürlich auch nicht die vollen zwei Tassen. Das gibt Plörre. Blümchenkaffee entsteht natür­lich auch, wenn ein Pad doppelt benutzt wird. Der gehört ausgelaugt in den Biomüll, Kapsel und Disc in den Restmüll. Kapselmüll fällt bei Tchibo und Braun viel an. Erfindungsfreudige Tüftler haben deshalb die Tchibo-Kapseln sogar schon aufgemacht, entleert und mit losem Kaffeepulver eigener Wahl wiederbefüllt – Tintenstrahldrucker lassen grüßen!

Bei den T-Discs von Braun – das T steht für Tassimo – bringt das nichts, weil der Strichcode oben auf dem Deckel zerstört würde. Ohne den funktioniert die Maschine aber nicht, weil sie nicht mehr erkennen kann, welche Sorte Disc – Kaffee, Tee oder Schokolade – eingelegt wurde. Deshalb muss auch der Strichcodeleser im Gerät immer sauber sein.

Kauftipps

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In die Schublade der Petra Padissima passen die meisten runden Pads hinein.

Schnell und bequem sind die Portionsautomaten sicherlich. Abgesehen von der ziemlich lahmen Tchibo Cafissimo ist der Muntermacher in etwa 30 bis 45 Sekunden durchgelaufen. Das Aufheizen zuvor dauert auch nicht lange, zwischen rund 40 und 100 Sekunden. Vor der Kaufentscheidung sollte man sich trotzdem über einige grundsätzliche Dinge klar werden:

  • Mit einer systemgebundenen Maschine legt sich der Käufer auf bestimmte Pads oder Kapseln fest. Zwar haben alle Anbieter verschiedene Kaffeesorten im Programm. Wählen kann man aber nur innerhalb des gleichen Systems.
  • Kaffee aus Pad, Kapsel und Disc ist teurer als die klassische Tasse Filterkaffee. Die kostet nur rund fünf bis sechs Cent. Für die Betriebskosten der Portionsmaschinen, sprich für Strom, Wasser, Entkalken und Reinigen, muss man übrigens noch ein bis zwei Cent pro Tasse zusätzlich einkalkulieren.
  • Gefilterter Kaffee schmeckt manchen besser als Portionskaffee. Am besten lässt sich das vor dem Kauf bei Freunden ausprobieren.
  • Für Singles, die selten Besuch haben, mag das Ein-Tassen-Gerät ausreichen. Über Modelle, die gleichzeitig zwei Tassen aufbrühen, freut sich auch der Gast.
  • Wer seinen Muntermacher „weiß“, also mit Milch genießt, sollte darauf achten, dass das Portionsgetränk möglichst heiß aus der Maschine kommt. Mehr als 80 Grad Celsius hatte der Kaffee aus den Modellen Petra Padissima, Stefano Padova und Philips Senseo Standard.

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