Kaffee­maschinen Test

Espresso aus Kapseln oder lieber Kaffee aus Pads? Für beide Vorlieben gibt es prima Maschinen – aber auch solche mit Macken.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Portionskaffeemaschinen.

„Nespresso. What else?“, säuselt George Clooney in die Kamera. Was sonst? In der Hand hält er eine dampfende Tasse. Der Hollywood-Beau wirbt für Nespresso: bunte Metall­döschen und elegante Maschinen, die auf Knopf­druck Espresso brühen. Die Marke setzt auf Coolness und Luxusimage. Beim Kaffee­trinken soll sich der Kunde wie ein Film­star fühlen.

Doppelsieg für Nespresso

Kaffee­maschinen Test

„What else?“ – gibt es wirk­lich nichts außer Nespresso? Doch, sagt die Konkurrenz. Die einen setzen ebenfalls auf Maschinen, die Kapseln schlu­cken, die anderen auf solche für Pads – eine Art Teebeutel mit Kaffee. Ein Dutzend Rivalen treten im Test gegen zwei Auto­maten des Clooney-Konzepts an: sechs Geräte für Kapseln, sechs für Pads.

Im Labor wird der Kaffee, den sie brühen, Sensorik­prüfungen unterzogen, die Maschinen müssen zeigen, wie sie sich im Alltag schlagen. Am Ende darf sich Mister Clooney freuen: Bei den Kapselgeräten stehen Krups Nespresso Citiz und De'Longhi Nespresso Pixie im Doppelsieg vereint auf der Bühne – beides Maschinen für die schi­cken Hülsen, für die er wirbt. Stimmt also: Nespresso – nothing else? Nicht ganz. Auch Tassimo Joy von Bosch sowie Krups Melody für Dolce-Gusto-Kapseln über­zeugen.

Bei den Padautomaten stößt ebenfalls niemand den Markt­führer vom Thron: Philips Senseo besetzt mit zwei Modellen Rang eins und zwei. Es sind sogar die einzigen guten Geräte für Beutel­kaffee im Test.

Kaffee oder Espresso

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Für Espressofans. Kapseln von Nespresso, illy und Starbucks – jede passt nur in „ihr“ Gerät.

Zwei Gruppen, zwei Sieger. Bleibt die Frage, wofür sich Kaffee­freunde entscheiden sollten: Nespresso oder Senseo? Zunächst kommt es auf die kulinarischen Vorlieben an. Beide Portions­systeme brühen recht unterschiedlichen Kaffee.

Aus Kapselgeräten rinnt typischer Espresso – klein, stark und mit einem feinen Kaffee­schaum, der Crema. Espresso braucht Druck. Mit 15 bis 19 bar pressen die meisten Maschinen das Wasser durch die Döschen. Die Wasser­menge lässt sich so einstellen, dass neben Espresso für Minitäss­chen auch ein verlängerter Lungo heraus­fließt (siehe Grafik oben). Filter­kaffee schmeckt jedoch anders. Wer den liebt, sollte zu einer Maschine für Pads greifen. Die baut nur wenig Druck auf (1 bis 2 bar) und brüht mit mehr Wasser als Kapselgeräte. Das Ergebnis entspricht eher traditionellem deutschen Kaffee, sieht aber etwas anders aus: Auch hier bildet eine feine Crema das i-Tüpfelchen des Muntermachers.

Lavazza schmeckt nur mittel­mäßig

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Für Kaffee­fans. Die Beutel sind günstig und kompostier­bar.

Padautomaten machen Kaffee, Kapselgeräte Espresso – diesen Unterschied müssen die Prüfer für das Herz­stück des Tests, die sensorische Prüfung, berück­sichtigen. Padmaschinen füttern sie stets mit einem Stan­dard-Kaffee­säck­chen: Senseo Classic. So können sie Unterschiede im Geschmack eindeutig auf die Geräte zurück­führen. Bei den Kapselrivalen funk­tioniert diese Methode nicht. Hier hat jeder Auto­mat seine speziellen Döschen. In den Cafissimo passen nur Tchibo-Hülsen, in den von Starbucks nur Verismo, in den von Bosch nur Tassimo. Gerät und Kapsel bilden eine Einheit. Deshalb wählen die Tester je System eine vergleich­bare, mittel­starke Espressoröstung. Die Muntermacher lassen sie sich frisch gebrüht und aus neutralen weißen Tassen auf der Zunge zergehen.

Bei den Kapsel­automaten ist das nicht immer ein Genuss. Der Lavazza-Espresso aus der AEG Favola Cappuccino schmeckt leicht metallisch, zudem deutlich bitterer und verbrannter als die sensorisch Guten. Auch aus der Maschine mit den teuersten Hülsen im Test (45 Cent) läuft nur mittel­mäßiger Espresso: Der kleine Schwarze von FrancisFrancis schmeckt stärker verbrannt als die Konkurrenz und säuerlicher. Getränke aus den Nespresso-Geräten über­zeugen dagegen durch intensives und stark geröstetes Aroma. Auch die Crema ist bei beiden feinporig, fest und beständig.

Fast durchweg positiv fällt der Sensoriktest bei den Padmaschinen aus. Alle brühen starken Kaffee ohne störende Fremdaromen. Die Crema kann durch­aus mit der Kapsel­konkurrenz mithalten, besonders die von Inventum und WMF. Nur bei der Aktions­ware von Aldi schwimmt ein kleiner Haufen blasser Bläschen in der Tasse.

Kapseln verhaken sich

Beim täglichen Gebrauch offen­baren fast alle Maschinen Macken. Die Tester zapfen aus jeder 320 Muntermacher. Das simuliert eine Nutzung von mehreren Monaten. Mal verhaken sich Kapseln, mal bleiben nasse Kaffee­säck­chen im Träger kleben, mal tropfen die Düsen noch lange vor sich hin.

Braune Brühe tropft heraus

Vor allem die Padautomaten schwächeln. Bei jedem zweiten sind die Mängel mehr als lästig. Ganz schöne Sauereien verursacht etwa die Maschine von Petra: Häufig tropft braune Brühe aus der Beutel­schublade und landet neben der Tasse. Oder Kaffee fließt in den Wasser­tank zurück, Pads bleiben stecken. Ähnliche Mätz­chen machen auch Aldi Lifetec und WMF.

Tipp: Abge­sehen vom Putz­aufwand bei kleckernden und tropfenden Modellen sind Portions­maschinen äußerst wartungs­arm. Ab und zu entkalken, viel mehr ist nicht erforderlich. Nur wer Kapseln oder Pads mit Milch­produkten verwendet, sollte Träger und Düsen danach gründlich reinigen, damit sich keine Keime fest­setzen.

Latte macchiato aus Milch­pulver

Einige Hersteller bieten Döschen oder Beutel für die Zubereitung von Latte macchiato und anderen Kaffee­spezialitäten mit Milch an. Mit den Zutaten der italienischen Vorbilder haben sie nicht viel gemein. Tassimos Latte macchiato besteht aus einer Kapsel mit Espresso sowie einer zweiten mit einem flüssigen Milch­konzentrat, das an süße Kondens­milch erinnert. Starbucks Verismo setzt auf Hülsen mit Milch­pulver; die Maschine macht daraus ein geschäumtes Getränk. Anschließend Espresso oben­drauf, fertig ist der Latte. Für Padgeräte werden fertig gemischte Kaffee-Milch­pulver-Beutel angeboten. Zum Beispiel Café Latte von Senseo. Ein Blick auf die Zutaten­liste verrät: Neben Kaffee- und Milch­pulver enthält das Päck­chen Zucker, Fett, Trenn­mittel und künst­liche Aromen.

„Wie gefärbtes Wasser mit Schaum“

Was sagt ein Kaffee­profi zu solch einem „Latte macchiato“ aus Portions­maschinen? Joachim Kühne, Barista-Ausbilder an der Berlin School of Coffee, hat ihn für uns verkostet. Schon optisch über­zeugt das Getränk aus einer Milch­pulver-Kapsel Kühne nicht. Die Schaumhaube besteht aus groben Bläschen und zerfällt rasch. Schlimmer ist allerdings der Geschmack. Nach dem zweiten Schluck verzieht der Experte das Gesicht. „Jetzt wirds eklig“, sagt er. „Viel zu süß und künst­lich. Das ist kein Latte macchiato.“ Die nächste Tasse, gefüllt mit Milch­konzentrat aus einer Kapsel, riecht und schmeckt leicht nach verbranntem Gummi, „wie ein geplatzter Fahr­radreifen.“ Möglicher­weise ist der Zucker im Döschen beim Brühen verbrannt.

Auch das Mixgetränk aus einem Pad fällt bei Joachim Kühne durch. „Das ist wiegefärbtes Wasser mit einer Schaumkrone. Sehr getreidig. Mit verbundenen Augen würde ich nicht drauf kommen, dass das Kaffee sein soll.“ Den Testern im Prüf­labor bleiben solche Getränke erspart. Sie konzentrieren sich auf die Unter­suchungen mit Kaffee und Espresso.

Tipp: Echten Latte macchiato bereitet der Barista mit frischer Voll­milch zu. Das funk­tioniert auch mit einem Kapselgerät: Milch aufschäumen, in eine Tasse geben, anschließend Espresso darauf­fließen lassen.

35 Euro für ein Pfund Espresso

Kaffee für Padmaschinen ist deutlich güns­tiger als der für Kapsel­automaten. Eine Tasse, gebrüht aus dem Senseo-Beutel, kostet etwa 13 Cent – macht rund 9 Euro das Pfund. Nespresso-Fans müssen rund 35 Euro pro Pfund hinblättern. Die Hülsen von Illy und Starbucks sind noch teurer. Groß sind auch die Preis­unterschiede bei den Maschinen. Die güns­tigste gute für Pads, Philips Senseo HD 7825, kostet 76 Euro. Die Kapseltestsieger sind für knapp 150 Euro (Krups Nespresso Citiz) und für 108 Euro (De'Longhi Nespresso Pixie) zu haben.

Zwangsehe mit dem Anbieter

Die große Kaffee­auswahl ist ein weiterer Vorteil der Padautomaten. Weil die runden Beutel eine Stan­dard­größe haben, passen alle dafür angebotenen Röstungen in jedes beliebige Gerät. Anders die Kapsel­konkurrenz: Hier baut jeder Anbieter seine Portions­hülsen etwas anders. Der Kunde geht eine Art Zwangsehe mit dem System des Herstel­lers ein, für das er sich entscheidet.

Starbucks vertreibt für seine Verismo nur drei verschiedene Espressoröstungen. Abwechs­lung sieht anders aus. Für die Anbieter ist die Kundenbindung äußerst lukrativ. Wohl auch mangels Konkurrenz kostet der Kapsel­kaffee viel mehr als normaler Filter­kaffee. Seit der Patent­schutz für das erfolg­reiche Nespresso-System nicht mehr gilt, drängen mitt­lerweile zumindest dafür güns­tigere Portiönchen von Fremdanbietern auf den Markt.

10 000 Tonnen Kapsel-Müll

Auch in puncto Umwelt siegen die Pads: Sie bestehen aus Zell­stoff und sind kompostier­bar. Die meisten Kapseln sind aus Plastik, oft noch einzeln in Folie einge­packt. Nespresso verkauft Hülsen aus Aluminium, für deren Herstellung extrem viel Energie gebraucht wird. Im vergangenen Jahr landeten in Deutsch­land 10 000 Tonnen Kapseln auf dem Müll.

Fazit im Vergleich der Systeme: Gute Geräte gibt es auf beiden Seiten, ebenso Vor- und Nachteile. Für Umwelt­bewusste, für Freunde des deutschen Kaffees sowie für Vieltrinker sind Padautomaten eine gute Wahl. Anhänger von Espresso und Latte macchiato greifen besser zur Kapsel, Fans von George Clooney womöglich auch. What else? Wer den starken Schwarzen mag, sich bei den Sorten aber nicht einschränken lassen will, nimmt vielleicht lieber eine klassische Espresso­maschine.

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