Drei Fragen an Dr. Birgit Rehlender

Kaffee­kapseln Test

Dr. Birgit Rehlender ist Projektleiterin bei der Stiftung Warentest und dort für Lebens­mittel­tests zuständig.

Birgit Rehlender hat als Projektleiterin die aktuelle Unter­suchung zu Kaffee­kapseln betreut. Im Gespräch mit test.de erklärt die promovierte Lebens­mittel­chemikerin, wodurch sich guter Kaffee auszeichnet, welche Schad­stoffe im Kaffee nachgewiesen wurden, und womit Besitzer einer Nespresso-Maschine rechnen müssen, wenn sie statt des Originals güns­tigere Nach­ahmer-Kapseln kaufen.
Mehr Antworten zum Thema: FAQ Kaffee und Kaffeemaschinen.

Was macht guten Kaffee aus?

Mit den geprüften Kapseln im Test lassen sich Caffè Crema, Kaffee Lungo oder einfach nur Kaffee zubereiten. Mit Ausnahme des Kaffees zeichnen sich diese Kaffee­getränke durch eine braunmelierte, stabile Schaumkrone, deutliche Röstnoten und ein kräftiges Aroma aus. Ein sensorisch guter Kaffee darf keine Fehler haben, etwa nach feuchter Pappe riechen oder schme­cken.

In jedem Kaffee wurden Schad­stoffe nachgewiesen. Als wie gefähr­lich sind diese einzuschätzen?

Wir haben auf viele Schad­stoffe geprüft. Dabei wurden wir bei jedem Kaffee fündig, stellten aber keine besorgnis­erregenden Gehalte fest. Schimmelpilzgift, Schwer­metalle, Arsen, Mineralöle und Aluminium fanden wir – wenn über­haupt – allenfalls in Spuren. Von zwei Stoffen, die stets beim Rösten entstehen, wiesen wir mehr nach: Im Kaffee­mehl aller 14 Produkte analysierten wir Acrylamid. Es gilt für den Menschen als möglicher­weise krebs­er­regend. Zwei Produkte waren vergleichs­weise hoch belastet, über­schritten aber nicht den EU-Richt­wert. Auch Furan, eine Aroma­komponente, kam in jedem Kaffee­mehl vor und ließ sich noch in den zubereiteten Getränken nach­weisen. Experten halten Furan ebenfalls für möglicher­weise krebs­er­regend, allerdings sieht das Bundes­institut für Risiko­be­wertung derzeit kein akutes Risiko.

Wie steht es um die Kompatibilität der Kapseln: Kann es sich für Besitzer einer Nespresso­maschine lohnen, anstelle von Originalkapseln güns­tigere Imitate zu verwenden?

Wir haben sechs Nach­ahmer-Kapseln in die Unter­suchung einbezogen und in Maschinen für das Nespresso-System ausprobiert. Die Kapseln von vier Anbietern werden von den Auto­maten nahezu problemlos geschluckt, während zwei Kapselmarken häufig Probleme bereiteten: Entweder werden die Kapseln nicht richtig angestochen und verformen sich im Gerät oder es fließt wenig Kaffee in die Tasse, dafür viel Flüssig­keit in die Abtropf­schale. Einige Nach­ahmer-Kapseln machen Nespresso durch­aus auch geschmack­lich Konkurrenz, aber nur zwei erreichten ein gutes test-Qualitäts­urteil.

Mehr Antworten zum Thema: FAQ Kaffee und Kaffeemaschinen.

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