Kaffee-CSR Test

Wer beim Kaffeetrinken auch an die Kaffeebauern und die Umwelt denkt, der sollte Transfair- oder Biokaffee kaufen. Viele klassische Anbieter engagieren sich hierfür kaum.

Zwischen Kaffeebauern und Kaffeetrinkern liegen Welten. Die einen pflücken die Bohnen, etwa im mexikanischen oder äthiopischen Hochland, und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt. Die anderen genießen den Kaffee morgens oder nachmittags und leben meist in Westeuropa oder Nordamerika. Die Kaffee­händler können zwischen diesen Welten Brücken bauen. Doch wollen sie das? Und tun sie es auch? Wir haben das soziale und ökologische Engagement (Corporate Social Responsibility, CSR) der 19 Kaffeeanbieter aus dem Warentest überprüft (siehe Test Röstkaffee).

Der Durchblick bei Bio und Fairtrade

Kaffee-CSR Test

Kaffee ist nach Erdöl das zweitwichtigste Handelsgut. Er wird in rund 80 Ländern angebaut. Etwa 25 Millionen Menschen leben davon, so wie Farmer Cirilo Pedraza in Peru. Geerntet wird der Kaffee ein- bis zweimal im Jahr.

Schnell wurde klar: Im Kaffeegeschäft prallen zwei Philosophien aufeinander. Die meisten sehen Kaffee nur als Rohstoff, den man günstig über Händler oder die Börse einkauft. Wer genau dahintersteht, das wissen sie nicht. Die anderen wissen es umso besser, kennen Genossenschaften vor Ort und überblicken die Produktionskette. Die anderen, das sind die Anbieter der Bio- und Fairtrade-Kaffees. Sie können ihren Einsatz für Mensch und Umwelt am überzeugendsten belegen: Alnatura, Gepa, Ulrich Walter, Aldi (Süd) und Darboven sind „stark engagiert“, Lidl „engagiert“. Doch lässt sich auch herkömmlicher Kaffee zurückverfolgen? Das gelang ausgerechnet nur Discounterkönig Aldi (Nord). Alle anderen zeigen hier meist nur „bescheidene CSR-Ansätze“.

Die Verweigerer der Kaffeebranche

Kaffee-CSR Test

Reife Kaffeekirschen werden in mehreren Schritten weiterverarbeitet. Erst wird das Fruchtfleisch gelöst, um an die Bohne zu kommen. Diese werden in Gärtanks oder auf dem blanken Boden getrocknet.

Schon im Vorfeld kritisierte der Deutsche Kaffeeverband unsere CSR-Kriterien als unsachgemäß. Und drei Firmen verweigerten genauere Auskünfte: Melitta, Röstfein und Tempelmann. Ahnten sie, dass ihre Werbung nicht der Realität standhält? „Aus den besten Anbaugebieten der Welt“ – steht auf fast jeder Packung und gibt den Eindruck, Anbieter kennen ihre Kaffees nur zu gut.

Unbeeindruckt davon verfolgten wir die Produktionskette zurück. Die Wege führten zuerst zu den Firmenzentralen oder Röstereien. Neun Anbieter sind zugleich Röster und sitzen oft in Berlin. Die anderen arbeiten mit Lohnröstereien. Auffällig: Zwei Drittel der Röstereien konnten ihren Einsatz für Mitarbeiter nicht oder nur schlecht belegen, gerade bei den Themen Mindestlohn, Gesundheits- und Arbeitsschutz.

Kaffeemischungen aus 19 Ländern

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Dann werden sie poliert und in Anlagen nach Größe und Form sortiert. Ohrschutz und Staubmasken lehnen die Arbeiter wie hier in Honduras meist ab.

Als Nächstes sollten die Anbieter beweisen, woher die Bohnen kommen. Keine leichte Aufgabe, denn die meisten Röstkaffees sind Mischungen aus Bohnen von fünf bis zehn Anbaugebieten. So enthält der Markus Kaffee von Aldi (Nord) Bohnen aus Brasilien, El Salvador, Kenia, Kolumbien und Peru. Hinter den 31 Kaffees machten wir insgesamt 19 Länder ausfindig. Alle „stark engagierten“ und „engagierten“ Anbieter führten uns zum Ursprung. Wir besuchten jeweils die Plantage oder Genossenschaft aus Kleinbauern (Kooperative), die anteilig die meisten Bohnen lieferte: Brasilien bei Aldi (Nord), Honduras bei Aldi (Süd), Peru bei Darboven und Lidl, Guatemala bei Gepa, Mexiko bei Alnatura und Ulrich Walter.

So sieht es in den Kooperativen aus

Fünfmal kamen wir zu Kooperativen, wo Bauern gemeinsam wirtschaften. Alnatura, Gepa, Ulrich Walter und Aldi (Süd) zeigen dort für die Umwelt hohen Einsatz. Sie engagieren sich auch für die Bauern, wegen fehlender Sozialversicherung vergaben wir hier aber weniger Punkte. Fairtrade oder Bio heißt also nicht gleich versichert. Ein anderes Problem ist, dass die Bauern den Schutz vor Lärm und Staub ablehnen.

Den besten Eindruck hinterließen die Kooperativen von Darboven und Lidl in Peru. Hier ist sowohl das Engagement für die Umwelt als auch für die Menschen hoch. Im Gegensatz zu anderen Ländern schreibt das Gesetz in Peru eine Sozialversicherung vor.

Die Plantage in Brasilien, von wo Aldi (Nord) den Kaffee bezieht, offenbarte Mängel, besonders bei Wohnräumen für Saisonarbeiter: unhygienische Matratzen und Waschmöglichkeiten, schlechte Belüftung.

Faire Preise für die Kaffeebauern?

Kaffee-CSR Test

Die Verwalter der Kooperativen sprachen offen über Löhne und Kosten. Das Geld, das Bioverbände und fairer Handel über dem Marktpreis zahlen, kommt vor Ort an. Der faire Handel wirkt dem schwankenden Kaffeepreis entgegen: Pro Pfund Arabica erhalten Bauern mindestens 1,25 US-Dollar. Ist der Weltmarktpreis hoch, so wie jetzt, werden 10 US-Cent darüber gezahlt. Reich macht es nicht, aber das Leben wird stabiler.

Der Anteil, der bei konventionellem Kaffee bleibt, ist deutlich geringer (siehe Infografik). Und wurde immer weniger, wie die britische Entwicklungsorganisation Oxfam am Beispiel von Bäuerinnen aus typischen Produktionsländern berechnete: Vom Verkaufspreis eines konventionellen Kaffees bleiben heute 6 Prozent, früher waren es über 30 Prozent. Noch ist Bio- und Fairtrade-Kaffee zu knapp, um ihn breit anzubieten.

Kraft Foods und Tchibo enttäuschen

Schwach ist das Engagement von Kraft Foods und Tchibo: Nur „bescheidene Ansätze“ stehen hinter Klassikern wie Jacobs Krönung oder Eduscho Gala Nr. 1. Die Ursprungsplantagen konnten oder wollten sie nicht benennen – betonen in Broschüren oder Fernsehspots aber ihre Nachhaltigkeit.

Auch ihre Mitgliedschaft in der 4C-Initiative half nicht weiter. 4C steht für „Common Code for the Coffee Community“ und will Basisstandards im Kaffeeanbau schaffen (siehe „Zertifizierter Kaffee“). Es ist schwer nachzu­vollziehen, was konkret vor Ort geleistet wird. Ob und wie viel 4C-Kaffee in den getesten Produkten steckt, konnten weder Kraft noch Tchibo sagen – ebenso wenig andere Mitglieder wie Dallmayr, Lidl, Melitta.

Bis zum Importeur und nicht weiter

„Bescheidene CSR-Ansätze“ heißt es auch für Dallmayr, Edeka, Kaiser’s Tengelmann, Metro, Norma, Rewe, Rossmann. Sie gaben wenig preis. Viele argumentierten, per Gesetz müsse der Kaffee nur bis zur nächsten Stufe zurückverfolgt werden, maximal bis zum Importeur. Bei CSR geht es aber um mehr.

Dallmayr bezieht einen Großteil seines Kaffees aus Äthiopien. Auf der Packung des Ethiopia wirbt er für das Aufforstungsprogramm von „Menschen für Menschen“. Im Kern sicherlich eine gute Sache, mit dem Kaffeeanbau hat es aber wenig zu tun.

Die Discounter werden offener

Höheres Engagement zeigen die Discounter Aldi und Lidl. Erstmals durften wir sie am Firmensitz besuchen. Sie waren transparent, profitieren aber vom Durchblick ihrer Bio- und Fairtrade-Lieferanten. Beim konventionellen Kaffee mussten sie aber außer Aldi (Nord) passen. Der Einsatz für deutsche Arbeiter, häufig angeprangert, ist eher durchschnittlich. Arbeitnehmervertretungen gibt es oft nur in der Verwaltung.

Was die Anbieter für die Umwelt tun

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Auch in puncto Umweltschutz haben die Bio- und Fairtrade-Anbieter die Nase vorn. Sie engagieren sich alle stark, indem sie beispielsweise auf synthetische Pestizide verzichten oder nach dem Kreislaufprinzip Pflanzenreste kompostieren und als Dünger einsetzen. Auch wo wir keine Plantagen sahen, vergaben wir oft zwei Umweltpunkte – für Anbieter, die den Kaffee auf Schadstoffe wie Schimmelpilzgifte prüfen.

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