Musik spielt in jedem Raum – zentral gesteuert und per Funk. Das neue Musik­erlebnis beein­druckt, fordert aber auch tech­nisch heraus.

Freddie Mercury ist über­all. Im Bad vertreibt er die Zeit beim Zähneputzen. In der Küche singt er, während das Spiegelei brutzelt. Auch zur Steuererklärung im Büro träl­lert er seinen legendären Song. Und erst recht im Wohn­zimmer. „It’s a Kind of Magic“ erklingt in allen Räumen gleich­zeitig – ohne CD-Spieler, ohne Radio. Moderne Audio­technik machts möglich.

Vorbei die Zeit, als in jedem Zimmer eine Anlage stehen musste, um Musik hören zu können. Jetzt wird gestreamt, und zwar wireless. Wie bitte? Die Rede ist von digi­taler Musik, die ohne Kabel, eng­lisch wireless, per Funk über­tragen wird. Von Raum zu Raum. Mithilfe drahtloser Laut­sprecher. Streaming heißt der Daten­transfer zu den Boxen.

Vier kabellose Audio­systeme haben wir getestet – von uns exemplarisch zusammen­gestellte Einsteigersets. Sie bestehen aus einem drahtlosen Laut­sprecher oder Stereo­boxenset und einem Verbindungs­gerät für eine herkömm­liche Stereo­anlage. Eigentlich genügen die Laut­sprecher, um Musik im ganzen Haus zu hören. Manch einer will aber auch eine alte Stereo­anlage weiter nutzen. Das geht mit dem Verbindungs­gerät. Unser Test­szenario: Im Wohn­zimmer spielt die vorhandene Stereo­anlage nicht mehr nur CDs ab, sondern auch Musik, die sich zum Beispiel auf dem Computer im Heimbüro befindet. In einem zweiten Raum ertönt die Musik zusätzlich aus einem drahtlosen Laut­sprecher.

Mit von der Partie sind die Anbieter Apple, Loewe, Medion, Philips, Sonos und Teufel. Ein Qualitäts­urteil haben wir nicht vergeben. Zu unterschiedlich sind die Technologien für den direkten Vergleich. Den besten Klang liefert Teufel, am leichtesten bedienen lassen sich Sonos und Airplay. Doch nicht jedes System spielt Titel zeitgleich in mehr als einem Raum.

Nichts für Technikmuffel

Fern­gesteuert. Per Tablet und Funk gelangt Musik in jeden Raum.

Musikliebende Technikmuffel dürfte die neue Art des Hörens vor Heraus­forderungen stellen. Schon die Wort­wahl in der Wireless-Audio-Welt befremdet. Nicht CD-Spieler oder Stereo­anlage bringen die Titel zum Laufen. Play, Airspeaker, Streaming Adapter oder Connector heißen die Komponenten. Es handelt sich um Funk­laut­sprecher und Verbindungs­geräte, die eine alte Stereo­anlage ins System aufnehmen.

Abge­sang auf die CD

Stereo­anlage – das waren noch Zeiten! Die Musik­welt ist längst keine Scheibe mehr. Mercury, Mozart und all die anderen verlassen ihren Platz auf CDs und Schall­platten. Ihre Titel liegen als digitale Dateien auf dem Computer, Smartphone, Tablet-PC, einer externen netz­werk­fähigen Fest­platte oder im welt­weiten Netz. Zum Beispiel bei einem Musik­dienst im Internet.

Wer seine Lieblings-CDs am Computer in Dateien umwandelt, kann die Songs auch in eine Cloud laden. Aus diesem Internetspeicher lassen sie sich – von Abba bis Zappa – jeder­zeit von über­all abrufen.

Außerdem trans­portieren die Audio­systeme aus dem Internet Radio­sender aus aller Herren Länder in die Wohnungen.

Synchron in jedem Raum

Wie aber kommt Freddie Mercury nun zum Zähneputzen ins Bad? Ein Router bittet ihn hinein. Dieses Gerät verbindet alle Teile des Audio­systems zu einem lokalen Netz­werk (WLan), das Daten austauschen kann – via Funk. Etwa so: Der Queen-Song „A Kind of Magic“ ist auf einer Netz­werk­fest­platte gespeichert. Von dort holt sich der drahtlose Laut­sprecher im Bad per Funk die Datei und spielt sie ab. Tun es ihm andere Laut­sprecher in weiteren Räumen gleich, erklingt der Titel synchron im ganzen Haus. Um auf Musik aus dem Internet zuzugreifen, bindet der Router alle netz­werk­fähigen Geräte an einen Internet­zugang an.

Soll auch eine vorhandene Stereo­anlage mitspielen, wird ein Verbindungs­gerät nötig – wie von uns getestet. Es versorgt die Anlage mit Musik aus dem Netz­werk.

Kommandos übers Smartphone

Fernbedienung. Via App auf dem Tablet wirddie Musik ausgewählt und zum Klingen gebracht.

Wie von Zauber­hand spielt nichts. Der Nutzer steuert das Audio­system über Tablet oder Smartphone – meist mit speziellen kleinen Programmen, den Apps. Spaß macht das mit den Apps „Controller“ von Sonos und „Raum­feld“ von Teufel. Musik­samm­lungen kann der Anwender in eigenen Abspiel­listen sortieren und filtern. Die Apps vereinen auch Titel verschiedener Quellen wie Musik­dienst, Fest­platte oder Cloud auf einer Liste.

Karibik in der Küche, Jazz nebenan

Praktisch: Unterschiedliche Abspiel­listen lassen sich mit den Apps „Controller“ und „Raum­feld“ parallel in verschiedenen Räumen hören. Im Kinder­zimmer ertönt das Hörbuch vom Grüffelo, gleich­zeitig läuft in der Küche ein karibischer Internet­radio­sender und im Wohn­zimmer jazzt Miles Davis aus der Cloud. Apples iPhone und iPad steuern das Airplay-System ohne App. Es lässt sich dank über­sicht­lichem Menü leicht bedienen.

Starke Familien­bande

Vier Audio­systeme, vier tech­nische Lösungen. Auf geschlossene Systeme setzen der amerikanische Netz­werk­musik-Pionier Sonos und der deutsche Laut­sprecher­hersteller Teufel. Verschiedene Audiogeräte aus dem eigenen Sortiment können miteinander verbandelt werden. Teufel lässt offiziell andere Anbieter zu, deren Produkte funk­tionieren inner­halb des Teufel-Systems aber nicht reibungs­los. Im Test gab es Aussetzer in der Wieder­gabe, Geräte wurden nicht zuver­lässig erkannt, die Verbindung brach unver­mittelt ab.

Was bei Apples Airplay mager ist

Auch Apple fordert eine mono­game Beziehung von seinen Kunden. Seine Über­tragungs­technik Airplay ist exklusiv an das eigene Betriebs­system iOS oder die Software iTunes gebunden. Dafür erkennen sich Airplay-Geräte inner­halb eines Netz­werks – ohne Hilfs­mittel wie Apps. Über­all gleich­zeitig Musik abspielen ist ihre Sache nicht. Airplay beschallt via Smartphone und Tablet nur einen bestimmten Laut­sprecher. Das ist mager. Drittanbieter verkaufen Apps, um mehrere Zimmer zeitgleich zu versorgen.

Airplays Gegen­spieler heißt dlna

Airplays Gegen­spieler ist der Über­tragungs­stan­dard dlna, den viele interna­tionale Anbieter von Audiogeräten verwenden. Die Auswahl an kompatiblen Geräten ist deutlich größer. Für die Wieder­gabe in mehreren Räumen sind dlna-Audio­komponenten geeignet – nur nicht alle. Das Gerät von Medion hält es so altba­cken wie Airplay: ein Song in einem Raum.

Sonos und Teufel perfekt für Partys

Aus unserem Test verteilen lediglich Sonos und Teufel Musik parallel in viele Zimmer. Sonos gelingt das richtig gut. Räume können sogar gruppiert werden. Das heißt, im Büro, in der Küche und im Bad läuft dasselbe Album, im Wohn­zimmer etwas anderes. Auch synchron erklingen die Lieder in jedem Zimmer – perfekt für Partys. Grund zum Feiern gibt auch Teufel. Hier funk­tioniert alles wie bei Sonos. Nur nicht so komfortabel. Zum Beispiel gruppiert das Teufel-Set zwar Räume, kann eine Gruppierung aber nicht dauer­haft speichern.

Der Klang stimmt

Den besten Klang bescheinigen unsere Tester dem Teufel-System. Auch wenn die Musik vom Computer oder aus dem Internet kommt, muss der Sound nicht leiden. Der steht und fällt mit dem Laut­sprecher. Und Laut­sprecher sind Teufels Spezialität. Ausgewogen und neutral klingen die Töne, die aus Teufels Raum­feld Speaker M dringen. Teufel liefert diesen Laut­sprecher nur im Doppel als Stereo­pack. Auch die Boxen von Philips und Loewe schneiden gut ab, befriedigend klingt der Laut­sprecher von Sonos.

Alter CD-Player spielt mit

Technik von gestern lässt sich in drahtlose Systeme integrieren. Mithilfe der Verbindungs­geräte spielt die herkömm­liche Stereo­anlage in unserem Test Musik aus dem Netz­werk ab. Das wars. Sonos und Teufel können mehr. Ihre Verbindungs­geräte besitzen Audio­eingänge, in die Anwender alte CD-Player und Platten­spieler per Kabel einstöpseln können. Das heißt, auch Lieder von CDs und Platten sind in weiteren Räumen zu hören. Das geht bei Airplay nicht, bei dlna nur mit wenigen Geräten.

Ständig unter Strom

Die Tester haben am Computer ein größeres Daten­paket herunter­geladen, während gleich­zeitig Internet­radio lief. Es gab keine Verzögerungen, alles lief flüssig. Ins Stocken gerät die Euphorie etwas, wenn es um den Strom­verbrauch der Netz­werk­geräte geht. Vor allem im Netz­werk­standby sind die Sets zum Teil sehr stromhung­rig.

Alle Geräte bleiben in Bereitschaft, damit sie übers Netz­werk einge­schaltet werden können. So ziehen sie permanent Strom. Wenig Strom verbraucht nur Apples Airplay-System. Voll­ständig ausschalten lässt sich einzig das Laut­sprecherset von Teufel.

Sorg­sam auswählen

Tanz’ Mariechen. Klassische Klänge ertönen im Kinder­zimmer, nebenan hören die Eltern Rock.

Im ganzen Haus gleich­zeitig rocken – das klappt also nur mit Sonos und Teufel. Sonos lockt mit leichter Bedienung, Teufel mit bestem Klang. Die preis­wertere Alternative sind dlna-Geräte, sie sollten aber sorgfältig ausgewählt werden. Nicht alle spielen zeitgleich Songs in mehreren Räumen. Besitzer eines iPhones oder iPads, die ihre digitale Musik ohnehin lediglich in einem Raum hören wollen, landen bei Airplay. Auf Internet­radio oder -musik­dienste greift die Apple-Technik aber nicht direkt zu. Apps sind erforderlich. Für alle Systeme gilt: Einen Draht zu moderner Technik sollte der Nutzer haben, damit es funkt.

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