Interview mit Mandy Beitrag: „Auf der faulen Haut liegen – nicht mein Ding“

Junge Leute und Finanzen Special

Mandy Beitrag (25), besucht im zweiten Ausbildungsjahr das Oberstufenzentrum für Wirtschaft und Verwaltung in Potsdam. Sie gehört in ihrem Jahrgang zu den älteren Auszubildenden, da sie zuvor bereits eine Banklehre begonnen hatte.

Warum haben Sie die Banklehre abgebrochen und sich für die Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen entschieden?

Die Ausbildung zur Bankkauffrau war nichts für mich. Das habe ich ziemlich schnell gemerkt. Die geregelten Arbeitszeiten von 8 bis 16 Uhr und immer nur Kunden, die schlecht drauf sind. Außerdem hatte ich kaum die Möglichkeit, eine Bindung zu den Kunden aufzubauen. Als Kauffrau für Versicherungen ist das ganz anders: Jetzt bin ich bei den Kunden zu Hause und lerne viele Lebensgeschichten kennen. Natürlich sind das nicht nur tolle Geschichten, sondern auch traurige. Aber ich begleite die Leute eine Zeit lang. Und das ist schön und das, was mich an dem Job so reizt.

Wäre ein Studium für Sie eine Alternative gewesen?

Ja, ich hätte gerne studiert, aber ich wollte kein Vollzeitstudent sein. Den ganzen Tag auf der faulen Haus liegen, ist nicht so mein Ding und dazu kam die finanzielle Aussicht. Klar, hätte ich die Möglichkeit gehabt, Bafög zu beantragen und ich hätte bestimmt auch den Höchstsatz gekriegt, weil meine Eltern finanziell nicht so betucht sind. Aber wer will denn bitteschön am Ende noch mal 20 000 Euro oder 30 000 Euro zurückzahlen, wenn er fertig ist?

Sie sind mit 17 ausgezogen – bekommen momentan etwa 800 Euro Ausbildungsgehalt. Kommen Sie damit über die Runden?

Ich muss schon rechnen: Wohnung, Miete, Essen, die ganzen Versicherungen – dann natürlich das Auto. Für mich ist ein Auto einfach Voraussetzung und dafür muss ich monatlich am meisten Geld ausgeben. Ich kriege noch ein bisschen staatliche Förderung im Sinne von Berufsausbildungsbeihilfe; es geht irgendwie.

Freuen Sie sich auf den Berufseinstieg, wenn Sie endlich mehr Geld verdienen oder machen Sie sich darüber noch keine Gedanken?

Ich denke schon daran; ich bin ja auch schon ein bisschen älter als die anderen. Wenn ich mit der Ausbildung fertig bin, bin ich 27 und dann wird es für mich langsam Zeit, auch an andere Sachen im Leben zu denken. Mit 30 fängt schließlich die biologische Uhr an zu ticken.

Finden Sie den Lohn angemessen, den Sie für Ihre Arbeit später bekommen werden?

Ja, ich denke schon. Wenn ich in die beste Gehaltsgruppe einsteige, bekomme ich knapp 2 500 Euro brutto im Monat. Und dann kommen noch Prämien hinzu. Ich habe einen Job, in dem ich selber entscheiden kann, wie viel ich verdienen will.

Ist Ihnen Geld wichtig?

Es ist mir schon wichtig, dass ich mir im Leben was leisten kann. Und das muss alles finanziert werden. Eine Wohnung muss finanziert werden, ein Auto muss finanziert werden. Und dass ich in den Urlaub fahren kann oder am Wochenende was machen kann – das muss auch alles finanziert werden.

Wofür geben Sie am meisten Geld aus?

Abgesehen davon, dass ich natürlich meine ganzen Kosten zahlen muss wie Wohnung und so weiter, gebe ich – wie jede Frau wahrscheinlich – viel Geld aus für Klamotten und Kosmetika. Es ist mir wichtig, dass ich ein authentisches und seriöses Auftreten habe. Schließlich verkaufe ich mich als Mensch in diesem Beruf auch mit.

Machen Sie sich Gedanken über Ihre Altersvorsorge?

Ja klar! Ich gehe nicht davon aus, dass ich noch viel aus der gesetzlichen Rente bekommen werde. Deshalb habe ich eine eine Privatrente und zahle auch in die Riester-Rente ein. Es sind jetzt noch gute 40 Jahre, die ich arbeiten muss. Wenn das dann vorbei ist, möchte ich auch meine Ruhe haben.

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