Jugendgirokonten Test

Wenn Kinder in die Schule kommen, sind sie alt genug, um den richtigen Umgang mit Geld zu lernen. Ein eigenes Girokonto ist bis zum Ende der Ausbildung meistens kostenlos.

Zwölfjährige am Geldautomaten? Warum nicht! Die Bankkunden können sogar noch jünger sein. Denn viele Kreditinstitute setzen für die Kontoeröffnung nach unten keine Altersgrenze. Sie wollen die Kunden von morgen möglichst früh an sich binden.

Finanztest hat 40 bundesweit arbeitende Kreditinstitute befragt, welche Bedingungen sie an die Kontoeröffnung von Minderjährigen stellen. Die Hälfte von ihnen setzt kein Mindestalter fest, bei sechs Instituten müssen die Kinder mindestens 7 Jahre alt sein. Bei jeweils acht Instituten sollen sie das 12. be­ziehungsweise 14. Lebensjahr vollendet haben. Die Direktbank 1822direkt und die Baden-Württembergische Bank eröffnen jungen Leute erst mit dem 16. Lebensjahr ein eigenes Konto.

Der beste Zeitpunkt

Wann der beste Zeitpunkt für die Kontoeröffnung des Nachwuchses ist, müssen Eltern selbst entscheiden. Vor dem 7. Lebensjahr dürfen Kinder weder Ein- noch Auszahlungen selbstständig vornehmen. So lange sind sie geschäftsunfähig und ein ­Girokonto ist kaum sinnvoll.

„Ein guter Zeitpunkt ist zum Beispiel, wenn das Kind in die Schule kommt“, sagt Gabriele Wichert, Pressespreche­rin beim Kinderschutzbund. „Es kann nicht früh genug sein, dass Kinder den richtigen Umgang mit Geld lernen. Allerdings sollten Sohn oder Tochter schon regelmäßig Taschengeld in die Hand bekommen haben, bevor sie ein Konto eröffnen. Sonst denken sie, dass das Geld aus der Wand kommt.“

Die monatlich vereinbarte Taschengeldsumme können Eltern dann per Dauerauftrag von ihrem Lohn- oder Gehaltskonto überweisen.

Die Kinder und Jugendlichen können das Konto fast genauso nutzen wie Erwachsene auch: Bargeld abheben, Geld auf ein anderes Konto überweisen oder auch einen Dauerauftrag zum Beispiel zum Sparen einrichten.

Eltern müssen zustimmen

Wollen Minderjährige ein Konto eröffnen, brauchen sie in jedem Fall die Zustimmung beider Elternteile. Nichteheliche Kinder und Kinder aus geschie­denen Ehen werden von den jeweils sorgeberechtigten Elternteilen vertreten. Am besten ist es, wenn Kind und Eltern gemeinsam zur Kontoeröffnung gehen. Die Eltern müssen den Personalausweis und die Kinder ihren Kinderausweis oder die Geburtsurkunde mitbringen.

Manchmal können sich die Minderjährigen die Zustimmung von den Eltern auch schriftlich geben lassen. Dazu gibt es Vordrucke bei den Kreditinsti­tuten, die man sich vor der Kontoeröffnung holen kann.

Kostenlose Kontoführung

Die Kontoführung ist in der Regel kostenlos. Und das nicht nur für Schüler. Auch Auszubildende, Studenten, Zivil- und Wehrdienstleistende bekommen bei den Kreditinstituten Sonderbedingungen und profitieren davon, solange sie diesen Status haben oder ein festgelegtes Höchstalter nicht überschreiten. Das liegt zum Beispiel bei der Hamburger Sparkasse bei 31 Jahren. Ihren Status müssen die jungen Kontoinhaber meistens regelmäßig nachweisen. Tun sie das nicht, kommt für sie nur ein anderes Kontomodell infrage.

Verzinste Guthaben

Zwei Drittel der untersuchten Institute verzinsen die Guthaben ihrer jungen Kunden ab dem ersten Euro. Die Spanne reicht von mageren 0,5 Prozent bis zu sehr guten 3 Prozent (Stand 1. Juni 2002). Die meisten Institute zahlen höchstens Zinsen, wie sie auf einem normalen Sparbuch gezahlt werden (1,5 Prozent, Stand 17. Juni 2002). Die 3 Prozent gibt es bei der Sparda Bank Essen beim Konto Sparda Young + vom ersten Euro an bis zu einem Guthaben von 1 499 Euro. Höher sollte das Guthaben des Jugendlichen auf diesem Konto nicht sein. Ab 1 500 Euro gibt es nämlich nur noch 1 Prozent Zinsen.

Kunden- und Kreditkarte

In den Leistungen der Kinder- und Jugendkonten ist eine so genannte Kundenkarte mit dazugehöriger Geheimzahl (Pin) enthalten. Damit können die jungen Bankkunden Bargeld am Geldautomaten abheben. Kostenlos geht das bei den Automaten aller Filialen der eigenen Bank und der zum Bankenverbund gehörenden Institute, sowohl im Inland als auch im Ausland. Wer Geld an Geldautomaten fremder Kreditinstitute zieht, muss dafür bezahlen.

Mit der Kundenkarte können die Jungen und Mädchen sogar im Handel per Electronic Cash (mit Karte und Geheimzahl) bezahlen, aber nur solange es das Guthaben auf dem Konto zulässt.

Eine Kreditkarte bekommen die jungen Bankkunden als Minderjährige nur in Ausnahmefällen. Das wird meist von Eltern gewünscht, deren Kind für eine begrenzte Zeit im Ausland ist, um dort die Bargeldversorgung und das Bezahlen zu vereinfachen.

Knapp ein Drittel der Banken und Sparkassen lässt sich darauf ein, wenn der Jugendliche wenigstens 15 oder 16 Jahre alt ist. Er bekommt die Karte aber nicht für sein eigenes Konto, sondern als Zusatz(Zweit)-karte für das Konto der Eltern beziehungsweise des Erziehungsberechtigten. Die müssen dann manchmal zusätzlich noch eine Bürgschaft hinterlegen oder erklären, dass sie für die Ausgaben haften. Dann müssen sie sich nämlich selbst mit dem Sprössling auseinander setzen, wenn er die neugewonnene finanzielle Freiheit über das vereinbarte Maß hinaus ausnutzt.

Überziehung ist nicht möglich

Angst, dass ihre minderjährigen Sprösslinge ihr Taschengeld- oder Jugendgirokonto überziehen, müssen die Eltern nicht mehr haben. Auch wenn mit dem Alter die Ansprüche wachsen und Sohn oder Tochter immer häufiger allein einkaufen geht – die Geldautomaten begrenzen mittlerweile die Ausgaben. „Im Gegensatz zu früher, wo kurzfristige Überziehungen möglich waren, sind heute alle Geldautomaten online geschaltet. Bei jeder Abhebung wird geprüft, ob so viel Guthaben auf dem Konto ist“, sagt Dirk Stein vom Bundesverband deutscher Banken.

Einen Dispositionskredit bekommen die jungen Leute erst, wenn sie 18 Jahre alt sind und ein regelmäßiges Einkommen haben. Dann müssen sie die gleichen Kreditzinsen wie ihre Eltern zahlen. Die Zinsspanne geht von 8,75 Prozent (OLB Direkt) bis 15,99 Prozent (Citibank ab 1 000 Euro Überziehung). Die Höhe des Dispos bestimmt das Kreditinstitut.

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