Jugend testet Meldung

Die Testergebnisse der Teilnehmer des 12. Wettbewerbs sorgten für einiges Aufsehen.

„Guckt mal, meine ist schon offen.“ Stolz hebt der dreijährige Tim eine leuchtend blaue Plastikflasche hoch und zeigt sie Verena Wohlgenannt und Michaela Kegel. Die beiden Schülerinnen trauen ihren Augen nicht. Was Tim soeben in Sekundenschnelle geöffnet hat, ist der Verschluss eines Haushaltsreini­gers. Und dessen ätzende Flüssigkeit ist absolut nicht für Kinderhände oder gar für Kindermünder bestimmt.

Gefährliche Flaschenverschlüsse

Jugend testet Meldung

Verena und Michaela aus Heimenkirch sind zwei Jugendliche, die sich in diesem Jahr am Wettbewerb „Jugend testet“ der Stiftung Warentest beteiligt haben. In ihrem Beitrag untersuchten die beiden Gymnasiastinnen, wie sicher die angeblich kindersicheren Verschlüsse von Fleckenwasser, Spiritus und Co. wirklich sind. Die meisten dieser Produkte stehen im Haushalt für den täglichen Gebrauch bereit. Oft sind sie für Kleinkinder leicht zu erreichen. Um Unfälle zu vermeiden, statten die Hersteller solche Flaschen mit speziellen Verschlüssen aus. Doch viele schützen nur unzuverlässig, fanden die Mädchen heraus. Von den 15 getesteten Produkten bewerteten sie 6 mit „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“. „Das hat uns schockiert“, erzählen sie. „Vor allem, wenn man bedenkt, welche drastischen Folgen diese Mittel für ein Kleinkind haben können.“ Verschlucktes Lampenöl etwa gerät leicht in die Lunge und kann dort eine schwere Entzündung verursachen, die im schlimmsten Fall zum Tod führt.

Neuer Teilnehmerrekord

Seit 1979, mit einer Unterbrechung in den neunziger Jahren, schreibt die Stiftung Warentest alle zwei Jahre den Wettbewerb „Jugend testet“ aus. Über 21 000 Jugendliche nahmen bereits teil. Eine Jury aus Warentestern, Journalisten und dem Vorsitzenden der Bundesschülerkonferenz wählt die Preisträger.

Neben der Originalität der Idee zählt vor allem die Genauigkeit und Anschaulichkeit, mit der die jungen Tester ihre Untersuchungen durchführen. Dieses Jahr hatten es die Experten besonders schwer: Insgesamt 3 517 Nachwuchstester aus ganz Deutschland schickten ihre Beiträge ein – so viele wie noch nie.

Sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Arbeiten erstaunte nicht nur die Jury, sondern auch Verbraucherschutzminister Horst Seehofer. Er ist Schirmherr des Wettbewerbs. Bei der feierlichen Preisverleihung in Berlin lobte er, „Jugend testet“ trage viel dazu bei, aus Jugendlichen mündige Verbraucher zu machen. „Durch ihre Untersuchungen lernen die Schüler, sich kritisch mit dem Warenangebot auseinanderzusetzen. Dies ist angesichts der Fülle der Produkte und der Dauerpräsenz der Werbung sehr wichtig“, so Seehofer.

Sorgentelefone und Baumärkte

Die ersten bis dritten Plätze wurden in zwei Kategorien vergeben: für Produkt- und für Dienstleistungstests. Von Apfelsaft bis Zahnseide war fast kein Produkt vor den kritischen Blicken der Jugendlichen sicher. Bei den Gewinnerbeiträgen reichen die Untersuchungen von Wurfgleitern über Sorgentelefone bis hin zu Baumärkten (siehe Meldung test warnt). Die Sieger schreckten selbst vor der Befragung von 150 Kunden, Tests im Kindergarten oder dem Bau von Katapulten nicht zurück.

Pensionen für Vierbeiner

Etwa jeder fünfte Teilnehmer überprüfte eine Dienstleistung. So wie ein Team aus Baden-Württemberg, das Hundepensionen testete. Den Tierfreunden war nicht nur wichtig, dass die Vierbeiner ausreichend Platz, frisches Wasser und genügend zu fressen bekommen. Um besonders gut abzuschneiden, mussten die Pensionen auch über Plastikbecken verfügen, in denen sich die Hunde an heißen Sommertagen abkühlen können.

Drei Mädchen aus Stuttgart wollten wissen, wie gastfreundlich die Deutschen sind. Also wagten sie den Praxistest: Verkleidet als russische „Olga“ mit Fellmütze auf dem Haupt, als modisch gekleidete französische „Jacqueline“ und als Kopftuch tragende türkische „Aische“ fragten sie Passanten nach dem Weg. Meist wurde ihnen freundlich weitergeholfen. Ein paar schräge Blicke blieben ihnen dennoch nicht erspart. Ob das an ihrer auffälligen Kleidung lag, konnte nicht eindeutig ermittelt werden.

Nicht nur die Teilnehmer haben bei ihren Untersuchungen viel gelernt. Auch einige Hersteller können aus den Ergebnissen der Nachwuchstester wichtige Erkenntnisse ziehen – was besonders im Fall der gar nicht so sicheren Kinderverschlüsse sehr zu begrüßen wäre.

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