Jugend testet Meldung

Frage. Wie stark biegt sich der Zeichenblock durch? Auch das wurde gemessen und war ein Qualitätsmerkmal.

Das Interesse war riesig. Die Jury hatte es schwer. Die sechs Preisträger von "Jugend testet 2001" freuten sich über Urkunde und Scheck, überreicht von Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, und von Dr. Werner Brinkmann, Vorstand der Stiftung Warentest.

Klassenelternabend. Der Zeichenlehrer empfiehlt wieder einmal "seinen" beliebten Marken-Malblock zu kaufen. Der habe sich im Unterricht gut bewährt. Eltern und Schüler sehen das wie immer anders. Sie kaufen Blöcke, die sie für besser und billiger halten. Im Kunstunterricht diskutieren alle über das Für und Wider der verschiedenen Marken.

Sarah Börckel und ihre vier Klassenkameradinnen ­ Kathrin, Steffi, Nada und Kerstin ­ wollten endlich herausbekommen, welcher Zeichenblock das Klassenziel problemlos schafft. Der Wettbewerb "Jugend testet 2001" der Stiftung Warentest kam ihnen da wie gerufen. Das Quintett aus Rheinland-Pfalz war sich einig und machte mit. Es kaufte 14 verschiedene Blöcke im Einzelhandel in Rülzheim und Leimersheim, in größeren Papiergeschäften in Karlsruhe und bei einem Versand für Schulbedarf. Ihr selbst gewähltes Testthema heißt: "Untersuchung von Zeichenblöcken auf ihre Verwendbarkeit für den Unterricht im Fach Bildende Kunst".

Zunächst erarbeiteten sich die jungen Testerinnen die Kriterien, nach denen sie die Zeichenblöcke untersuchen wollten. Sie interviewten Fachlehrer und Schüler und besichtigten sogar eine Papierfabrik. Erster Dämpfer: Ein Papieringenieur erklärte ihnen klipp und klar, für Laien sei es unmöglich, die Papierqualität zu überprüfen. Aber die engagierte Girl-Group ließ nicht locker und traf sich jeden Montagnachmittag für zwei bis drei Stunden.

Nächste Hürde: Wie lange hält ein Blatt einem Radiergummi und einem feuchten Borstenpinsel stand? Um ganz gerecht vergleichen zu können, musste der Druck auf das Blatt beim Radieren und Pinseln bei jedem Prüfprodukt gleich groß sein. Eine Radiermaschine, eigens von den fünf konstruiert, war der Ausweg. Mit einer Handkurbel wurde Gummi oder Pinsel über das Blatt hin und her bewegt, bis ein Loch im Papier war. Und das dauerte je nach Papierqualität unterschiedlich lange.

Am Ende der Testarbeit gab es für die Blöcke Noten, so wie in der Schule. Dumm für den Lehrer. Sein Lieblingsblock erreichte nur den sechsten Platz und lag damit im Mittelfeld. Das Test-Team von der Blockprüfstelle war dagegen Spitze. Es erhielt neben einer Fahrt nach Berlin den mit 3.000 Mark dotierten ersten Preis in der Altersgruppe der 13- bis 16-Jährigen bei "Jugend testet 2001".

Weder cool noch krass

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Den zweiten Preis bei den Jüngeren holte sich eine Klasse der Verbandsschule Hohenroth in Bayern. Sie wälzte neun Wörterbücher für Schüler, bewertete Preis und Inhalt, aber auch die Eignung für den Unterricht. Mehr als die Hälfte der Bücher fanden sie weder "cool" noch "krass". Solche Wörter aus der Jugendsprache suchten sie in den meisten Lexika vergebens. Ihr heißer Tipp: Eine gut sichtbare Buchstabenkennzeichnung am Buchrand erleichtert das schnelle Auffinden der Wörter ungemein.

Wissen "Dr. Sommer & Co" in den Mädchen-Zeitschriften eigentlich immer und zu allen Problemen einen Rat? Die Antwort darauf suchte eine Mädchenklasse der Anne-Frank-Gesamtschule in Viersen und hielt sich mit Fragen nicht zurück. Je sechs Briefe, mit Hand auf Diddl-Briefpapier geschrieben, schickten sie an sechs Kummerkasten-Adressen. Themen: Schwangerschaft, Magersucht, Übergewicht, Drogenkonsum, Erpressung durch eine Mädchengang und Trennung der Eltern. Oft warteten die Absenderinnen vergeblich auf hilfreiche Antwort oder wurden auf einen zweiten Brief vertröstet, der dann aber nie ankam. Mehr als ein Trostpreis war für die Mädchen der dritte Platz in der Gruppe der jüngeren Teilnehmer.

Geprüft und bestätigt

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Freude. Sieger Matthias Löhle mit Bundesministerin Renate Künast und Vorstand Dr. Werner Brinkmann.

Matthias Löhle aus Ravensburg hatte ein ganz anderes Problem: Wie komme ich an die an mich adressierten E-Mails von überall preisgünstig heran? Kostenlose Freemail-Dienste bieten sich dafür an. Die acht bekanntesten in Deutschland hat der Gymnasiast eingehend getestet ­ mit einem älteren und einem modernen Computersystem, tagelang ­ morgens, mittags und abends.

Am Ende hagelte es heftige Kritik des Jung-Testers und erfahrenen Computernutzers. Ungenügende Informationen zum Angebot, keine Verschlüsselung, unzureichende Hilfefunktionen waren einige Minuspunkte. In seinem Beitrag für "Jugend testet 2001" schaffte nur ein einziger Dienst mehr als die Hälfte der erreichbaren Punktzahl. Dieser Anbieter setzte sich deutlich vom Testfeld ab. Und auch test kommt in ihrer soeben abgeschlossenen Untersuchung zu einer sehr ähnlichen Erkenntnis. Matthias Löhle freute sich über den ersten Preis in der Altersgruppe der 17- bis 20-Jährigen.

Eingekauft und bewertet

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Frische. Es gab ein dickes Minus, wenn beim Joghurt das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war.

Die Zweitplazierten in dieser Gruppe, drei Schülerinnen des Gymnasiums Vohwinkel in Wuppertal, gingen eine Zeitlang nicht mit einem Einkaufzettel in den Lebensmittelladen, sondern mit einer langen Checkliste. Sie kontrollierten und registrierten rund 60 Prüfkriterien in 15 Läden, meist mehrmals. Die Ladenprüferinnen notierten sorgfältig Bewertungspunkte für die Freundlichkeit der Kassiererin, die Länge der Warteschlange an der Kasse, für die Sauberkeit der Regale und die Sortierung der Waren, für die Anzahl der Hersteller und die Sorten von Äpfeln, Nudeln, Pizzen und Joghurts. Sie bewerteten aber auch, ob die Firmen Ausbildungsplätze anbieten.

Plus und Minus von traditionellem und virtuellem Buchhandel stellten zwei Gymnasiasten aus Ostfriesland in ihrem Vergleich gegenüber, der mit dem 3. Preis der älteren Teilnehmer ausgezeichnet wurde. Ihre Erfahrungen decken sich mit denen vieler Bücherfreunde. Es ist bequem, in einer Onlinebuchhandlung zu stöbern, aber die Lieferzeiten sind länger als im echten Buchladen in der Fußgängerzone. Und das Blättern in einem Schmöker kann der Bildschirm auch nicht ersetzen.

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