Jod in Gemüsealgen

Jodmangelgebiet Deutschland: Fisch hilft gegen Kropf

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In Deutschland herrscht Jodarmut. Schuld daran ist die jüngste Eiszeit. Damals hat Tauwasser das Spurenelement aus dem Grund gewaschen und ins Meer gespült. Der Rückweg aufs Festland via Regenwolken ist nur begrenzt möglich. Je weniger Jod die Böden einer Region aber enthalten, desto mehr fehlt es in der Nahrung – besonders in Milchprodukten. Nehmen wir zu wenig Jod mit Lebensmitteln zu uns, kann die Schilddrüse nicht mehr richtig arbeiten.

Die braucht Jod so dringend wie ein Automotor den Treibstoff. Nur wenn genug dieses Spurenelements in den Körper gelangt, kann das kleine Organ unterhalb des Kehlkopfs die lebenswichtigen Hormone Trijodthyronin und Tetrajodthyronin herstellen. Beide beeinflussen den gesamten Stoffwechsel: Sie regulieren die Nahrungsverwertung, den Grundumsatz, das Wachstum und vieles mehr. Weil die Hormone sehr vielfältig wirken, sind Probleme mit der Schilddrüse nur schwer zu erkennen.

Gewöhnlich beginnen sie schleichend. Wenn wir uns zu jodarm ernähren, vermehrt die Schilddrüse ihr Gewebe. Das ist ein vergeblicher Versuch, den knapp vorhandenen Stoff optimal zu nutzen. Egal, ob die Schilddrüsenvergrößerung noch unsichtbar ist oder als Kropf (Struma) augenfällig wird: Im Organ, das eigentlich nicht größer als das eigene obere Daumenglied sein sollte, können sich Knoten bilden.

So genannte kalte Knoten nehmen kaum oder gar nicht am Jodstoffwechsel teil. Die Folge ist eine Unterfunktion. Typische Anzeichen: Antriebsarmut, allgemeine Verlangsamung, Empfindlichkeit gegen Kälte, Gewichtszunahme trotz Appetitverlust.

So genannte heiße Knoten dagegen sind unabhängige Bezirke. Losgelöst vom Schilddrüsenregelkreis haben sie einen gesteigerten Hormonumsatz. Das kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führen. Typische Anzeichen: Unruhe, emotionale Labilität, starkes Schwitzen, Durst, Gewichtsverlust, Durchfall, Haarausfall, Potenzverlust, hervortretende Augen.

Wo Jod drinsteckt

In unseren normalen Lebensmitteln reichert sich das meiste Jod in Seefisch an. Schon mit weniger als 100 Gramm Seefisch kann ein Erwachsener seinen täglichen Jodbedarf decken. Mit Fleisch, Getreide, Obst und Gemüse klappt das nicht so leicht. Für einen ausgeglichenen Jodspiegel müsste man täglich entweder 2 Kilo Rinderfilet, 5 Kilo Kartoffeln oder 10 Kilo Äpfel essen.

Weil es so schwierig ist, sich über Lebensmittel mit Jod zu versorgen, darf Kochsalz in Deutschland seit mehr als zehn Jahren mit Jod angereichert werden. Die Zugabe ist klein genug, um Überdosierungen ausschließen zu können. Nach Einschätzung des Arbeitskreises Jod zeigt die künstliche Jodierung erste Erfolge.

Mit jodiertem Salz im Salzstreuer zu Hause ist es aber nicht getan. Das meiste von der weißen Würze essen wir mit Fertigkost, Wurst- und Backwaren. Dort könnte laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) zum Teil nachgebessert werden.

Für bedenkliche Überangebote an Jod gibt es nur sehr wenige Quellen: Röntgenkontrastmittel, jodhaltige Medikamente und Algen. Jodsalz kann nach Meinung der DGE nicht allergen wirken. Die Moleküle der Jodverbindungen seien zu klein, um die Bildung von Antikörpern anzuregen.

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A.Decker am 23.03.2019 um 09:19 Uhr
Jodmangel statt Überdosierung

Den „Jod-meide-Hype“ findet man nur im deutschsprachigen Raum.
Wenn man den Forschungen von Dr. Brownstein folgt, versteht man erst wie wichtig Jod für jede Zelle des Körpers ist.
Bzw. im deutschsprachigen Raum ist Kyra und Sascha Kaufmann lesenswert.
In US findet man unter dem Begriff „lugols“ tausende Erfahrungsberichte (bei einem Höndler den ich nicht nennen will)
Seit dem wir in der Familie auf Jodzufuhr im mg Bereich achten, hat sich vieles zum Positiven geändert. (SD produziert wieder selbst ausreichend Hormone, Zysten verschwunden, Haare schön, Lebensenergie wieder top, ADHS Symptomatik kaum mehr vorhanden...) und das alles um paar cent pro Tag.
Auf Selen und andere Nährstoffe muss man auch achten, um alles im Fluß zu halten.
Jod war für das Wachstum unserer Gehirne zur heutigen Größe der Schlüsselfaktor. Wenn wir nicht verblöden wollen, werden wir sie wohl weiter mit Jod füttern müssen. :-)

sachmet01 am 12.07.2018 um 18:14 Uhr
Sojaprodukte hemmen die Schilddrüse

In Asien, auch in Japan werden viel mehr Sojaprodukte konsumiert. Diese hemmt die Funktion der Schilddrüse ( Umbau zu T4 und wohl auch noch weitere)
Das ist der Grund, wieso die Leute dort viel mehr Jod vertragen. Das sind keine Supermenschen, wie hier dargestellt wird und da hier in Deutschland alles jodiert wird ( fängt schon beim Tierfutter an), hat man hier schon lange kein Jodmangelgebiet mehr. Ganz im Gegenteil, Schilddrüsenerkrankungen durch zu viel Jod und andere Faktoren nehmen stetig zu.

oe9fwv am 11.03.2018 um 14:51 Uhr
Jodbedarf

Thorsten.Maverick, 12mg sind viel zu viel, der Jod bedarf beträgt 150-200 Mikrogramm pro Tag. Das sind 0.2 mg. Ihre Angabe ist daher um etwa 60x zu hoch. Auch die Behauptung dass Jod auch sonst im Körper überall gebraucht wird ist unrichtig. Bitte um etwas genauere Recherche oder Quellenangabe.

Thorsten.Maverick am 17.02.2017 um 13:13 Uhr
Der Jodmangel ist das Problem

Wenn die Schilddrüse mit genügend Jod gesättigt ist, ist eine hohe Joddosis eigentlich kein Problem, solange keine massive Erkrankung der Schilddrüse vorliegt. Die meisten Menschen in Deutschland haben aber einen massiven Jodmangel, der sich auch nicht mit den maximal empfohlenen 200 µg Jod pro Tag als Tabletten oder mit Jodsalz decken läßt. Der Regelkreis für die Schilddrüsenhormone funktioniert dann nicht richtig, weil die Produktion der Hormone durch den Jodmangel begrenzt wird und nicht durch den TSH-Spiegel. Wenn man den Mangel behebt, muß man dabei sehr langsam vorgehen, um die Nebenwirkungen zu begrenzen. Also die Dosis nur in kleinen Schritten erhöhen. Man kann auch Jod im Urin bezogen auf Kreatinin testen lassen. Das ist ein guter Marker für die Jodversorgung. Dieser Test wird aber nur sehr selten gemacht und leider auch nicht bei Erkrankungen der Schilddrüse. Jod wird auch sonst im Körper überall gebraucht. Daher liegt die eigentlich notwendige tägliche Dosis bei etwa 12 mg.

fspade am 02.05.2014 um 15:44 Uhr
... enthalten oft mehr Vitamin B12 als Fleisch

Diese Aussage ist vage und widerspricht dem, was Wikipedia dazu schreibt: Keine pflanzliche Nahrung enthält für den menschlichen Bedarf ausreichende Mengen der verwertbaren Form des Vitamins, dies gilt insbesondere auch für fermentierte Sojaprodukte und Cyanobakterien bzw. Algen ...
An anderer Stelle wird gewart: ... häufig entpuppen sich die darin enthaltenen Verbindungen als sogenannte Analoga – sie haben einen ähnlichen chemischen Aufbau, können aber nicht vom Körper verwendet werden. Manche Forschungen weisen darauf hin, dass Analoga sogar die Aufnahme der wirksamen Cobalamine behindern können.
Was ist davon zu halten?