Jobkündigung Special

Kündigt der Arbeit­geber, sollten sich Mitarbeiter juristischen Beistand suchen. Oft lässt sich der Schaden zumindest begrenzen. Viel Zeit bleibt nicht. Schon drei Wochen nach Zugang einer Kündigung muss die Klage des Arbeitnehmers beim Gericht liegen. Versäumt ein Betroffener die Frist, wird die Kündigung wirk­sam, selbst wenn sie unbe­rechtigt war. Hier lesen Sie, wie Sie im Fall einer Kündigung sinn­voll vorgehen.

Jobkündigung - das Wichtigste in Kürze

Rechts­anwalt. Kündigungs­verfahren werden oft sehr emotional geführt. Wer persönlich betroffen ist, verhandelt meist nicht optimal. Profis schaffen das besser und nehmen Betroffenen einen Teil der Last ab. Unternehmen Sie nichts ohne Rück­sprache mit Ihrem Rechts­beistand.

Betriebsrat. Im Unternehmen gibt es einen Betriebs- oder Personalrat? Gehen Sie hin, sobald die Kündigung droht, und bitten Sie darum, dem Schritt zu wider­sprechen.

Beratung. Lassen Sie sich möglichst schnell von einem Arbeits­recht­sanwalt oder von der Gewerk­schaft beraten. Fangen Sie nicht an, selbst mit dem Chef zu verhandeln.

Arbeits­agentur. Melden Sie sich umge­hend arbeits­suchend. Das verhindert, dass die Agentur Ihre Bezüge kürzt, sollten sie wirk­lich arbeitslos werden.

Kündigung nach vielen Jahren

Erhalten Arbeitnehmer die Kündigung, ist das fast immer schmerzhaft – egal, ob ein ein zerrüttetes Verhältnis zum Chef, Fehl­verhalten, eine betriebs­bedingte Kündigung wegen schlechter wirt­schaftlicher Verhält­nisse oder nach einer Fusion dahinterstecken. Nach Angaben der Bundes­agentur für Arbeit mussten 2016 mehr als 1,8 Millionen Arbeitnehmer ihren Job quittieren und bekamen danach Arbeits­losengeld. Hinzu kommen zahlreiche Kündigungen, die in offiziellen Statistiken fehlen. Wie viele das genau sind, weiß niemand.

Für die Kündigung gelten strenge Regeln

Chefs müssen strenge Regeln befolgen, wenn sie ein Arbeits­verhältnis beenden wollen. In Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern ist die Belegschaft per Gesetz vor ungerecht­fertigten Kündigungen geschützt. Ein Rauswurf ist dann nur erlaubt, wenn der Betrieb Personal abbauen muss oder der Arbeitnehmer selbst einen Grund für die Kündigung liefert.

Rechts­beratung muss sein

Im Detail wird es kompliziert. Laien haben kaum eine Chance, alle heiklen Punkte zu erkennen. Wer die Kündigung erhält, sollte deshalb sofort einen Arbeits­rechts­anwalt oder den Gewerk­schafts­rechts­schutz zurate ziehen. Sonst gehen wahr­scheinlich Rechte verloren.

Nur drei Wochen Zeit sich zu wehren

Das Kündigungs­schutz­gesetz ermöglicht es Arbeitnehmern, den Rauswurf vom Arbeits­gericht über­prüfen zu lassen. Viel Zeit bleibt dafür jedoch nicht: Schon drei Wochen nach Zugang des Schreibens muss die Klage beim Gericht liegen. Versäumt ein Betroffener die Frist, wird die Kündigung wirk­sam, selbst wenn sie unbe­rechtigt war. Dann ist meist nicht mehr viel zu machen.

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Vor Gericht besser mit anwalt­licher Vertretung

Theoretisch können Beschäftigte auf eigene Faust prozessieren. In der ersten Instanz vor dem Arbeits­gericht gibt es keinen Anwalts­zwang. Besser sind die Erfolgs­aussichten aber, wenn ein Fachmann die Klage vorbereitet und die Verhand­lungs­führung über­nimmt. Grund: Der Richter kann nur berück­sichtigen, was Arbeitnehmer und Arbeit­geber ihm sagen. Er muss den Sachverhalt nicht von sich aus ermitteln. Arbeitnehmer laufen Gefahr, dass für sie güns­tige Fakten auf der Strecke bleiben und der Prozess deshalb verloren geht.

Richtigen Anwalt bei Kündigung finden

Wo findet sich ein geeigneter Rechts­beistand bei einer Kündigung? Wer Mitglied einer Gewerk­schaft ist, kann sich dort beraten lassen. Nicht organisierte Arbeitnehmer sollten einen auf das Arbeits­recht spezialisierten Rechts­anwalt aufsuchen.

Tipp: Rechts­schutz­versicherte erhalten vom Versicherer Unterstüt­zung zum Vergleich Rechtsschutzversicherung.

Anwalt­liche Gebühren bei Kündigung

Wie viel Geld ein Anwalt für seine Dienste berechnen darf, ist gesetzlich vorgeschrieben. Laut dem Rechts­anwalts­vergütungsgesetz schlägt eine Erst­beratung mit ma­ximal 226,10 Euro zu Buche, zusammen mit der Tele­kommunikations­pauschale von 23,80 Euro kann der erste Termin bis zu 249 Euro kosten. Immerhin: Dieser Betrag wird auf die Gebühren ange­rechnet, die anfallen, wenn der Anwalt den Fall tatsäch­lich über­nimmt. Welche Ausgaben auf Arbeitnehmer zukommen, wenn sie gegen ihre Kündigung klagen, zeigt die Tabelle unten. Die Angaben beziehen sich nur auf die erste Instanz. Berufungs- und Revisionsverfahren kosten extra und können die Rechnung noch vervielfachen.

Das kostet ein Prozess vor dem Arbeits­gericht

Anwalts- und Gerichts­kosten variieren, je nachdem, um welche Summen es geht. Ein Über­blick.

Monats­gehalt (brutto) in Euro

Gerichts­kosten bis zu ... Euro

Rechts­anwalts­gebühren (Euro)

Vertretung vor Gericht

Zusätzlich bei Einigung

1 000

216

622

239

1 500

292

925

361

2 000

330

1 077

421

2 500

406

1 380

543

2 6601

406

1 380

543

2 9752

444

1 532

603

3 000

444

1 532

603

4 000

534

1 821

719

5 000

586

1 958

774

6 000

638

2 094

828

7 000

690

2 231

883

8 000

742

2 368

938

10 000

812

2 591

1 027

    Angegeben sind die Gerichts­kosten für Kündigungs­schutz­klagen beim Arbeits­gericht und die Mindest­gebühren für die Vertretung durch einen Rechts­anwalt einschließ­lich des Honorars für die Teil­nahme an einem Verhand­lungs­termin.

    Basis ist jeweils die vom Bundes­ministerium für Arbeit und Soziales ermittelte Bezugs­größe für das Jahr 2017.

    • 1 Durch­schnitts­gehalt Ost.
    • 2 Durch­schnitts­gehalt West.

    Tipp: Während in anderen Gerichts­zweigen der Verlierer stets den Anwalt der Gegen­seite bezahlen muss, gilt in der ersten Instanz des arbeits­gericht­lichen Verfahrens eine Besonderheit: Jede Seite zahlt ihren Anwalt aus eigener Tasche – egal, wer den Prozess gewinnt. Nur die Gerichts­kosten muss der Verlierer allein zahlen.

    Kostenlos klagen mit Gewerk­schaft

    Fein raus sind Arbeitnehmer mit einer Rechts­schutz­police, die arbeits­recht­liche Streitig­keiten abdeckt. Sie zahlen nichts für die Wahrung ihrer Rechte. Auch der Gewerk­schafts­rechts­schutz ist für Mitglieder kostenlos. Zumindest eine Erst­beratung sollten sich aber auch jene Kündigungsopfer gönnen, die den Anwalt selbst bezahlen müssen. Das gilt selbst dann, wenn der Fall aussichts­los erscheint. Oft lässt sich juristisch mehr erreichen, als Laien erwarten. Auch soziale Erwägungen spielen eine Rolle, zum Beispiel Unter­halts­verpflichtungen.

    Soziale Kriterien bei betriebs­bedingter Kündigung

    Eine noch größere Rolle spielen soziale Kriterien bei betriebs­bedingten Kündigungen. Ist eine Firma in Schwierig­keiten, ist das grund­sätzlich ein zulässiger Kündigungs­grund. Allerdings müssen Unternehmen für den Personal­abbau in solchen Fällen stets jene Mitarbeiter wählen, die am wenigsten schutz­bedürftig sind. Relevant für diese Sozial­auswahl sind die Dauer der Betriebs­zugehörig­keit, das Alter des Arbeitnehmers, dessen Unter­halts­pflichten und etwaige Behin­derungen. Grob vereinfacht bedeutet das: Neuzugänge müssen eher gehen als alte Hasen, Singles eher als Familien­väter und Gesunde eher als Menschen, die im Roll­stuhl sitzen.

    Kündigung wegen häufiger Krankheit erlaubt?

    Häufige krank­heits­bedingte Fehl­zeiten eines Mitarbeiters allein reichen nicht für eine Kündigung. Nötig ist die Prognose, dass er auch in Zukunft besonders krank­heits­anfäl­lig ist. Dabei kommt es nicht nur auf die Fehl­zeiten an, sondern auch auf deren Grund. Krankheiten, die in der Regel verheilen, recht­fertigen keine negative Prognose (Landes­arbeits­gericht Meck­lenburg- Vorpommern, Az. 2 Sa 158/16).

    Sonderfall: Kündigung in der Probezeit

    Nicht auf das Kündigungs­schutz­gesetz berufen können sich Arbeitnehmer normalerweise in der ersten Zeit nach ihrer Einstellung. Erst sechs Monate nach der Einstellung greift das Gesetz. Kündigt der Chef im ersten Halb­jahr, braucht er dafür also keinen Grund. Er muss lediglich die für alle Kündigungen vorgeschriebenen Form­vorschriften beachten.

    Formale Fehler in Kündigungs­schreiben

    Allein wegen formaler Fehler im Kündigungs­schreiben lohnt es sich oft schon, den Rauswurf von einem Anwalt prüfen zu lassen. Selbst vermeintlich kleine Form­fehler können eine Kündigung unwirk­sam machen. Nicht selten ist das Dokument zum Beispiel von einer Person unter­schrieben, die das nicht durfte. In der Regel haben nur Geschäftsführer, Proku­risten oder Personalleiter die Macht, das Unternehmen bei solchen Schritten zu vertreten. Auch Kündigungen per Mail sind unwirk­sam. Sie genügen nicht der gesetzlich vorgeschriebenen Schriftform. Wichtig ist aber, dass Arbeitnehmer auch Form­fehler binnen einer Woche geltend machen und inner­halb der Drei-Wochen-Frist klagen. Tun sie das nicht, kostet sie auch eine eigentlich unwirk­same Kündigung den Job.

    Eine gute Abfindung erstreiten

    Selbst wenn der Arbeits­platz nicht zu retten ist, kann sich eine Kündigungs­schutz­klage lohnen. Zum Beispiel, um eine Abfindung zu erstreiten. Bei betriebs­bedingten Kündigungen besteht teils sogar ein Anspruch auf eine solche Zahlung: Wer auf eine Kündigungs­schutz­klage verzichtet, kann laut Gesetz ein halbes Brutto­monats­gehalt pro Beschäftigungs­jahr verlangen. Voraus­setzung ist, dass der Chef im Kündigungs­schreiben eine Abfindung für eben diesen Fall anbietet.

    Das sind die Mindest­abfindungen

    So viel Geld steht Arbeitnehmern immer zu, wenn sie aus betrieblichen Gründen gehen müssen

    Betriebs­zugehörig­keit (Jahre)

    Monats­gehälter

    Bei Durch­schnitts­verdienst1 in Euro

    Ostdeutsch­land 2

    West­deutsch­land

     1

     0,5

     1 330

     1 488

     2

     1,0

     2 660

     2 975

     3

     1,5

     3 990

     4 462

     4

     2,0

     5 320

     5 950

     5

     2,5

     6 650

     7 438

     6

     3,0

     7 980

     8 925

     7

     3,5

     9 310

    10 412

     8

     4,0

    10 640

    11 900

     9

     4,5

    11 970

    13 388

    10

     5,0

    13 300

    14 875

    12

     6,0

    15 960

    17 850

    14

     7,0

    18 620

    20 825

    16

     8,0

    21 280

    23 800

    18

     9,0

    23 940

    26 775

    20

    10,0

    26 600

    29 750

      • 1 Entsprechend der für die Sozial­versicherung 2017 maßgeblichen Werte
      • 2 Ohne den früheren West-Teil von Berlin. Der wird zu West­deutsch­land gerechnet

      Tipp: Auch in einer solchen Konstellation lohnt sich eine Beratung, denn nicht immer ist es sinn­voll, die eigenen Rechte für die Stan­dard­abfindung zu verkaufen. Oft ist vor Gericht deutlich mehr drin. Kündigungs­schutz­klagen enden häufig nicht mit einem Urteil, sondern mit einem Vergleich, mit dem beide Parteien leben können.

      Sperr­zeit für Arbeits­losengeld vermeiden

      Wer einen Aufhebungs­vertrag unter­schreibt und eine Abfindung kassiert, muss teils bis zu drei Monate auf Arbeits­losengeld verzichten. Die Behörden unterstellen in solchen Fällen oft, dass der Betreffende seinen Job freiwil­lig aufgegeben hat – und kürzen die Bezüge. Ein Auto­matismus ist eine solche Sperr­zeit aber nicht. Versierte Anwälte können sie nicht immer, aber oft verhindern.

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