Jeans für Männer Test

Die beste Jeans im Test kommt von Zara – für güns­tige 26 Euro. Die spanische Modekette zeigt sich zudem trans­parenter als viele andere.

Die Geschichte der Jeans beginnt Mitte des 19. Jahr­hunderts. Levi Strauss, ein in die USA emigrierter Deutscher, schneidert seine erste richtige Levi’s. Nicht mehr aus grober brauner Zelt­plane, wie er sie zuvor für Gold­gräber genäht hatte, sondern aus blauem schwerem Baumwoll­stoff, dem Denim (siehe Jeans-Lexikon). Der Stoff kommt aus dem französischen Nîmes, wurde in Gênes (Genua) verschifft. Daraus formten amerikanische Zungen „jeans“.

Derbe Arbeits­hose als Kult­objekt

Marlon Brando, James Dean und Elvis Presley machten die Blue Jeans, die blauen Hosen, dann 100 Jahre später auch in Deutsch­land populär. Brando und Dean auf der Kino­leinwand, Rock’n’Roll-Idol Presley als amerikanischer Soldat. Die vormals derbe Arbeits­hose avancierte zum Kult­objekt, wurde Ausdruck jugend­lichen Protestes gegen Auto­rität und alte Zöpfe.

Nur harte Fakten untersucht

Die Jugend von damals trägt immer noch Jeans – ihre Enkel aber auch. Kombiniert mit T-Shirt und Sakko, einst von Andy Warhol vorgeführt, sind Jeans selbst in der Oper nicht mehr tabu. Auch Starde­signer haben sie entdeckt: Armani, Gucci, Yves Saint Laurent und nicht zuletzt die britische Punk­stilikone Vivienne West­wood. Die hat für Lee die Anglo­mania-Linie entworfen. Dafür bekam sie den Preis für „best denim“ der eng­lisch­sprachigen Mode­zeit­schrift „Sports­wear interna­tional“. Verliehen wurde der Preis auf der diesjäh­rigen „bread & butter“ in Berlin, der interna­tionalen Leit­messe für Denim schlecht­hin.

Ob schnörkellos klassisch oder laufstegtauglich – modische Aspekte spielten bei diesem Test keine Rolle. Die sind reine Geschmack­sache. Wir haben an den 15 Jeans harte Fakten untersucht: Halt­barkeit, Pass­form und Schad­stoffe. Der CSR-Test enthüllt, ob die Firmen gesell­schaftlich verantwort­lich produzieren lassen.

Kik verdreht sich

Die Palette reicht von der Billigjeans für 10 Euro von Kik bis zur amerikanischen 7 for all mankind für knapp 250 Euro. Dazwischen liegen Welten, sollte man meinen. Optisch stimmt das auf alle Fälle, qualitativ weniger. Die schicke 7 for all mankind ist gut, die unscheinbare Kik immerhin noch befriedigend. Doch Macken haben beide. Die teuerste Hose im Test passt exzellent, scheuert aber vergleichs­weise schnell durch.

Im Test (siehe Der Scheuertest) rissen die ersten Fäden nach 30 000 Touren. Zum Vergleich: Normale Stoff­hosen sollen auch mindestens 20 000 Umdrehungen schadlos über­stehen. Die Jeans vom Textildiscounter Kik ist dagegen robuster, über­steht rund 47 000 Scheuer­touren. Sie verdreht aber nach dem Waschen die Beine. Dann sitzen die Nähte am Unterschenkel nicht mehr seitlich, sondern weiter vorn. Das sieht billig aus, der Schnitt ist hin.

Zara, die passt

Doch preisgünstig heißt nicht auto­matisch schlechter. Unter den neun guten Jeans finden sich immerhin drei, die weniger als 50 Euro kosten. Testsieger Zara ist schon für 26 Euro zu haben und über­zeugt unter anderem mit einer guten Pass­form.

Löcher gehören zum guten Ton

Jeans für Männer Test

Absicht­lich zerstört: Mit Rissen und Löchern verzierte Jeans sind bei jungen Leuten beliebt.

Absicht­lich zerstört: Mit Rissen und Löchern verzierte Jeans sind bei jungen Leuten beliebt.

Über­haupt machen alle Jeans eine passable Figur. Richtig schlecht ist keine einzige. Jack & Jones, Diesel und G-Star scheuern schneller durch als andere. Ihre Halt­barkeit ist ausreichend. Doch selbst diese Typen kommen noch mit einem blauen Auge davon. Wir haben sie nur milde abge­wertet. Löcher gehören ja gerade bei jungen Leuten modisch zum guten Ton.

Kaum Schad­stoffe gefunden

Jeans werden teils aufwendig und mit Chemikalien bearbeitet. Erstaunlich: Schad­stoffe haben wir im Labor kaum gefunden. Lediglich in den Modellen von Lee, H&M und Levi’s registrierten die Mess­geräte geringe, für den Träger harmlose Spuren von Schwer­metallen oder Form­aldehyd. Und in der neuen Wrangler Texas fand sich etwas mehr Kupfer. Nach der ersten Wäsche war aber auch das kaum noch nach­weisbar.

Tipp: Waschen Sie neue Jeans vor dem ersten Tragen. Das entfernt mögliche Rück­stände aus der Produktion und über­schüssige Farbe. Sicher­heits­halber sollten Sie die Hose zunächst allein waschen, damit nichts anderes anfärben kann.

Der schmutzige Charakter färbt ab

Die Wasch­anleitungen betonen oft, die Hose von links und separat zu waschen. Manche empfehlen sogar Fein­wasch­mittel und den Schon­wasch­gang. Das ist über­trieben. Wir wuschen die Jeans im normalen Bunt­programm bei 40 Grad mit pulverförmigem Color­wasch­mittel. Andere Textilien wurden dabei kaum verfärbt. Teil­weise wusch sich recht viel Farbe aus, aber die landete meist im Abwasser. Nur der bräunliche Ton der Nudie Average – er verleiht ihr den gewollt schmutzigen Charakter (Dirty Style) – färbte ab. Spätestens nach zehn Wäschen war vom modischen Schmuddellook nichts mehr übrig – enttäuschend bei einer Hose für stolze 139 Euro.

Wenn das Sofa blau wird

Jeans für Männer Test

Die Nudie-Jeans ganz neu (links): Der bräunliche Ton gibt diesem Modell seinen eigenen Charakter. DieNudie-Jeans nach zehn Wäschen (rechts): Spätestens jetzt hat sich der besondere Ton verloren.

Die Nudie-Jeans ganz neu (links): Der bräunliche Ton gibt diesem Modell seinen eigenen Charakter. Die Nudie-Jeans nach zehn Wäschen (rechts): Spätestens jetzt hat sich der besondere Ton verloren.

Unlieb­same Über­raschungen drohen grund­sätzlich durch alle Jeans, aber aus einem anderen Grund. Der blaue Stoff kann durch Reibung abfärben. Das passiert besonders dann, wenn er feucht geworden ist, etwa durchs Schwitzen oder bei Regenwetter. Reibt die Hose dann auf einem hellen Unter­grund, ist die weiße Boxer­shorts womöglich bläulich ange­laufen, selbst noch nach vielen Jeans-Wäschen.

Der Grund: Indigo-Farb­stoff geht keine chemische Verbindung mit der Baumwoll­faser ein, sondern ummantelt sie lediglich. Bei Reibung löst sich die Farbe dann leicht von der Faser und sucht sich eine andere „Heimat“. Mit nasser Hose sollte man sich deshalb lieber nicht aufs gelbe Sofa kuscheln oder in den beigen Leder­sport­sitz seines Cabrios schmeißen. Auch das kann unschöne Verfärbungen zur Folge haben.

Das passiert mit billigen und mit teuren Hosen. Der Denim-Grund­stoff kann aus der gleichen Färberei stammen. Entscheidend für den Preis ist in erster Linie das Design und der klangvolle Name des Labels, der Marke. Jeans als Mode­artikel sind ein lukratives Geschäft. Im Jahr 2010 gaben die Deutschen mehr als 3 Milliarden Euro für 84 Millionen Stück aus. Statistisch kauft also jeder pro Jahr eine neue Jeans im Wert von 36 Euro – vom Enkel bis zum Opa.

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