Japankrise und offene Immobilienfonds Meldung

Der offene Immobilienfonds UniImmo Global ist der erste, der seine Immobilien in Japan neu bewerten möchte. Weil das aber derzeit nicht möglich ist, nimmt der Fonds seit dem 17. März 2011 keine Anteile mehr zurück und gibt auch keine neuen Anteile mehr aus. Andere Fonds mit japanischen Immobilien halten eine Neubewertung zurzeit nicht für notwendig.

Immobilien derzeit nicht bewertbar

Als Grund für die Schließung des UniImmo Global (Isin DE0009805556) nennt die Fondsgesellschaft Union Investment, dass sie die Immobilien nach dem Erdbeben nicht bewerten und damit auch den Wert des Fonds nicht mehr berechnen kann.

14 Prozent japanische Immobilien

Das Investmentgesetz sieht vor, dass ein Fonds die Rücknahme der Anteile aussetzen kann, wenn außergewöhnliche Umstände vorliegen. In diesem Fall darf der Fonds auch keine neuen Anteile ausgegeben. Nach dem Erdbeben in Japan und den Störfällen in den Atomreaktoren von Fukushima hat Union Investment die externen Sachverständigen gebeten, die Immobilien in Tokio neu zu bewerten. Da nach wie vor nicht klar ist, welches Ausmaß die Atomkatastrophe annimmt, können die Sachverständigen den Wert der Immobilien derzeit jedoch nicht ermitteln. Der UniImmo Global hat sieben Immobilien in Japan, die allesamt in Tokio stehen, ein Einzelhandelsobjekt, zwei Bürohäuser und vier Wohngebäude. Am Fondsvermögen von insgesamt 2,4 Milliarden Euro machen die japanischen Immobilien 14 Prozent aus.

Kein Liquiditätsengpass

Der Fonds bleibt solange geschlossen, bis sich die Lage in Japan geklärt hat und die Folgen auf die Wirtschaft und die Immobilienmärkte einzuschätzen sind. „An Liquidität mangelt es uns nicht“, stellt Fabian Hellbusch von Union Investment Real Estate klar. Zu wenige flüssige Mittel waren der Grund, warum in den vergangenen Jahren zahlreiche andere offene Immobilienfonds schließen mussten. „Wir werden auch bei Wiederöffnung des Fonds genügend liquide Mittel haben, um Anteile zurückzunehmen“, sagt Hellbusch. Wer sein Geld in der Zwischenzeit benötigt, kann seine Anteile über die Börse verkaufen. Dort wird der Fonds derzeit rund 5 Prozent unter seinem letzten, am 16. März 2011 festgestellten Preis gehandelt.

Andere Fonds setzen Geschäfte fort

Andere Fonds mit ähnlich hohem Immobilienbestand in Japan setzen ihre Geschäfte hingegen wie gewohnt fort. Der Deka Immobilien Global ist nach Rücksprache mit seinen externen Gutachtern zu der Auffassung gelangt, dass keine Notwendigkeit bestehe, die Immobilien neu zu bewerten. Die Immobilien seien zu über 90 Prozent vermietet und würden uneingeschränkt genutzt, heißt es bei der Deka. Der Deka Immobilien Global hat ein Gebäude in Tokio, ein weiteres in Yokohama und zwei in Osaka. Der Anteil japanischer Immobilien am gesamten Fondsvermögen beträgt 14,5 Prozent.

Japan-Anteil von 16,1 Prozent

Der Fonds grundbesitz global der Deutschen Bank hat einen Japan-Anteil von 16,1 Prozent. Vier Immobilien befinden sich im Großraum Tokio, eine in Osaka. Sie macht allein 5,2 Prozent des Fondsvermögens aus und ist derzeit voll vermietet. Die Immobilien in der Hauptstadt sind ebenfalls fast voll vermietet. „Die Mieter können ihre Immobilien ohne Einschränkung nutzen“, schreibt das Fondsmanagement. Es seien keine Schäden durch das Erdbeben festgestellt worden. Die externen Gutachter halten eine Neubewertung aktuell für nicht notwendig und auch nicht für sinnvoll an. Tokio sei nach wie vor das Wirtschaftszentrum Japans und damit wichtigster Standort für die japanische Industrie.

Mangel an flüssigen Mitteln

Auch der TMW Immobilien Weltfonds von Pramerica hat japanische Immobilien, eine in Tokio, eine in Yokohama. Sie machen rund 6 Prozent am Fondsvermögen aus. „Wir sehen derzeit keine Veranlassung für eine Neubewertung“, sagt Geschäftsführer Sebastian Lohmer. Die Werte der Immobilien seien Anfang März aktualisiert worden. Beide Gebäude seien voll vermietet, und es seien auch keine Schäden festzustellen. Derzeit kenne man die Auswirkungen der Katastrophe auf den Immobilienmarkt noch nicht. Der TMW Immobilien Weltfonds ist bereits seit Februar 2010 und voraussichtlich bis Februar 2012 geschlossen – aus Mangel an flüssigen Mitteln. In den vergangenen Monaten kam es zu zahlreichen Fondsschließungen aufgrund von Liquiditätsengpässen. Einige Fonds wurden sogar aufgelöst. test.de berichtete:

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