Kriminelle können die Fern­verriegelung mit einem Störsender unterdrücken.

Wenn Auto­diebe das zur Verriegelung genutzte Funk­system umgehen und beim Öffnen des Wagens keine Spuren hinterlassen, bezahlen Versicherungen nicht. Kriminelle nutzen im Wesentlichen zwei Angriffs­arten, um die Sicher­heits­systeme von Fahr­zeugen unauffäl­lig zu umgehen: Jamming und Relay Attack. Wir erklären, wie die Auto­knacker vorgehen – und wie Sie sich gegen Auto­diebstahl schützen können.

Jamming

So funk­tioniert es: Beim Jamming wird das Funk­signal zum Schließen des Autos, das der Fahrer mit dem Schlüssel an die Fern­verriegelung sendet, mit einem Störsender (auf Eng­lisch „Jammer“) blockiert. Diese Art des Angriffs funk­tioniert also nur, solange sich der Fahrer mit dem Schlüssel in der Nähe des Fahr­zeugs befindet. Die Folge: Das Auto bleibt offen. Versichert ist nur das gewalt­same Eindringen, nicht das Öffnen einer unver­schlossenen Tür. Deshalb zahlen Kasko­versicherungen in der Regel nicht. Die Jamming-Masche passiert besonders häufig auf Park­plätzen vor Supermärkten. Die Täter unterdrücken das Schließ­signal, warten bis der Auto­besitzer im Laden verschwunden ist und räumen in aller Ruhe den Wagen aus.

Das sagen Gerichte: Der Diebstahl von Sachen aus dem Auto nach Jamming ist nicht versichert. Ein Berliner ging deshalb vor dem Land­gericht Berlin leer aus (Az. 23 S 32/14). Er wollte von seiner Hausrat­versicherung Sachen ersetzt haben, die aus seinem Auto entwendet wurden.

So schützen Sie sich: Achten Sie beim Fern­verriegeln darauf, dass das Auto durch Blinker­signale das Abschließen anzeigt.

Relay Attack

So funk­tioniert es: Eine andere Methode Krimineller, das Schließ­system von Autos auszutricksen, ist die sogenannte Relay Attack. Sie funk­tioniert mit Autos, bei denen ein Schlüssel oder eine Chipkarte nur an das Fahr­zeug gehalten werden muss, ohne einen Knopf zum Entriegeln zu drücken. Diese Systeme haben je nach Hersteller unterschiedliche Namen, zum Beispiel „Keyless Go“. Der Trick der Diebe: Sie fangen das Funk­signal mit einem speziellen Gerät vom Schlüssel ab, der sich beispiels­weise in einer Tasche befindet. Ein Komplize steht, ebenfalls mit einem speziellen Gerät ausgestattet, neben dem Ziel­auto. Das eigentlich sehr schwache Funk­signal, das normaler­weise nur in Fahr­zeugnähe zum Öffnen des Wagens reicht, wird so über mehrere Hundert Meter über­tragen.

Das sagen Gerichte: Obwohl die Autos hier ordnungs­gemäß verschlossen sind, über­nehmen Versicherungen die resultierenden Schäden in der Regel nicht, wenn keine Aufbruch­spuren vorhanden sind. So erging es einem Mann in München, aus dessen Auto Gegen­stände im Wert von mehr als 3 000 Euro verschwanden. Am Fahr­zeug gab es keine einschlägigen Spuren. Das Amts­gericht München entschied, das Verwenden eines falschen Schlüssels sei nicht mit „Aufbrechen“ gleich­zusetzen. Dieser Begriff stand in den Versicherungs­bedingungen. Außerdem bestehe eine „nicht unerhebliche Miss­brauchs­gefahr“, wenn Versicherungen sich nur auf die Angaben der Betroffenen und gegebenenfalls Zeugen verlassen müssten. Die Hausrat­versicherung muss nicht zahlen (Az. 274 C 7752/19).

So schützen Sie sich: Wenn Sie sicher­gehen möchten, können Sie den Schlüssel in einer Metall­dose oder einer speziellen Tasche (Stich­wort „RFID-Schutz­tasche“) aufbewahren. Ob das Funk­signal effektiv blockiert wird, testen Sie, indem Sie den Schlüssel samt Hülle wie gewohnt an das Auto halten. Es sollte sich dann nicht öffnen lassen.

Diese Meldung ist am 17. März 2015 auf test.de erschienen. Wir haben sie am 8. Dezember 2020 aktualisiert.

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