Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer Test

In der Jahres­mitteilung sollten Riester-Sparer sehen, ob mit ihrem Vertrag alles klappt. Die Informationen sind besser geworden.

Konstruktive Kritik ist oft hilf­reich. Seit Finanztest im August 2008 erst­mals haar­sträubende Mängel in zahlreichen der jähr­lichen Riester-Mitteilungen aufdeckte, hat sich einiges getan. Viele Abrechnungen der Banken, Versicherungs- und Fonds­gesell­schaften sind heute lesbarer, klarer und verständlicher.

Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer Test

Patrizia Franco-Schäfer und Michael Schäfer haben beide einen Riester-Bank­sparplan bei der Mainzer Volks­bank. Den Konto­auszug der Bank finden sie leicht verständlich. Nur die Angabe, wie sich der Zins im Laufe des Jahres verändert hat, haben sie anfangs nicht bemerkt. Sie ist auf einem Extrablatt versteckt.

Finanztest hat diesmal die Riester-Mitteilungen von 37 Anbietern zu fünf Arten von Verträgen untersucht (siehe „Die Riester-Angebote“). Einige sind gut oder sogar sehr gut. Bei den kompliziertesten Verträgen, den Versicherungen mit Fonds, liegt allerdings noch vieles im Argen. Zwei Abrechnungen haben sogar gravierende Mängel.

Dass Finanztest einer Formalie so große Beachtung schenkt, hat gute Gründe. Die jähr­lich verschickte Stand­mitteilung ist die entscheidende Information der Riester- Anbieter für ihre Kunden. Für sie geht es immerhin um die Ergän­zung der Alters­vorsorge. Kein ganz unwichtiger Punkt also.

Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Sparer ihren Riester-Vertrag im Blick behalten. Hundert­tausenden Anlegern sind Zulagen wieder abge­zogen worden, die sie zuvor erhalten hatten – oft ohne dass die Betroffenen das gleich bemerkten. Viele hatten aus Unwissenheit zu wenig Beitrag einge­zahlt, ihnen stand nicht die volle Zulage zu.

Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer Test

Die DEVK lässt Sparer rechnen.

Die jähr­liche Mitteilung hilft, solchen Ärger zu vermeiden. Wenn sie kundenfreundlich aufgebaut ist, erkennt der Sparer schnell, ob alles wunsch­gemäß läuft und kann bei Bedarf schnell reagieren. Er sieht, welche Beiträge und Zulagen einge­gangen sind und welche Kosten abge­zogen wurden.

Finanztest hat bereits beim voran­gegangenen Test gezeigt, wie kundenfreundliche Riester-Mitteilungen aussehen können. Daran haben sich manche Anbieter orientiert. Die Mitteilungen der Volks­banken Gronau-Ahaus und Krefeld schafften sogar ein „Sehr gut“.

Auch die Abrechnungen für Fonds­sparpläne sind seit unserem letzten Test kaum wieder­zuerkennen. Damals war keine besser als ausreichend, nun sind alle mindestens befriedigend, inhalt­lich sogar gut.

Vor allem die DWS hat ihre zuletzt nur ausreichende Mitteilung general­über­holt und versorgt ihre Kunden nun mit umfang­reichen und dabei über­sicht­lichen und verständlichen Informationen.

Mäßige Noten für Versicherer

Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer Test

Der 41-jährige Steffen Lohmann-Selter wartetete bis April auf die Post von der PB-Versicherung. Er hätte die Papiere schon früher für die Steuer gebraucht.

Weniger begeistert waren wir von den Mitteilungen vieler Versicherungs­anbieter. Sie haben es natürlich von vorn­herein schwerer als die Banken, da ihre Produkte komplizierter sind und sie mehr Informationen geben müssen.

Bank- und Fonds­sparpläne enden vor der Renten­phase. Der Sparer muss sich dann entscheiden, wie es weitergeht. Bei Riester-Versicherungen ist die Umrechnung in eine Rente dagegen schon Teil des Vertrags. Vor allem die fonds­gebundenen Verträge stellen die Anbieter vor große Heraus­forderungen.

Doch für die Mängel, die wir in manchen Schrift­stücken entdeckten, gibt es keine Entschuldigung. So war die Riester-Mitteilung der Heidel­berger Leben keinen Deut besser als bei unserem letzten Test. Schon damals wurde sie mit mangelhaft bewertet.

Das auf den ersten Blick über­sicht­liche Dokument offen­bart bei genauem Hinsehen eine Menge Ungereimtheiten. Eigenbeiträge des Sparers sind nicht von Zulagen getrennt, Fonds­erträge nicht ausgewiesen, und in der Aufstellung fehlen fast alle wichtige Eckdaten zu den Vertrags­details. Sparer können nicht einmal erkennen, wann sie den Vertrag abge­schlossen haben, wie lange er läuft und ob ein Antrag auf Dauer­zulage gestellt ist.

Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer Test

Versicherungs­kammer Bayern informiert mangelhaft.

Ähnliche Defizite hat die Mitteilung der Versicherungs­kammer Bayern. Sie konfrontiert den Sparer mit Ertrags­zahlen, die er nicht ohne Weiteres verstehen und in den richtigen Zusammen­hang bringen kann.

Die Signal Iduna erreichte mit einer völlig unüber­sicht­lichen Mitteilung im wichtigsten Prüf­punkt „logischer Aufbau und Voll­ständig­keit“ gerade noch das Urteil ausreichend. Selbst wohl­informierte Sparer dürften bei der „Vertrags­auskunft“, die aus drei Seiten Anschreiben und fünf Seiten Information besteht, vorzeitig aussteigen.

Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer Test

Nachher: Wie die Versicherungs­mitteilung der LVM klarer wäre.

Wie eine verbraucherfreundliche Jahres­mitteilung für eine Riester-Versicherung aussehen könnte, zeigen wir in der Infografik „Nachher: Wie die Versicherungs­mitteilung der LVM klarer wäre“.

Rätsel um die Rentenhöhe

Die meisten Versicherer legen großen Wert darauf, den Sparer über seine spätere Rente zu „informieren“. Wir sehen diesen Eifer mit Skepsis, denn viele ihrer Berechnungen enthalten große Unwäg­barkeiten.

Finanztest hält zwei Angaben für besonders wichtig: das garan­tierte Kapital, das der Sparer mit seinen Einzahlungen bereits erreicht hat, und die Höhe der Rente, die sich daraus ergibt. Beides ist dem Sparer auch dann sicher, wenn er künftig keine Beiträge mehr einzahlt.

Alles andere ist in hohem Maße Kaffee­satz­leserei. Allerdings haben wir die zusätzlichen Angaben nur dann negativ bewertet, wenn sie den Sparer grob in die Irre führen.

Jahres­mitteilungen für Riester-Sparer Test

Vorher: Was die Wert­ermitt­lung der LVM-Versicherung dem Kunden sagt.

In den untersuchten Abrechnungen fanden wir acht unterschiedliche Arten, wie die spätere Riester-Rente dargestellt und berechnet wird. Die LVM berechnet zum Beispiel künftige Renten mit drei unterschiedlichen Zins­sätzen, von denen nur der nied­rigste garan­tiert ist (siehe Infografik: „Vorher: Was die Wert­ermitt­lung der LVM-Versicherung dem Kunden sagt“ unten).

Meist treffen die Versicherer zahlreiche Annahmen, um eine bestimmte Rente auszuweisen. Da werden Beitrags­zahlungen und Zulagen auf Jahr­zehnte hoch­gerechnet, Über­schuss­beteiligungen fort­geschrieben und aus heutiger Sicht recht kühne Zins­prognosen angestellt. Oft dient das Ganze vor allem dazu, eine möglichst attraktive Rente auszuweisen.

Garan­tien ohne Gewähr

Immer wieder kommt der Begriff „Garantie“ ins Spiel, auch wenn noch kaum etwas garan­tiert werden kann. Für uns ist nur die Rente garan­tiert, die der Sparer durch bisherige Einzahlungen und Zulagen sicher erreicht hat. Alles andere sind mehr oder weniger plausible Hoch­rechnungen, die gerade bei Riester-Verträgen ihre Tücken haben.

Anders als bei herkömm­lichen Versicherungen spielen die Lebens­umstände und die Entwick­lung des Einkommens für die Prognosen eine erhebliche Rolle. Durch eine Scheidung, die Geburt von Kindern oder den Verlust des Arbeits­platzes kann sich vieles ändern: der nötige Mindest­beitrag genauso wie die Höhe der Zulagen. Die Rentenbe­rechnung ist dann Makulatur.

Ähnlich wack­lig sind die Prognosen für die Wert­steigerung von Aktienfonds. Versicherer unterstellen gern einen jähr­lichen Wert­zuwachs von mindestens 8 Prozent. Sollte sich der Markt deutlich schlechter entwickeln, kommt am Ende eine viel nied­rigere Rente heraus.

Erst­mals haben wir in die Unter­suchung auch Bauspar­verträge aufgenommen. Da bei diesem jüngsten Riester-Produkt das Angebot noch klein ist, blieb es bei den Abrechnungen von drei Bausparkassen.

Zu viel Kauderwelsch und Werbung

Allen guten Vorsätzen zum Trotz nerven viele Anbieter ihre Kunden immer noch mit Fachjargon. Die insgesamt recht ordentliche Mitteilung der Debeka ist zum Beispiel so mit Versicherungs­deutsch über­frachtet, dass einem das Lesen schnell vergeht. Lieber ein paar Anmerkungen weniger, dann aber auch für Normalbürger verständlich.

In den ausschweifenden Texten vieler Versicherer fehlt es nicht an Eigenlob. Allianz, Asstel, Gothaer, Huk-Coburg und andere nutzen die Mitteilungen für Werbung in eigener Sache. An dieser Stelle will man aber nichts vom „finanz­starken Partner mit ausgezeichneten Produkten“ lesen, sondern kompakte Informationen ohne schmü­ckendes Beiwerk erhalten.

Manches wirkt sogar unfreiwil­lig komisch, wie diese Aussage: „Die Alte Leipziger Lebens­versicherung fühlt sich bei ihrem Handeln ethischen, sozialen und ökologischen Belangen verpflichtet. Im Interesse einer wirt­schaftlichen Kapital­anlage verzichten wir aber auf eine explizite Berück­sichtigung dieser Kriterien.“

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